2009-10-22 14:10:48
Was häufig als Lückenfüller dient, erhält hier die gewünschte Aufmerksamkeit. Roswitha Schlötterer-Traimer hat in ihrem kürzlich erschienenen Buch die wichtigsten Karikaturen über Richard Strauss zusammengefasst und treffend kommentiert.
Ihren Karrierehöhepunkt hatten beide zur selben Zeit. Sowohl
Richard Strauss und seine Werke als auch die Karikatur waren zu Beginn des 20.
Jahrhunderts weit verbreitet und bekannt. Dementsprechend ist es nicht
verwunderlich, dass der eine in der anderen eine herausragende Stellung
einnimmt. Trotzdem musste der interessierte Leser und Betrachter bis zum
heutigen Tage darauf warten, dass die wichtigsten Karikaturen über den letzten
großen deutschen Opernkomponisten in einem Band zusammengefasst werden. In
Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek ist Roswitha
Schlötterer-Traimer dies im Rahmen einer Veröffentlichung der
Richard-Strauss-Gesellschaft jetzt gelungen.
Von Guntram ins
Dritte Reich
Zeitlich spannt sich der Bogen der Karikaturen von der
Uraufführung des Guntram, der ersten
Oper von Richard Strauss aus dem Jahr 1894, bis zur Anfangszeit des Dritten Reiches,
in welchem die Karikatur dann zum reinen Propagandainstrument wurde und ihre
außergewöhnliche gesellschaftliche Stellung verlor. Vielleicht ist es auch eine
gewisse Ironie des Schicksals, dass auch Richard Strauss Stern in dieser Zeit
zu sinken begann; seinen Opernkompositionen aus der Zeit nach 1935 waren keine
großen Erfolge mehr beschieden.
Salome, Elektra,
Rosenkavalier
Der Hauptfokus der Karikaturen richtet sich nicht unerwartet
auf die drei wohl berühmtesten Opern von Richard Strauss: Salome (1905), Elektra (1909) und Der
Rosenkavalier (1911). Diese Werke wurden seinerzeit auch in der
Öffentlichkeit am kontroversesten diskutiert und bildeten dadurch die natürliche
Basis der Karikatur – gesellschaftliche Relevanz. Allerdings luden auch die
Thematiken der Opern zur Weiterverarbeitung ein. Die Karikaturen blieben
nämlich nicht in ihrem ursprünglich musikalischen Kontext haften, sondern
übertrugen die Opernbilder in die Welt von Politik und Gesellschaft. So
mutierte Jochanaans Kopf auf dem Silbertablett schnell zu Personen des
öffentlichen Lebens.
Ein Fachbuch bleibt
ein Fachbuch
Wer sich nun aber auf ein unterhaltsames Buch freut, das die
Entwicklungen der damaligen Zeit als Bildergeschichte zeigt, muss enttäuscht
werden. Trotz der hilfreichen erklärenden Kommentare, bleibt der
gesellschaftliche Rahmen durch die Themenwahl erwartbar beschränkt. Letztlich
wird daher eher der Richard-Strauss-Kenner als der Karikaturenfreund seine
Freude mit dieser Sammlung haben.
Richard Strauss – Sein
Leben und Werk im Spiegel der zeitgenössischen Karrikatur
Ausgewählt und kommentiert von Roswitha Schlötterer-Traimer
Erschienen bei Schott,
Oktober 2009
Gebunden, 368 Seiten, EUR 49,95
Nobody knows the trouble I've seen.
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