2007-04-02 00:10:44
Mit MOLOKO hat Roisin Murphy Lieder wie „Familiar feeling“, „Cannot contain this“ oder „Party weirdo“ geschrieben und (folgerichtig) gesungen. Vor kurzem erschien auf dem englischen Label „ECHO Records“ ihr gemeinsam mit Matthew Herbert produziertes, würdiges Soloalbum „Ruby Blue“. Auf diesem debütiert sie sowohl erfolg- als auch emotionsreich.
Rubinrot gegen blau
Eine gewisse Subtilität ist der „1947 im zwei Stunden von Dublin entfernten Arklow geborenen Roisin Murphy“ (Zitat: www.laut.de) nicht abzusprechen – sowohl im Klang ihrer Stimme als auch in den sie mit wunderschönen Klangteppichen unterstützenden Bläsersätzen. Wie sie ihre Haarfarbe, von blond auf rot nämlich, änderte, so stehen sich auch die zwei Wörter des Albumtitels („Ruby Blue“) antagonistisch gegenüber. „Ruby Blue" als Figur verkörpert lyrische und widersprüchliche Eigenschaften. „Ruby“ ist Rot, Feuer, diese Art Energie. „Blue“ ist das Melancholische, die andere Seite derselben Medaille“, erklärte sie dem Kölner „Magazin für Popkultur“ Spex in einem Interview (Ausgabe Nr. 289, 07/2005) programmatisch. Doch keine Angst! Der Musikkonsument muss sich hier kein Tränensäcke anregendes Album, durchflößt von einer die lustigen Dinge im Leben ausblendenden Stimme erwarten - zu dem der Dance-Musik ziemlich nahe kommendem Stück „Sow into you“ darf in den Clubs, hoffentlich auch österreichischer Gattung, gewissenlos getanzt werden.

Roisin Murphy und die Kunst des lasziven Blickes. © Edel Records
Romantisches Buch ohne Seiten
„How did you predict
The end of the world
When you can’t see beyond
The end of your nose?”
(Through time)
„Through time“ ist ein das Wort “romantic” beinhaltendes und die - hoffentlich - wieder aufbegehrende und aufflammende Liebe beschreibendes Lied. Roisin Murphy will darin den Liebenden dazu aufordern, manchmal fragt sie ihn aber auch nur ganz zurückhaltend „Shouldn `t we be holding on?“, die gemeinsame Liaison wieder zu begehen. Das Album, also die zwischen zwei Klappen (Klappcover) befindliche CD, kann getrost als ein Buch in Form von Klängen interpretiert und deswegen nur teilweise artgerecht als Buch (Stichwort „Booklet“) gelesen, sonst aber als Musik wahrgenommen werden, denn als Inhalt sind keine Plattitüden oder Floskeln anzutreffen. Die Liebe (auch) als Ventil (an-) nehmende Roisin Murphy, deren Heldin, wie sie ebenfalls im Spex-Interview anmerkte, die Sonic Youth-Bassistin (aber auch Sängerin und Gitarristin) Kim Gordon war, spricht fast auf dem gesamten Album eine von ihr wahrscheinlich geliebte Person an.
Lieder – nicht für das Lagerfeuer
Fazit: Die bei diesem Album definitiv keinen Fehler auf die CD lassende Ex-MOLOKO-Sängerin darf/soll/muss/kann jederzeit wieder der breiten, dumpfen Masse, unterstützt von Matthew Herbert, ihren Kehlkopf anregen und weitere, diesmal mehr - wenn es soweit, also Sommer ist - dem Sommer und der damit einhergehenden Anarchie des Loslassens angepasste Lieder hinaus posaunen. Denn von 12 Songs gibt es mit dem schon erwähnten „Sow into you“ und der das Album beendenden Ballade „The closing of the doors“ nur zwei Lieder, die man sich entweder ersteres betreffend, im (heißen) Club, oder, Nummer zwei, in einer lauen Sommernacht durch die Ohren sausen lassen kann. Nicht dass das Album zu kalt wäre, aber das Bild mit den Schneeflocken und dem daraus durch den Ofen resultierenden Erwärmen der Wohnung würde eher Eingang finden, als kühle Getränke, Lagerfeuer oder Festival-Partys in Seenähe.
„Not in June
But in the bitter cold of
December”
Wie sie es selbst in “If we`re in love“ ankündigt…
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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