2007-04-02 00:11:22
Das Debütalbum der aus Deutschland stammenden Formation "Spitting Off Tall Buildings" ist alles, nur nicht Pop.
Wenn sich Schauspieler als Musiker versuchen, ist dies meist mit mangelndem Erfolg verbunden. Dass in dem so eben erwähnten Vorurteil auch ein Fünkchen Wahrheit steckt, wird durch die Liste der bereits gescheiterten Versuche unterstrichen. Musikkritiker raten in den meisten Fällen, sich wieder dem zu widmen, was er/sie auch kann – nämlich der Schauspielerei.
Ausnahmen bestätigen die Regel
Bereits Juliette Lewis hat vor kurzem mit ihren Licks eindrucksvoll bestätigt, dass es auch anders gehen kann. Nun versucht ihre deutsche Schauspielkollegin Jana Pallaske mit vier Bandkollegen denselben Weg zu gehen. Nennen tut sich das Ganze Spitting Off Tall Buildings – kurz SOTB.
Dieser Tage veröffentlichten diese ihr selbstbetiteltes Album, auf dem „Come On“ den Anfang von insgesamt 13 Songs darstellt. Darin singt Jana gemeinsam mit dem Gitarristen Paule oder Paul (das kann man sich je nach Quelle aussuchen) „This is no TV show. This is no revolution. This is about me & you. There’s absolutely no exclusion“ frech in das vor ihr befindliche Mikrofon. Dabei kann es einem die Kinnlade durchaus nach unten befördern, denn was einem hier direkt ins Gesicht fährt, ist frisch wie eine Nordseebrise und frei von jeder verstaubten Retro-Attitüde.

Punkrock im Plattenbau
Die Spittings sind in Berlin beheimatet und treffen sich bereits seit vier Jahren, um gemeinsam Musik zu machen. Aller Anfang war natürlich schwer: Bei ihren ersten Konzerten musste so einiges an Lehrgeld bezahlt werden. Gute Lieder schreiben sich eben nicht von alleine. Von diesen Umständen ließen sie sich aber keineswegs einschüchtern: Anstatt den Kopf hängen zu lassen, nutzen SOTB diese kurzzeitige Sinnkrise als Antrieb um weiter zu machen, besser zu werden. Dass diese Phase die Bandmitglieder noch weiter zusammengeschweißt hat, war ein wichtiger Nebeneffekt, der auch auf dem Debüt, an dem rund drei Jahre gebastelt wurde, deutlich zu hören ist.
Die Songs haben allesamt kräftig Pfeffer unter dem Arsch. Frontfrau Jana, die den Bandnamen Spitting Off Tall Buildings mit „Wind im Gesicht, Freiheit, Weite und Luft“ assoziiert, verschärft dies noch mit ihrer nach Halswehzuckerl schreienden Stimme. Textlich nimmt sich die Rotzgöre dabei kein Blatt vor den Mund und verzichtet auf irgendwelche halbherzigen Schönredereien.
Diese explosive Mischung äußert sich durch nach Erlösung schreienden Gitarren-Riffs und einem ständigen Tempo-Wechsel, welcher in seiner Gangart von „Gemütlichem Dahingeplätschere“ bis hin zu „Alles mitreißendes Höllentempo“ reicht. Ein druckvolles, rundum gelungenes Album, welches das eingangs erwähnte Vorurteil zerbröselt in der Pfeife rauchen lässt.
Das Debütalbum von Spitting Off Tall Buildings ist bereits bei Sanctuary erschienen.
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