2011-08-09 21:27:37
Replica aus Marchtrenk (OÖ) haben sich in der hiesigen Metalszene längst einen ausgezeichneten Ruf erspielt. Kürzlich tourte die Band gar als Support von Ektomorf durch Europa. Ein Interview mit Alex (v), Dominik und Roman (g).
FM5: Replica gibt es nun bereits seit 2003: Stand bei der damaligen Namensfindung eigentlich der gleichnamige Fear Factory-Song Pate? Welche Bands haben euch ansonsten noch in eurer Anfangsphase am meisten beeinflusst bzw. ihren Anteil daran, dass ihr überhaupt Musik macht?
Alex: Wieso wir nun den Namen Replica für unsere Band wählten, kann ich dir nicht mehr so genau sagen. Uns gefiel der Zusammenhang mit dem Wort Ebenbild und auch die Kürze und die damit verbundene Stärke des Wortes.
Sehr viel Musik (und das ist nicht nur Metal), welche wir hören, kann als Einfluss genannt werden: Es gibt so viele großartige Musiker und Bands, auch in Österreich. Aber im speziellen möchte ich die vermutlich oft genannten Bands wie Dream Theater, Metallica, Pantera und Konsorten nennen!
Nach einigen Demoproduktionen erschien im Frühjahr 2008 eurer erstes Album Rieven by Grief in Eigenregie. Wie beurteilt ihr dieses Werk aus heutiger Sicht?
Alex: Riven by Grief markiert den Übergang von unseren Anfängen, als reine Thrash Metal Band, hin zu unserem heutigen etwas moderneren Sound. Natürlich haben wir uns als Musiker und auch als Komponisten weiterentwickelt. Wobei wir keine Songs schreiben, um damit den Leuten zu zeigen wie gut wir mit unseren Instrumenten umgehen können. Das Ziel ist es, einen Song als Einheit zu schaffen, der auch Platz für kleine Experimente und interessante Teile lässt.
Im Nachhinein bin ich sehr stolz auf diese Scheibe. Auch der Sound klingt sehr kraftvoll. Auf diesem Wege möchte ich mich recht herzlich bei Stacherl Christoph bedanken, der damals dieses Album mit uns aufgenommen hat und auch für den damaligen Sound verantwortlich ist.
Kommen wir nun auf euer aktuelles Album Choose between the devil and the deep blue sea zu sprechen! Bitte um kurze Erläuterung, was es mit diesem wahrlich ungewöhnlichen Titel so auf sich hat.
Alex: Diese Redewendung kommt aus Amerika und stellt dich vor die Wahl zwischen zwei negativen Gegebenheiten zu entscheiden. Als ob dich jemand fragen würde ob du die Pest oder die Cholera lieber haben würdest. Diese Thematik durchzieht die Texte des Silberlings. Mein Bruder Martin (Replica-Drummer) kam mit dieser Idee in den Proberaum. Er erklärte den Spruch damals mit folgenden Sätzen: „Stellt euch vor der Bundespräsident schickt das Land in den Krieg und man kann sich nun aussuchen, ob man Flugzeugpilot oder vielleicht Panzerfahrer werden möchte. So oder so, man ist im Arsch.“ Ich fand diese Redewendung interessant und so ergab sich das Ganze dann von selbst.
Worin liegen eurer Ansicht nach die wesentlichsten Unterschiede zwischen dem ersten und dem zweiten Album?
Alex: Auf dem neuen Album haben die Gegensätze die Oberhand. Rieven by Grief ist zwar bereits ein wenig progressiv angehaucht, aber bei der neuen Scheibe haben wir mehrere kleine verspielte Parts versteckt.
Als wir in das Studio gingen wussten wir schon ganz genau wie sich das neue Album anhören sollte. Die Stücke, mit Klavier, Geigen und Bratschen waren von Anfang an gleichwertige Songs, das spannende daran war nur, wie sich die einzelnen Akustikelemente als Gesamtwerk anhören würden. Und ob der Zuhörer den Zusammenhang der einzelnen Stücke erkennt.
