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musik

Radiohead am Sziget Festival

2007-04-02 00:11:29

Entweder man hasst sie oder man liebt sie. Das Erlebnis eines Liebhabers.

Radiohead luden vergangenen Samstag zu einem ihrer zwar nicht so seltenen Konzerte, aber besuchsverwöhnt sind wir in Österreich diesbezüglich ja nicht gerade. So war es auch kein Wunder, dass man beim Sziget unter den geschätzten 55.000 Leuten vor der Nagyszinpad Bühne den einen oder anderen Landsmann beim Mitschunkeln zu den großteils altbekannten und -geliebten Radiohead Songs beobachten konnte.

Nur Großteils bekannt? Jawohl! Radiohead arbeiten tatsächlich an neuem Material aus dem in Budapest zwar nur zwei Songs präsentiert wurden, aber immerhin: "15 Steps"  – leicht verjazzt, in 5/4 getaktet und von Thom Yorke's netten Tanzeinlagen unterlegt. Die Reaktion des Publikums darauf, war etwas verhalten. I might be wrong, aber das lag ganz einfach an dem anfänglich suboptimalen Sound bzw. die viel zu geringe Lautstärke  – der Beginn von Karma Police ist doch eindeutig schöner ohne störend lautem Handyläuten des zwei Reihen weiter vorne stehenden Festivalbesuchers. "Nude" ist die zweite neue Nummer, wobei diese ja nicht wirklich neu ist, sondern unter dem Namen "Big Ideas (don't get any)" bereits 1998 gespielt, aber dann doch nie auf einem Album veröffentlicht wurde. Egal ob alt oder neu, es handelt sich um einen schönen Song. Der würde sich glatt in meiner Playlist "Romantische Duette" wieder finden, würde es tatsächlich auch ein Duett sein. Lucky, so der Zustand.


Thom Yorke neuerdings mit richtigem Bart.
Quelle: www.sziget.hu

Einmal von den beiden "neuen" Nummern abgesehen gab es no surprises. Einer gekonnten Eröffnung mit "Airbag" folgten Klassiker der letzten 11 Jahre – music that makes everything else dissapear completely, sofern sie nicht vom Handyläuten des Nachbarn oder vom Knacken der Bierdose übertönt wurde.


Ein hartes Stück Arbeit − die Setlist von Radiohead.
Quelle: www.greenplastic.com

Höhepunkte gab es viele, doch auf eines freut sich jeder Radiohead-Fan im Besonderen – die Performance von Idioteque, einer der wahrscheinlich besten bzw. innovativsten Songs dieser Band. Dabei ist das Rezept im Grunde sehr einfach: Man wirft einen simplen Drumbeat in einen Kessel und dreht den Herd auf mittlere Stufe. Dann kommt eine Portion Synthies und eine Portion Gesang und der Herd wird dabei je um drei Stufen höher geregelt. Nach ca. zwei Minuten kochen entsteht ein ekstatischer Geruch, nun muss man schnell weitere Elektronikelemente einrühren und das Ganze weiter kochen lassen. Das i-Tüpfelchen ist schlussendlich noch der Tommy-Dance, doch Vorsicht: Explosionsgefahr. Do not try this at home!

2/22=2 ? Rund zwei Stunden haben die Briten ihre Fans mit 22 Songs verzaubert und sich dabei tatsächlich auch satte zweimal für entgegengebrachte Ovationen oder versuchte Ovationen bedankt. Außer menschliche Kleinigkeiten wie „What are we doing here?“ als Kommentar zu einem abgebrochenen Versuch von „2+2=5“ gab es dann gar nicht wesentlich mehr zu sagen, steckt die Message doch in ihrer Musik. Und so war mit „Everthing in its right place“ als Schlussnummer die Message für den Rest dieses gelungenen Abends wohl auch klar.

Liebhaber, sprich Text: Andreas Deuschl

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AutorInnen

Marco Weise

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