2010-11-27 15:53:24
FM5 traf sich mit Julian Wiehl, dem Herausgeber vom Vangardist, um mit ihm über das einjährige Bestehen des Gay-Magazins zu plaudern und eine kleine Bilanz zu ziehen. Mit Gewinnspiel.
Der ursprünglich aus Vorarlberg kommende Julian Wiehl, hat in Costa Rica seinen Auslandszivildienst absolviert, ist danach nach Wien auf die Filmakademie gegangen, wurde Direktor des Filmfestivals und hat kurzerhand mit seinem Kollegen Carlos Andres Gómez Silva beschlossen, den Vangardist zu gründen. Wie es dazu kam und was seitdem passiert ist, erzählt er FM5 bei einem Gespräch im Vangardist-Büro.
FM5: Was war der Ausschlag dafür den Vangardist zu gründen?
Julian Wiehl: Ich hatte meine Beziehungen, war viel in des Szene unterwegs und hab mir gedacht, da fehlt etwas. Da ich vom Film komme, stehen für mich Kunst und Inhalt im Mittelpunkt, deshalb wollte ich mit meinem Kollegen ein anspruchsvolles Magazin machen. Gerade in der Gay Community gibt’s einfach nur Billiges und Schmuddeliges mit sexuellem Content, aber es gibt kaum etwas wo Themen drinnen sind. Nach einem halben Jahr Planung und Ansuchen wurden wir beim zweiten Anlauf von departure (Anm.: Wiener Förderstelle für kreative Projekte) gefördert. Das zweite halbe Jahr haben wir nur damit verbracht, Promotion zu machen. Online war lediglich eine 16-Seiten Demoversion des Magazins, mit der wir anklingen lassen wollten, wie es später aussehen wird. Wir waren auf den Prides in Berlin, in Köln, natürlich auch Wien und haben ganz von unten angefangen, geflyert und Mailadressen gesammelt. Am 4. Dezember 2009 haben wir die erste Ausgabe gefeiert.
Es gibt euch nun also seit einem Jahr, Gratulation dazu. Kannst du für uns eine kurze Bilanz ziehen?
Die Ausgaben verliefen sehr konstant. Wir haben jede Ausgabe herausgebracht, die wir herausbringen wollten. Wir rechnen der Gay Community auch hoch an, dass sie nie gemotzt hat, die ist nämlich sehr kritisch. Wir haben unsere Leserschaft von 0 auf 10.000 in diesem Monat steigern können. Das ist sehr viel für ein Special Interest Medium, darüber sind wir sehr zufrieden. Wir haben eine tolle Leserschaft und ein super Team aufgebaut. An jeder Ausgabe arbeiten 30 Personen mit. Frauen und Männer aus der Gay Community oder auch nicht. Wir werden auch von Frauen und Heteromännern gelesen.
Wie feiert ihr euer einjähriges Jubiläum?
Wir haben uns da was Spezielles überlegt. Als digitales Medium schenken wir unseren Lesern eine Application für iPad und iPhone. Zusätzlich feiern wir mit dem Drama und werden schon ab 20 Uhr in Vorbereitung auf das Clubbing Pre-Party machen. Mit Showacts und Fotowand – eine wilde Party. Vangardist steht schließlich für Party und Avantgarde zu sein.
Ihr positioniert euch ja als „progressives Magazin für gay, bi- und heterosexuelle Männer, die Männer mögen“. Kann man das als Spitze auffassen gegen nicht geoutete Schwule?
Nein, überhaupt nicht. Wir richten uns auch nicht an die Heteromänner, das ist nicht unsere Linie, aber für viele ist es trotzdem spannend zu lesen, was es da gibt. Wir haben das anders aufbereitet als die Infoportale Gayboy, Rainbow oder Gaynet und das ist auch der Ansatz des Magazins, die Hemmschwelle herunter zu setzen. Wir versuchen viele persönliche Artikel zu präsentieren, aus dem familiären Leben und auch vom Land. Themen die für alle interessant sind. In einer Geschichte erzählt eine Familie wie es war, als sich beide Zwillinge geoutet haben oder ein heterosexueller junger Typ der erzählt, wie es ist, mit seinem schwulen Vater in die Disco zu gehen.
Habt ihr auch negative Rückmeldungen oder homophobe Angriffe erlebt?
