2007-06-30 11:45:55
In Ralf Westhoffs erstem Spielfilm Shoppen wird heftig geflirtet, geschrieen und geredet. 18 Singles auf der Suche nach dem/der MärchenprinzEssin.
9 Frauen, 9 Männer. Und alle haben etwas gemeinsam – sie sind Single in der Großstadt München. Bei einem Speed Dating haben die TeilnehmerInnen jeweils 5 Minuten Zeit für ihr Gegenüber. Beinhart wird der jeweilige Gesprächspartner unter die Lupe genommen, schließlich hat Mann/Frau dafür bezahlt den/die Richtige oder vielleicht sogar den/die MärchenprinzEssin zu finden. Klappt es etwa so mit der großen Liebe? Autor, Regisseur und Produzent Ralf Westhoff präsentierte seinen ersten Kinofilm Shoppen auf den 40. Hofer Filmtagen. Obwohl er gerade alles gemacht hat, was man tunlichst vermeiden sollte – das Drehbuch hat eine epische Struktur, 18 vielschichtige Charaktere sind viel zu viel und außerdem quatschen sie ständig – fängt er ein feinfühliges Portrait der Geschlechter ein. Dazu Rainer Westhoff: „Die Frauen in Shoppen sind tougher als die Männer manchmal. Starke, selbstbewusste Frauen – das ist wohl ein Großstadtphänomen, mit dem wir Männer umgehen müssen.“
Ene, Mene, Muh und raus bist du!
Der Hauptteil des Films spielt sich in einem kahlen weißen Raum ab. Alles wirkt sehr steril und ernüchternd. Der perfekte Ort, um einen Lebenspartner kennen zu lernen? 9 Stühle stehen wiederum 9 Stühlen gegenüber, Frau gegen Mann. Kein Tisch dazwischen, an nichts können sich die ProtagonistInnen klammern. Eine Stoppuhr dominiert den Kampf der Geschlechter. Die Kamera bewegt sich zwischen den 18 Menschen hin und her, nach 5 Minuten wird gewechselt. Schlichtheit dominiert die Filmbilder. Doch nicht für seine Filmbilder findet man Westhoffs Werk symphatisch. Es sind die amüsanten Dialoge, die durch Wortwitz und Intellekt bestechen. Das Speed Dating ist ein knallhartes Bewerbungsgespräch um den Partner des Lebens: „Mich gab's gar nicht im Schlussverkauf. Nie. Ich war auch nicht runtergesetzt. Ich bin ein Designerstück, ein eigenwilliges Designerstück. Das konnte man mal anprobieren, okay. Aber für immer mit nach Hause nehmen – dafür hat es bisher nicht gereicht. Bei niemandem. So ist das. Haute Couture statt Wühltisch, alles klar?“ Reichen fünf Minuten und ein oberflächlicher Blick aus, um seinen Traummann/Traumfrau zu finden? Oder vielleicht die große Liebe? Die Sehnsucht, zu zweit ein Leben zu führen, ist auch in unserer modernen Welt noch intakt. Á la Sex in the City kann es einem noch so gut gehen, kann man noch so viele One-Night Stands haben, noch so viel Geld und Erfolg. Zu zweit ist es einfach am Schönsten.
18 Menschen = 9 Paare?
Gespielt werden die verschiedenen Charaktere von Jungstars der Münchner Theaterszene. Nur zu gut können sich Singles unter den ZuseherInnen in den Personen wieder finden. Jeder einzelne repräsentiert einen anderen Typ. Miriam (Kathrin von Steinburg) etwa hat vor kurzem ihre Familie bei einem Unfall verloren. Sie ist steinreich, aber einsam. „Ich bin kein bisschen arrogant. Kein Stück. Ich bin einsam und völlig am Arsch. Ich bezahle Geld dafür, Leute vorgestellt zu bekommen. Weil ich überhaupt niemanden habe. Absolut niemanden. Nicht mal ne beste Freundin. Wo bitte ist da Arroganz angesagt?“ In den 9x5 Minuten des Speed Datings werden Gefühle offenbart, emotionale Wutausbrüche und Trauer, sexuelle Vorfreude, Lebensweisheiten und noch so allerhand mehr kundgetan. Ein Film über unseren Zeitgeist, über die Anonymität in einer schnelllebigen Großstadt und die ewige Suche nach Zweisamkeit.
Filmstart: 03. August 2007
Change happens!
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