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Schwerpunkt: Public Value - die Zukunft des ORF?

Public Value - Die Zukunft des ORF?

2009-04-03 17:02:19

Unter dem stärker werdenden Druck von Politik und Wirtschaft versuchen die öffentlich-rechtlichen Sender mit dem ''Public Value''-Konzept Stärke zu zeigen. Der ORF ist mit dabei. FM5 widmet dem Thema einen Schwerpunkt.

Schlimm ist die Lage, wenn sogar die Gegner helfen wollen. So zum Beispiel wenn die liberal-konservative Tageszeitung Die Presse, die den ORF meist nur als "Staatsfernsehen" bezeichnet, den österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk plötzlich retten will. Retten vor dem Zugriff der Parteipolitik - selbstverständlich. Denn dass für Presse-Chefredakteur Michael Fleischhacker die wahre journalistische Freiheit unter dem Knüppel der Werbeindustrie liegt, wissen wir spätestens seit seinem FM5-Interview.

Zwischen Politik und Wirtschaft

Der ORF hat indes an beiden Fronten zu kämpfen: Einerseits stachelt die Reichweite von knapp 40 Prozent die Parteipolitik zur (versuchten) Einflussnahme auf. Andererseits muss etwa die Hälfte der Einnahmen über Werbung eingespielt werden – und auf der rauen See der Werbewirtschaft konkurriert der Öffentlich-Rechtliche genau mit jenen Medien, die jetzt zu seiner "Rettung" aufrufen.

Strategien unter veränderten Bedingungen

Eher unbemerkt von dieser vordergründigen Situation macht sich der öffentlich-rechtliche Sektor im Hintergrund so seine Gedanken. Denn der wachsende Druck resultiert nicht nur aus wirtschaftlichen Veränderungen (Stichwort: Privatisierungen) sondern auch aus technischen. Die zunehmende Sendervielfalt sowie das Internet als völlig neue Medienplattform lösen die einstige Quasi-Monopolstellung auf.

Hilfe durch Public Value

Das Public Value-Konzept soll helfen. Die britische BBC, Mutter aller Öffentlich-Rechtlichen, adaptierte den Begriff – der eigentlich aus dem akademischen Bereich des Public Management kommt – für ihre Anliegen. Der Ausruck macht im Grunde nichts anderes, als die Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Anstalten zu theoretisieren und auf den Punkt zu bringen: "All public organisations aim to deliver not only value for individuals, but also value for people as citizens. This is their public value (...)", heißt es im BBC-Paper "Building Public Value".

Public Value im ORF

Für Klaus Unterberger, Leiter des Public Value Kompetenzzentrum im ORF stellt sich durch den Begriff die Frage, was der "öffentlich-rechtliche Rundfunk eigentlich mit den gesellschaftlichen Bedürfnissen zu tun" hat. Moment – es gibt ein Public Value Kompetenzzentrum im ORF? Ja, seit Mai 2007 hat sich der ORF die BBC als Vorbild genommen und versucht, das Konzept Public Value auf österreichische Verhältnisse umzulegen. Ein Public Value Bericht (siehe Links) ist erstes sichtbares Resultat dieser Arbeit. FM5 hat mit Klaus Unterberger, einem profunden Kenner des Public Value Konzepts, ein Interview (siehe Interview in diesem Schwerpunkt) geführt.

Public Value - muss mich das interessieren?

Das Konzept des Public Value ist nicht wichtig, weil es der ORF eventuell auch als Legitimations- und Marketinginstrument versteht. Sondern weil dadurch die Rundfunkanstalt – theoretisch fundiert – in Zeiten des Umbruchs Position bezieht. Es bringt nicht nur die Bedeutung des Öffentlich-Rechtlichen zurück in die Diskussion, sondern macht nur auf gesamtgesellschaftlicher Ebene Sinn.
Es legt den Schwerpunkt auf eine Ebene, für die den Propagandisten des Gegensatzes (Partei)Politik vs. Wirtschaft sogar der Begriff fehlt (bestes Beispiel: Die Presse, die den ORF nur als "Staatsfernsehen" begreift). Nämlich auf die "Gesellschaft", das heißt die unterschiedlichen Menschen mit ihren Bedürfnissen.



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AutorInnen

Martin Bartenberger

Martin Bartenberger

Ich mag mein Studium (Politikwissenschaft), Tiere, die Wiener Außenbezirke und gutes Essen (Tiere). Mitglied des FM5-Kletterteams.

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