2007-04-02 00:11:16
Röyksopp verbreiten mit ihrem aktuellen Album "The Understanding" sowohl Urlaubsstimmung als auch Tristesse.
Blenden wir die Musik, die sich auf „Melody A.M.“, dem wunderbaren Vorgängeralbum von Röyksopp befunden hat, für einen kurzen Moment aus. Nein, noch besser, verbannen wir sie vollends aus unseren Köpfen, als hätten wir nie Freundschaft mit ihr geschlossen. Denn erst dann ist es möglich, sich auf das einzulassen, was die zwei Elektrogötter Svein Berge und Torbjörn Brundtland aus Bergen (Norwegen) auf ihrem aktuellen Werk geschaffen haben – und zwar: Musik für den Moment, die mit einer unglaublichen Leichtigkeit alles um sich herum einnimmt.
Zeit ist auf „The Understanding“ ein wesentlicher Faktor, denn die Musik harrt dabei genüsslich wie eine Schlange auf ihre Beute um im einzig richtigen Moment zuzuschlagen – nämlich genau dann, wenn es der Zeitpunkt verlangt. Nicht früher und nicht später. Ist dieser Augenblick gekommen, wird der von Song zu Song steigende Druck abrupt abgelassen und alles zerstört und verschlungen, was sich ihm in den Weg stellt:
I´ve been dead to the world
and I´ve chosen to be
inside under pillows
with marveles and wonders.
(Dead to the World)

Svein Berge und Torbjörn Brundtland © EMI Music
Weltuntergangstimmung am Sandstrand
Der Eröffnungstrack „Triumphant“ wird mittels Dreifingerklavier eingeleitet. Auf diesem bauen sich danach Schritt für Schritt Flächen und eine Baseline auf, bis im Grande Finale der kontrollierte Ausbruch unausweichlich ist. Bei „49 Percent“ wurde ein gewisser Chelonis R. Jones, eine stimmliche Inkarnation aus Michael Jackson und George Michael, als Gastsänger angeheuert – leider. Dieser Song hat auf diesem Album nur eine Aufgabe und zwar als Streichresultat zu fungieren. Nach einer kurzen und nötigen Erholungspause, wird bei „Beautiful Day without you“ das Gesangsruder wieder selbst in die Hand genommen und in ein leicht abgespecktes Arrangement gehüllt.
„What else is there“ lebt voll und ganz von Karin Dreijers Stimme. Im Gegensatz zum bereits oben erwähnten Gastsänger Chelonis R. Jones, ist die ansonsten bei The Knife tätige Schwedin ein Gewinn für dieses Album. Bei den letzten beiden Nummern „Dead to the World“ und „Tristesse globale“ wird mittels Schmerz und Sehnsucht der Weltuntergang angedeutet.
Auf "The Understanding" beschränken sich Svein Berge und Torbjörn Brundtland auf das Wesentliche. Somit wird bewusst auf elektronische Schnörkel verzichtet. Das Ergebnis dieser Reduktion ist eine Musik, die sowohl an einem gemütlichen Strandnachmittag als auch in Stunden, in denen man mit sich selbst und seiner Umwelt nicht im Einklang ist, funktioniert. Mit einem Wort: FANTASTISCH!
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
Newsfeed von Marco Weise abonnieren