2007-04-02 00:11:10
Das Debütalbum des österreichischen Trios „Roter Stern Silberstern“ präsentiert sich rau, kantig und rasierklingenscharf.
Roter Stern Silberstern (kurz: RSSS) setzt sich aus Hannes Strasser (Stimme/Gitarre), Jasmin Al-Kattib (Bass/Gesang) und Alex Tomann (Schlagzeug) zusammen. In dieser Besetzung existiert RSSS aber erst seit dem Jahre 2003. Zuvor widmeten sich Hannes und Alex unter dem Namen Silberstern vergebens dem klassischen Indie-Rock und litten dabei an einer chronischen Bassistenfluktuation. Nun scheint ihnen aber eine Frau die Augen geöffnet zu haben. Dieser Vorgang könnte sich ungefähr so abgespielt haben: Jetzt ist Schluss mit lustig! Rann an die Gitarren, denn richtige Rocker braucht das Land!
Falls dieser fiktive Arschtritt wirklich stattfand, hat es sich bislang bezahlt gemacht: Mit ihrer ersten EP „Pinguin“ machte RSSS zum ersten Mal auf sich aufmerksam und jetzt schießt das Trio mit „Retropolis“ ihr Debütalbum hinterher, welches ab 18. März im Handel erhältlich ist.
Sturm und Drang ohne Rücksicht auf Verluste
Bereits nach dem ersten Track wird einem klar, dass bei „Retropolis“ eine etwas härtere Gangart eingelegt wird: „Ein rollender Felsen ist das Symbol für unsere Bewegung/Wir feiern die Helden und bauen unsere eigene Ruhmeshalle.“ Da spuckt jemand große Töne! Gewagt, aber mit einem rollendem „Rock“ kann die Musik von RSSS auf jeden Fall verglichen werden.
Ein von Gitarre, Bass und Schlagzeug gebündeltes, fest verschweißtes, drängelndes Gesamtwerk, das - wenn es sich einmal in Bewegung gesetzt hat - nicht mehr zu stoppen ist und so manchen Hörer in seinen Bann reißen wird. Der vom Trio erzeugte musikalische Druck wird fein säuberlich und behutsam auf 13 elektrisierende, bis oben hin mit Energie geladene Stücke verteilt.
Zu hören sind quengelnde, forsche Gitarren in Surrogat-Manier, die zur Attacke blasen, ein stützendes, ständig nach vorne orientiertes Schlagzeug - welches ein wenig an das von Queens Of The Stone Age erinnert - und ein Druck verstärkender Bass, der sich dennoch der Melodie verpflichtet fühlt. Gesungen, oder besser gesagt gerotzt, wird natürlich auch was das Zeug hält: Was Hannes Strasser da frech von sich speit, brennt auf der Haut und ist mit einer, für dieses Genre beinahe als obligatorisch geltenden Poser-Attitüde behaftet. Stimmlich bewegt sich Hannes immer an der Grenze zum Absturz. Zum Glück wird er aber durch die partielle Beteiligung von Jasmin Al-Kattib`s - leider etwas zu leise ausgefallenem - Gesang ständig auf die sichere Seite gezogen.
„Retropolis“ ist nichts für „Freunde des feinfühligen Tons“, „Weicheier“ oder „Freizeitrocker“ - und mit Sicherheit auch nicht für den sonntägigen Frühstückstisch konzipiert. Nein, diese energetische Musik gehört in Clubs, in den Untergrund, wo dass Bier fließt und sich der Schweiß mit Rauchschwaden zu einem Aphrodisiakum vermischt, das einen in Ekstase versetzen kann. Von dort wird die Musik des Trios auch kommen und alles mit sich reißen, was sich ihr in den Weg stellt.
Roter Stern Silberstern Live:
25.03.’05 – Premysl/Vöcklamarkt
26.03.’05 – Sublime/Aflenz
01.04.’05 – Triebwerk/Wr. Neustadt
05.04.’05 – Bierstindl/Innsbruck
07.04.’05 – Arcadium/Graz
08.04.’05 – Flex/Wien
09.04.’05 – Oho/Oberwart
Fotos: Florian Wieser
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