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Rezension - Ökonomisierung der Bildung

2007-04-02 00:14:11

Dieser kleine Sammelband nähert sich dem Thema Ökonomisierung mit Schwerpunkt auf Österreich. Er bietet einen sehr guten Überblick über das Thema, und ist für jedeN kritischeN StudentIn von heute unverzichtbar!

Österreichische HochschülerInnenschaft, Paulo Freire Zentrum (Hg.) (2005): Ökonomisierung der Bildung. Tendenzen, Strategien, Alternativen.



Um das vorliegende Buch zu verstehen, muss man den Kontext kennen, in dem es entstanden ist. Herausgegeben wurde es vom Paulo Freire Zentrum und der Österreichischen HochschülerInnenschaft und basiert auf einer gleichnamigen Ringvorlesung im Sommersemester 2005 an der Universität Wien. Das Buch umfasst einige der Themen, die von verschiedenen Vortragenden aus mehreren Ländern im Zusammenhang mit dem Schlagwort „Ökonomisierung der Bildung“ aufgezeigt wurden.

Theoretisch fundiert und trotzdem einfach

Das kleine Büchlein (220 Seiten) versteht es, durch die Textvielfalt die Vorteile eines Sammelbandes zu nutzen, ohne als unsystematische Aneinanderreihung zusammenhangloser Texte zu enden.
Wie bereits der Hintergrund der HerausgeberInnen erahnen lässt, bezieht das Buch zu dem Thema – oder besser Problem - eindeutig Stellung: Und zwar gegen die fortschreitende Ökonomisierung der Bildung. So wird der theoretische Unterbau auch von kritischen Vordenkern geliefert, deren Namen in den verschiedenen Texten immer wieder auftauchen und zitiert werden: Antonio Gramsci, Paulo Freire, Michel Foucault und Pierre Bourdieu um nur die Bekanntesten zu nennen. Wer also noch immer der Illusion der unpolitischen Wissenschaft erliegt (und nach Rosa Luxemburg damit politisch ist, ohne es zu wissen), dem wird das Buch vermutlich die gewünschte Befriedigung versagen.
Wo sich die Texte auf die Theorien und Ideen bestimmter DenkerInnen beziehen, werden die relevanten Grundzüge einstiegsfreundlich dargestellt, und so zeichnet sich das Buch auch durch seine gute Lesbarkeit (jeder Text hat ca. 20-30 Seiten) aus. Man muss also nicht Bourdieus „Die feinen Unterschiede“ oder Gramscis „Gefängnishefte“ kennen, um die Gedanken der AutorInnen nachvollziehen zu können.

Vielfalt der Texte

Die Texte sind weit gestreut und umfassen zum Beispiel eine kritisch-wirtschaftliche Analyse, einen Überblick über die österreichische Universitätsgesetzgebung, eine Auseinandersetzung mit der „Illusion der Chancengleichheit“ in Bourdieu'scher Tradition, sowie einen Bericht über die Lage in den sogenannten Entwicklungsländern. Ganz im Sinne des „Pessimismus des Intellekts, Optimismus des Willens“ von Gramsci bieten die Texte jedoch nicht nur eine niederschmetternde Analyse des Bestehenden, sondern auch die Entwicklung alternativer Gegenmodelle.
Wer sich eingehender mit dem aktuellen Thema der Ökonomisierung der Bildung befassen will, findet am Ende jedes Textes eine ausführliche Literaturliste. In diesem Sinn ist das Buch „Ökonomisierung der Bildung“ auch nur ein „Appetizer“ und erster Einstieg in die breite Materie.

Fazit

In Zeiten eines immer stärker werdenden Zugriffs der Wirtschaft auf den Bildungssektor ist es notwendiger Augenöffner, theoretisches Werkzeug zur (universitären) Selbstverteidigung und Mutmacher in einem.
Während also die studentische Protestbewegung darniederliegt, ist dieser kleine Sammelband (und noch mehr die Vorlesung der er zugrunde liegt) vielleicht der Beginn eines „Stellungskrieges“ (im Sinne Gramscis) gegen das hegemoniale Projekt „Bildungsökonomisierung“ in Österreich.*

*vereinfacht erklärt: nach Gramsci ist es nicht möglich, die „Macht“ durch eine schnelle Revolution und die Übernahme des Staates zu erringen, sondern es braucht einen zähen und langen Kampf um die Hegemonie in der Zivilgesellschaft zu erringen. In diesem „Stellungskrieg“ (der die Mühsehligkeit dieses Kampfes ausdrückt) um die Überzeugung der Massen sind Aufklärung durch Bücher, Artikel oder eben auch Vorlesungen wichtige Instrumente.



Das Buch kann bei FACULTAS im NIG erstanden oder auf www.thalia.at bestellt werden.


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AutorInnen

Martin Bartenberger

Martin Bartenberger

Ich mag mein Studium (Politikwissenschaft), Tiere, die Wiener Außenbezirke und gutes Essen (Tiere). Mitglied des FM5-Kletterteams.

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