2009-01-23 16:20:18
Austrofred, Österreichs Vorzeigefigur in Sachen sinnvolle Unterhaltung, begibt sich mit seinem neuen Buch Ich rechne noch in Schilling auf Selbstbeobachtungstrip. Ein Tagebuch, das komischer nicht sein könnte.
Humor ist so eine Sache. Zweifellos ist er eine wichtige Komponente, um die Down–Phasen im Leben zu meistern oder sich wenigstens für einen Moment lang in eine andere, scheinbar "bessere" Welt zu versetzen. Angelehnt an Billy Wilder, dem der legendäre Spruch "Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst" zugeschrieben wird, ist Humor ein notwendiges Ventil, ein Schutz, eine Rüstung, um den widrigen Gegebenheiten zu begegnen.
Zuweilen kann man Humor aber auch eine gewisse therapeutisch-medizinische Funktion zuschreiben, Stichwort: Lachen ist gesund. Ein Schelm also, wer die Bedeutung von Humor unterschätzt. So weit, so klar. Bloß: Nicht alles ist witzig, Spaß ist nicht gleich Spaß und nichts wirkt abgestandener als hemmungsloses Dauergrinsen.
Es kommt also sehr wohl auf den Kontext, auf das Umfeld und ethisch-moralische Grundsätze an – man erinnere sich an das Unwort "Political Correctness" –, aber vor allem sollte Humor, aus welchen Gründen auch immer, einen kleinen Schuss gelungene Pointe beinhalten. Beispiel: Ricky Gervais beweist seit Jahren, dass Schenkelklopfer der Marke "Humor ist, wenn man auch lacht" bestens für den sogenannten Mainstream funktionieren.
Oliver Pocher ist so ziemlich das genaue Gegenteil, ein Mann, der weder Hirnschmalz noch gekonntes Auftreten besitzt und ganz nebenbei auch noch signifikante Stilelemente wie Metaebenen nicht und nicht beherrscht. Wuchteldrucker für den kleinen Mann sozusagen. Wie es hingegen funktionieren kann, beweisen hierzulande Brachial-Komiker wie Stermann/Grissemann, Projekt X und natürlich auch Österreichs einzige Freddie Mercury-Reinkarnation, sä one and only Austrofred.
Lachen erlaubt!
In seinem neuen, tagebuchartigen, dieser Tage im Czernin Verlag erscheinenden Werk mit dem famosen Titel Ich rechne noch in Schilling macht der Tausendsassa Austrofred vor, wie sich Humor definieren kann. Der Inhalt bewegt sich zwischen heftigem Schnitzelkonsum ("Bröselfetzen"), ausgedehnten Touren, Geschichten aus dem "Kompetenzzentrum", bewegenden, ja intimen Einblicken in sein spannendes Leben und anderen Weisheiten aus dem Austrofred'schen Universum.
Im Klartext: Es folgt eine amüsante Anekdote der anderen, insgesamt ergibt sich daraus eine heftige Gnackwatschn' für die Damen und Herrn von und zu. Das kann dann wie folgt lauten: "Bekannterweise bin ich immer vorn dabei, wenn es um die Förderung musikalischer Talente geht, und stehe jungen Nachwuchskünstlern jederzeit mit hilfreichen und praxisnahen Tipps und Ratschlägen zur Seite. Insbesondere auch, wenn es ums Styling geht, um die Stagewear, um den perfekten Look. Weil im Showbiz kommt es ja immer auch auf die Verpackung an. Klar, wenn ich meiner Oma einen Nudelwalker schenke, dann freut sie sich auch mehr darüber, wenn er in ein Goldpapier eingewickelt ist, als wie wenn ich ihr den Nudelwalker einfach so in die Hand drücke und es pickt noch das Preismarkerl drauf."
Oder an anderer Stelle: "Heute habe ich mir zum Abendessen ein Paar Berner Würstel herausgeprasselt, und wie ich ihnen da so zugeschaut habe, den Würsteln in ihren Bauchspeckmäntelchen, wie sie auf einmal im heißen Fett anfangen, dass sie brutzelnd herumspringen und ein fröhliches Tänzchen aufführen, da habe ich direkt schmunzeln müssen. Wie schwer machen wir Menschen uns oft das Leben, wo es doch so einfach wäre, wenn wir nur ein bisschen mehr so wären wie diese Berner Würstel."
Insgesamt also ein lesenswertes Büchlein, das die Bauchmuskeln trainiert. Lachen ist gesund. Was zu beweisen war.
Ich rechne noch in Schilling von Austrofred ist im Czernin Verlag erschienen.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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