Welche Themen werden in euren Texten aufgegriffen?
Alex: Wir wollten kein Konzeptalbum kreieren, jedoch wurde durch die Entstehung der einzelnen Songs und durch die Wahl des Albumtitels ein roter Faden ersichtlich, den wir Platz gaben um sich selbst zu entfalten.
Zu Beginn der CD fallen jedem sicher der erste Song "The Devil" und der letzte Song "Deep Blue Sea" auf. Der Titel des Albums ist Programm und passt sehr gut zu den Songs.
Wie ist die Platte bei Medien und Fans bisher angekommen? Gab es auch Reaktionen aus eher exotischen Ländern?
Alex: Die Platte ist im Allgemeinen sehr gut angekommen. Mich hat sogar ein Typ aus Indien über Facebook angeschrieben. Das hat mich sehr überrascht und war mit Sicherheit die coolste Erfahrung in Bezug auf Fan-Feedback.
Zusätzlich unterhielt ich mich mit Ron von New-Metal-Media (www.new-metal-media.de) im Zuge eines Interviews. Diese Seite beschäftigt sich mit dem Thema "Behinderung und Metal". Durch ihn erfuhr ich, dass noch immer sehr viele Festivals und auch Veranstaltungszentren nicht behindertengerecht ausgestattet sind. Meistens gibt es nicht einmal Toiletten für Rollstuhlfahrer. Das gibt einem schon zu denken. Da kann man nur hoffen, dass sich bald einiges zum Positiven wendet.
Im Vorjahr verließ euch euer langjähriger Gitarrist Roman Wallner-Silberhuber, und wurde zwischenzeitlich durch Dominik Steininger ersetzt. Dominik, bitte um kurze Vorstellung deiner Person inklusive der Bandprojekte, in denen du bislang involviert warst.
Dominik: Über mich gibt es nicht viel zu sagen. Ich habe meine erste Gitarre selber aus den Bausteinen Sonos zusammengebaut, da war ich vielleicht vier Jahre alt. Die habe ich mit Gummibändern bespannt und zu Joe Cocker und Roxette gejammt. Mit sechs habe ich angefangen Unterricht zu nehmen, mit 14 meine erste Punk-Band gegründet. 2004 kam ich zur Thrash-Metal-Band Wydfara's Prophecy, die sich 2009 auflöste. 2007 hatte ich bereits mit einem der früheren Gitarristen von Fisalis aus Linz die Band Suitable for Framing gegründet, die mein zweites Projekt neben Replica bildet. Replica bin ich von einem Bekannten empfohlen worden, der seinerseits bei Lost Vital Spark aus Traun/OÖ spielt, die schon damals mit Fisalis ein paar Gigs hatten. Tja, so führte eins zum anderen.
Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass Roman Wallner-Silberhuber zur Band zurückgekehrt ist und Replica nun in Zukunft eben mit zwei Gitarren agieren werden. Roman, wie kam es dazu, dass du wieder zur Band gestoßen bist und welche Auswirkungen hat das auf das Songwriting, da nun zwei Gitarristen der Band angehören?
Roman:Ich hatte die Band ja vor allem aus Zeitgründen verlassen und da sich nun mein Terminkalender wieder etwas beruhigt hat, habe ich diesen Entschluss gefasst und bei den Jungs mal anklingen lassen. Vor allem ist so eine Band doch auch so etwas wie eine Familie, die einem doch sehr abgeht, auch wenn man es anfangs nicht so recht wahrhaben will.
Zu den Auswirkungen auf das Songwriting ist so viel zu sagen, dass diese neue Konstellation natürlich eine Herausforderung für uns alle, insbesondere für mich, der ich ja bis jetzt immer alleine für das Songwriting verantwortlich war, ist. Eine Herausforderung auf die ich mich aber sehr freue.
Heuer durften ihr ja Ektomorf auf deren Europatournee begleiten! Wie kam es dazu und wie haben die deutschen Fans eure Performances aufgenommen?
