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musik

Raveonettes-Stars-Subways

2007-04-02 00:12:05

Was haben diese drei aus Dänemark, Kanada und Großbritannien stammenden Bands und ihre neuen Alben gemeinsam? Richtig, alle drei verfügen sowohl über eine weibliche als auch eine männliche Gesangsstimme als Trademark.

The Raveonettes – Pretty In Black
 
Atmosphärisches Knistern einer Schallplatte, eine Westerngitarre, die ein Bluesthema zupft, ein verhungertes Tamburin und zwei dahinschmachtende Stimmen, so leiten The Raveonettes ihr zweites Album „Pretty In Black“ ein. Die beiden Hauptprotagonisten der aus Dänemark stammenden Band, die sexy Blondine Sharin Foo, ihres Zeichens singende Bass- und Gitarristin, und der dunkelhaarige Sune Rose Wagner, singender Sixties-Gitarrenfreak, wühlen tief in den Klangarchiven der 50er- und 60er-Jahre. Das Ergebnis sind kurz gehaltene Rock´n Roller und vor  Schmalz triefende Elvis-Balladen, was in einzelnen Dosen genossen durchaus stimmig ist, auf Albumlänge aber streckenweise an Spannung vermissen lässt. Der lässige Psychedelic-Rock ihrer Anfänge („Attack Of The Ghost Riders“) findet leider nur mehr selten den Weg in „Pretty In Black“.
Beim sanften, oft gehauchten Leadgesang wechseln sich Wagner und Foo ab, bestreiten aber den Großteil der Nummern zweistimmig. Daneben ist Wagner´s Vintage-Hall-Gitarre das stilprägende Element der Raveonettes-Songs. Das dabei produzierte, extrem authentisch tönende US-Sixties-Feeling wird zum perfekten Soundtrack für eine laue Sommernachtsparty. Apropos, schon das auf 60er-Jahre Filmplakat gestylte Plattencover gibt Hinweis auf die Soundtrack-Tauglichkeit der Songs, die teils perfekt in einen David Lynch-Streifen passen würden – man denke etwa an die Sängerinnen-Castingszene in „Mulholland Drive“.
„Pretty in Black“ ähnelt einem kurzweiligen Rockabilly- oder Elvis-Streifen aus den 50er/60er Jahren, bei dem die Themen junge Liebe, Eifersucht, gebrochene Herzen und Rivalität aufgeworfen werden, mit teils eher dahinplätschernden Bildern, aber einigen herausragenden szenischen Highlights, allen voran „Love In A Trashcan“, „Twilight“ und „Somewhere in Texas“, ein Song, wie ihn Calexico nicht besser und "ur-amerikanischer" hingekriegt hätten (und das von einer Band aus Dänemark).
 
 
 The Raveonettes - starring Sune Rose Wagner und Sharin Foo
 Foto: (c) Søren Solkær Starbird
 
Stars – Set Yourself On Fire
 
"When there's nothing left to burn, you've got to set yourself on fire." Mit diesem selbstzerstörerischen Satz – gesprochen von Sänger Torquil Campell´s Vater – leiten die Stars (nein, hier wurde kein „The“ vergessen) aus Kanada ihr drittes Album ein. Es ist ja eigentlich kaum zu glauben, dass sich – sieht man einmal vom deutschen Namenspendant „Die Sterne“ ab – bisher noch keine andere Band dieses Namens angenommen hat.
Wenn auch stilistisch völlig unterschiedlich, zehrt die Musik der Stars ebenso wie bei den Raveonettes vom männlich-weiblichen Wechselgesang, hier verkörpert von Amy Millan und Torquil Campbell. Im Gegensatz zu den oft dunklen, Sex, Tod und Liebe thematisierenden Texten ist die Musik bunter, verspielter Indie-Gitarrenpop, garniert mit Streichern, Bläsern, Glockenspiel und wohl dosierten Synthies. Ein früher Höhepunkt des Albums ist der Song „Ageless Beauty“, bei dem sich die sanften Stimmen von Millan und Campell an die zuckersüßen Melodiestränge schmiegen. Leider verschießen die Stars gleich im ersten Drittel so viel Pulver, dass der hohe, selbst vorgegebene Standard nicht über alle 13 Songs gehalten werden kann. Und mit dem überhaupt nicht in den Fluss von „Set Yourself On Fire“ passenden „He Lied About Death“ mit nervendem Elektronikgefiepse versteckt sich im hinteren Drittel sogar ein echter Minuspunkt.
Nichtsdestotrotz werten Songs wie „Ageless Beauty“ oder „Calendar Girl“ das Album zu einem insgesamt absolut hörenswerten, melodie- und detailreichen Werk auf, das Parallelen zu The Dears, The Sundays oder den einflussreichen The Smiths nicht scheuen muss.
 
 
 Ein lustiges Kollektiv: die Stars aus Montreal
 Foto: (c) Edel
 
The Subways – Young For Eternity
 
Was für den Bandnamen „Stars“ gilt, trifft auch für die aus Welwyn Garden City, nördlich von London, stammende Band The Subways zu, die Garbage-Gründer und ehemaliger Nirvana-Produzent Butch Vig bei unserem kürzlich geführten Interview zu einer seiner liebsten „Girl-Bands" erkoren hat. Während die Stars der ewigen Schönheit huldigen („Ageless Beauty“), schwört das blutjunge Trio - deren Bassistin erst süße 18 Lenze auf dem nicht vorhandenen Buckel hat - mit ihrem Debütalbum „Young For Eternity“ auf ewige Jugend. Auch bei dieser Band besteht die Besonderheit darin, dass sich Hauptsänger und Gitarrist Billy Lunn und Bassistin Charlotte Cooper nicht nur ihre Zuneigung – sie sind privat ein Pärchen – sondern auch den Leadgesang teilen. Charlotte rückt dabei gesanglich ähnlich wie Ash´s Charlotte Hatherley nur punktuell in Vordergrund, doch genau diese Momente zählen zu den interessantesten des Albums („I Want To Hear What You Have Got To Say“, „City Pavement“). Dazu drischt Drummer Josh Morgan, der wiederum Billy´s junger Bruder ist, in die Trommeln, als gäbe es kein morgen.
Neben dem gesanglichen Wechselspiel alternieren kurze – kaum ein Stück misst mehr als drei Minuten - Punkpop/Grunge-Kracher („Rock´n Roll Queen“, „Holiday“) und von Akustikgitarren eingefärbte Indiepop-Stücke („No Goodbyes“, „She Sun“). Soundmäßig orientiert sich die Band dabei an Ash, Everclear, Nirvana, The Clash und – in stilleren Momenten – den Lemonheads.
Mit all diesen Zutaten gelingt den Subways ein rotzig-freches, sympathisches und kurzweiliges – mit knapp über 35 Spielminuten auch längentechnisch kurz geratenes – Debütalbum. Watch out!
(„Young For Eternity“ ist über UK-Import schon jetzt zu beziehen bzw. ab Mitte September offiziell in heimischen Plattenläden erhältlich.)
 
The Subways: hängen lieber am Sofa als in der U-Bahn rum
Foto: (c) Warner 
 

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