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kreatives

R U Stoned?

2010-04-06 12:02:59

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In seinem Buch Stoned! Rockstars auf Drogen wirkt die Schreibe des Autors R. U. Sirius selbst leicht drogeninduziert. Eigentlich schade. Denn thematisch hat das Buch einiges zu bieten.

„Ey du!“ Bin ich damit gemeint? Offensichtlich schon. Denn R. U. Sirius (oder sein Übersetzer Alan Tepper) will sich wohl gleich zu Beginn seines Buches auf eine Stufe mit dem potentiell drogenabhängigen Zielpublikum stellen. Es ist insofern nicht verwunderlich, dass schon in der Einleitung einige seltsam anmutende Begrifflichkeiten fallen. So wird beispielsweise der Leser mit einem „Pilz-Freak“ gleichgesetzt und als solcher angesprochen sowie die Orgasmusfähigkeit norwegischer Frauen in Zweifel gezogen.

Superpseudocoole Sprache

Dies alles soll wohl extrem cool wirken und Schichten ansprechen, die bedrucktes Papier meist nur zum Drehen eines Joints verwenden. Dadurch diskreditiert sich Sirius, der mit bürgerlichem Namen Ken Goffman heißt, allerdings selbst. Seine Sprache wirkt, wenn nicht drogeninduziert so doch zumindest flapsig, wodurch die Assoziation eines Verfechters des freien Drogenkonsums aufkommt, der wegen der Bedenken des veröffentlichenden Verlags immer wieder betonen muss, dass Drogen vielleicht besser doch nicht genommen werden sollten, gerade wenn man noch nicht volljährig ist.

Timothy Leary lässt grüßen

Diese These bestätigt sich bei einem genaueren Blick auf Sirius Biographie. Vor allem die geistige Nähe zu Timothy Leary, der einen freien Zugang zu bewusstseinserweiternden Drogen propagierte, rückt hierbei in den Fokus. So veröffentlichte Sirius zusammen mit Leary dessen letztes Buch Design of Dying (1998) und hält Kurse über ihn an der Maybe Logic Academy von Robert Anton Wilson, dessen Philosophie wiederum von Leary beeinflusst ist.

Drogen: eine schöne Sache

Es überrascht demnach wenig, dass das vorliegende Buch Drogen eher verherrlicht als objektiv analysiert. Nur so ist es zu erklären, dass es eine Top Ten der „schönsten“ Koks-Zitate geben kann. Die Drogenromantik lässt grüßen. Der tatsächliche Inhalt des Buches ist dagegen aber äußerst interessant. Sirius veröffentlicht darin nämlich fast ausschließlich zusammengetragene Zitate und Anekdoten über den Drogenkonsum von Musikern der Popkultur von den 50er Jahren bis heute.

Stringente Drogengeschichte der Popmusik

So ergibt sich eine Kulturgeschichte der Drogen in der Popmusik, die sich vor allem aus sich selbst heraus erschließt. Weniger die Kommentare des Autors als die Aussagen der Musiker erhellen die immer noch währende Beziehung, welche die Popkultur mit den Drogen eingegangen ist. Gerade das Selbstverständnis, das hier immer wieder aufscheint, ist bezeichnend, egal ob die Musikerzitate zynisch, ironisch, ernsthaft oder gar philosophisch daherkommen.

Fazit

Wer sich also durch die einleitenden Abenteuerlichkeiten des Autors nicht von der Lektüre des Buches abbringen lässt, wird eine kleine Schatzkammer vorfinden, die ob seiner Aufbereitung zwar zu kritisieren ist, für den mündigen Leser aber ein Reservoir an Detailwissen bereithält. Wem allerdings eine differenzierte Betrachtungsweise der Drogenproblematik in der populären Musik lieber ist, dem sei Harry Shapiros Buch Sky High empfohlen, das ebenfalls im Hannibal Verlag erschienen ist.

Stoned! Rockstars auf Drogen
von R. U. Sirius
erschienen im Hannibal Verlag
Broschur, 272 Seiten, 14,95€

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