2010-06-09 23:27:26
Die neuen Nichtrauchergesetze aus der Sicht einer Raucherin - Von Ingeborg Verelst Pérez.
Was
haben Verkäuferinnen, die vor ihren Geschäften stehen, Angestellte
an der Hintertür der Firma, junge Mädchen am
Eingang des Einkaufszentrums und Leute, die an jedem Bahnhof für
zwei Minuten aus dem Zug springen, gemeinsam? Alle versuchen sie, so
schnell wie möglich ihre Zigarette zu rauchen.
In
den letzten Jahrzehnten hat sich das Verhalten gegenüber Rauchern
sehr verändert. In den meisten europäischen Ländern wurden bereits
Anti-Rauchergesetze verabschiedet. Auch in Spanien gibt es seit
einigen Jahren Einschränkungen. Jetzt
scheint es uns unvorstellbar, dass im Parlament, im Gerichtshof oder
sogar im Unterricht geraucht wurde, früher war das ganz normal.
Wir
erinnern uns wahrscheinlich nicht mehr daran, dass selbst die
Flinstones Winston-Werbung gemacht haben, dass Ärzte in der Werbung
Camel rauchten und dass Marlboro der Liebling der Beatles war. Wenn
man so sexy aussehen wollte wie der Cowboy in der Werbung, musste man
Marlboro rauchen.
Auffallend
glücklich und charmant sahen die Raucher in der Werbung aus. Wollte
man einen frischen Atem, musste man sich für Salem Menthol Fresh
entscheiden.
Selbst
entscheiden
Ganz
im Gegensatz dazu werden den Rauchern nur noch Hindernisse in den Weg
gelegt. Überall wird man mit Antitabak-Werbung bombardiert. Mit
Todesdrohungen und Bildern von schwarzen Lungen jagt man den Rauchern
Angst ein. Da Raucher andere zum Passivrauchen nötigen, werden sie
Mörder genannt.
Aber
hat das alles tatsächlich einen Effekt? Wird dadurch weniger
geraucht? Die Antwort lautet: nein. Mit dieser Verfolgung und
Hysterie wird wenig erreicht. Wie schwer ist es, hundert Mal am Tag
nein zu sagen, nur weil die Regierung, der Arzt oder deine Frau dich
dazu verpflichten. Das ist doch nicht auszuhalten!
Teilweise
ist das Antitabak-Ziel schon erreicht: Niemand zweifelt mehr daran,
dass Rauchen schreckliche Folgen für unsere Gesundheit hat. Jetzt
soll jeder für sich selbst entscheiden, ob er weiter rauchen will
oder lieber aufhören möchte. Möglichkeiten gibt es dafür viele.
Und wenn die Nikotinpflaster, die Kaugummis, die Antiraucherratgeber
und die rauchlose Zigaretten nicht wirken, kann man immer noch in
eine "Raucherklinik" gehen.
Genießen
verboten
Aber
was passiert mit denjenigen, die tatsächlich ihre Zigarette
genießen? Man
kann ja verstehen, dass man in Restaurants nicht mehr rauchen darf,
weil das die anderen stören kann. Aber die Raucher brauchen doch
nicht ständig solche schrecklichen Bilder auf den
Zigarettenpackungen anzusehen. Es gibt doch überall Krebserreger in
unserer Umwelt, auch wo wir es überhaupt nicht erwarten. Aber keiner
spricht darüber. Sollte man die Raucher denn nicht ein bisschen in
Frieden lassen?
Muttersprache Spanisch, aber germanophil: Studierende der Universität Salamanca (Germanistik/Übersetzung) haben sich unter der Koordination der OeAD-Lektorin Romana Radlwimmer und der DAAD-Lektorin Alma Dreyer zu einer FM5-Auslandskorrespondez-Stelle zusammengeschlossen, um aus spanischer Perspektive über Aktuelles und Universelles zu berichten.
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