Kein einziges Mal. Es kam nie ein Brief in die Redaktion. Das einzige war ein Kommentar bei einem Youtube Video wo man gesagt hat 'Alles Schwuchteln' aber das hab ich eigentlich als Scherz aufgefasst. Wir verteilen auch überall unsere Flyer und haben noch nie negatives Feedback bekommen.
Gibt es Dinge mit denen ihr besonders zu kämpfen habt?
Es
ist eigentlich immer ein Kampf. Ein Magazin aus dem Nichts zu stampfen
ist ein Kampf, auch wenn es sich nach zehn Ausgaben wesentlich gebessert
hat. Es ist recht anstrengend, vor allem die Qualität zu halten braucht
viel Liebe, Energie, Ausdauer und Geduld. Wo man wirklich kämpfen muss
ist die Werbung. Wir sind werbefinanziert und das ist sehr intensive
Arbeit die man leisten muss. Kontakte pflegen und so weiter.
Wie sieht euer Redaktionsalltag aus?
Wir haben einen
Zyklus von einem Monat. Wir haben einmal eine Redaktionssitzung in der
wir die Themen zu dritt festlegen – wir beiden Herausgeber und der Chefredakteur – und verteilen dann die Themen an unsere Journalisten.
Eure Schreiber werden bezahlt?
Ja, die bekommen was dafür.
Ihr habt zwei Politiker als Autoren in eurem Blog. Wie seid ihr zu denen gekommen?
Wir haben es allen Politikern freigestellt bei uns zu schreiben und die beiden haben das in Anspruch genommen.
Ihr habt ihnen das aktiv angeboten?
Ja. Ich hab Volker Beck auf der Berlinale getroffen und hab ihm die Idee mit dem Blog vorgeschlagen. Das hat ihm
ganz gut gepasst. Es war eigentlich einfach diese Politiker (Anm.: auch
im Blog vertreten ist Ulrike Lunacek) für uns zu gewinnen, aber ein FPÖ Politiker wäre da schon schwieriger. Wir grenzen auch die Roten nicht aus, nur haben die nie geschafft was zu machen.
Ihr verwendet eine flash-blätter Software ist das nicht mühsam für den Leser und kontraproduktiv?
Berechtigte Frage, die wir uns auch immer wieder stellen. Aber eine normale Website wird niemanden interessieren, da hat ein Magazin ein anderes Flair – wie die Vouge. Mit Glamour. So haben wir bessere Möglichkeiten schöne Bilderstrecken zu präsentieren.
Gibt es Pläne das Magazin auch mal in den Print zu bringen?
Wir mögen Online. Print wäre ein Schritt in eine ganz andere Richtung, das müsste man sich sehr gut überlegen, aber wenn ein Verlag anklopft, würden wir vielleicht ja sagen.
Was soll die Zukunft bringen, wie schaut es in fünf Jahren aus? Träume und Utopien nicht ausgeschlossen.
Ich fände wichtig, dass es eine Verbreitung findet. Dass uns mehr Leser kennen lernen und Vangardist ein Gewicht bekommt. Ich fände es sehr schön, wenn in Zukunft aktivistische Flashmobs und Kissings stattfinden, die vom Vangardist ausgehen. Auch wiederkehrende Parties würden mir gefallen.
Wir wünschen viel Erfolg und sagen Danke für das Interview.
Gewinnspiel
FM5 verlost 2x2 Tickets für die Geburtstagssause vom Vangardist. Alles was du tun musst, ist bis 2. Dezember eine Mail an caroline(at)fm5.at zu schreiben und erklären, warum du gewinnen sollst. Betreff „ich bin a-Vangarde“
Party-Hard-Facts
Ottakringer Brauerei - Gerstenboden
4. Dezember 2010, Einlass 20:00 Uhr
(Achtung:Nach 21 Uhr gelten nur noch die regulären Drama-Tickets)
Dresscode: Your personal favourite
im Anschluss: DRAMA! Dance Club - Einlass 22 Uhr
Motto: Tausendundeine Nacht
...Ich wollte immer eine Prinzessin sein, leider war nur mehr der Part der bösen Hexe frei....
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'Sie gehörte zu den Mädchen, die niemals etwas nur mögen oder gut finden, sondern schwärmen.'
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