Alex: Diese Tournee war eine große Ehre für uns. Nachdem Replica für diese Shows bestätigt waren, grinste ich einige Wochen einfach durch, so glücklich war ich über diese Nachricht. Diese Tour war bis jetzt das Größte, was ich erleben durfte.
Natürlich kamen wir bei den Fans sehr gut an. Was ist das für eine Frage? (lacht) Die beste Show hatten wir in Hamburg. Dort trug tatsächlich ein Typ von Anfang an ein Replica-Shirt und sang bei einigen Songs lautstark mit. Solche Erlebnisse werde ich nie vergessen.
Vielleicht hast du auch ein paar Tour-Anekdoten bzw. besondere Erlebnisse parat?
Bei dieser Tour erlebten wir eine Menge. Wir reisten im gleichen Nightliner, wie Korzus (aus Brasilien) und Ektomorf. Deshalb hatten wir jeden Abend die Möglichkeit, mit den Jungs zu feiern. Und ich kann euch sagen, es wurde oft gefeiert.
Meine witzigste Geschichte erlebte ich in Darmstadt. Da ich dachte, bereits bei der Location angekommen zu sein, verließ ich den Bus ohne dem Busfahrer eine Nachricht zu hinterlassen und verrichtete mein Geschäft. So stand ich nun und tat was getan werden musste, als sich der Bus plötzlich in Bewegung setzte. Erst jetzt nahm ich wahr, dass wir uns auf einer Raststation in Deutschland befanden. Nachdem ich die Situation durchblickt hatte, rannte ich noch mit heruntergelassener Hose neben dem Bus her. Zum Glück konnte ich den Busfahrer auf mich aufmerksam machen. Aber die deutschen Pendler, die mich die ganze Zeit über beobachtet hatten, amüsierten sich prächtig über meinem ungewollten Morgensport.
Nach der Tournee mit Ektomorf folgte das nächste Highlight: Ein Gig im Vorprogramm von Heaven Shall Burn im Linzer Posthof! Wie lief es dort für euch?
Diese Show war einfach nur genial! Die Jungs von Heaven Shall Burn sind extrem nett.
Unser Gig selbst war natürlich ein Hammer. Zu Hause in Linz vor tausenden von Leuten die total abgingen. Was will man da noch mehr!
Replica kommen ja aus der oberösterreichischen Kleinstadt Marchtrenk, die trotz ihrer Überschaubarkeit über eine starke Bandszene verfügt. Wie beurteilt ihr die Entwicklung der Bandszene in eurer Heimatstadt?
Ich bin sehr stolz auf unsere kleine Szene. Ich glaube die Bands aus dem Raum Wels und Marchtrenk brauchen sich nicht zu verstecken, denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass diese Bands ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Musikszene sind. Marchtrenk und Wels sind jedem österreichischem Hardrocker ein Begriff und das ist ein großer Erfolg.
Eine persönliche Frage zum Schluss: Ihr seid ja nicht nur als Musiker aktiv, sondern auch als engagierte Konzertveranstalter (Stagepit Promotions) von Gigs im Großraum Linz, Marchtrenk bzw. Wels tätig.Wie läuft es derzeit so am Konzertsektor?
Dieses Jahr haben wir uns ein wenig zurückgenommen. Dies wird sich im Herbst aber wieder ändern. Den Weg, den wir vor einigen Jahren eingeschlagen haben, sollten wir unbedingt verfolgen. Wir konnten schon einige tolle Konzerte veranstalten und solange die Metalheads diese Undergroundkonzerte schätzen und auch regelmäßig besuchen, werden wir nicht müde solche Shows auf die Beine zu stellen. Also unterstützt die Musikszene und besucht die Konzerte. Nur so leistet ihr einen Beitrag am Erfolg der Bands und der oberösterreichischen Szene!
Herkunft: OÖ; Schwerpunkte: Musik, Politik, Fußball
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