2007-04-02 00:11:08
Der Prostest Song Contest '05 ist bereits wieder Geschichte und wird nun für ein Jahr aus unseren Köpfen verschwinden. Was bleiben muss/soll, ist der Protest! Sieger hat es natürlich auch einen gegeben - Trommelwirbel…and the winner is?!
Protest mit nackten Tatsachen
Am Samstag, den 12. Februar, ist bereits zum zweiten Mal das Finale des Protest Song Contests im Rabenhof zu Wien über die Bühne gegangen. Wie auch im Jahr zuvor war der Publikumsandrang enorm. Rund 500 Menschen protestierten – der eine mehr, der andere weniger – mit den zehn Finalisten, die sich einer Bewertung von der mehr oder weniger kritischen/objektiven sechsköpfigen Jury, bestehend aus „Chefcontroler“ Martin Blumenau (FM4), Sweet Susie (Dub Club), Andrea Dusl (Falter), Doris Knecht (Profil), Peter-Paul Skrepek (Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe) und Hansi Lang (Musiker), unterzogen. 
Mike Blumentopf protestierten zum Abschluss ihrer Performance nackt.
Die Finalisten in diesem Jahr waren:
Lassiter – Bilder des Widerstands auf dem Weg zur Freiheit
Henriette – Mein Bauch gehört mir
Bongoreggae – Never give up the fight
Die Überspitzen – Geh-rer
Kpunkt – Verweigerer
Georg Bauernfeind – Flugblatt-Gedicht
Mike Blumentopf – Protestsong 2005
Flexevil – Danke
Christoph & Lollo – Ich hasse die Menschen im Fernsehen
Rainer von Vielen – Sandbürger
Der Protestsong an sich, ist eine zwar traditionsschwer wirkende, aber dennoch relativ junge Liedgattung. Entstanden ist diese Variante des politischen Liedes in den 60er Jahren. Die inhaltlichen Ziele dieses sozialkritischen Engagements reichen von der Solidarisierung mit Minderheiten bis hin zur Kritik an vorherrschender/n Politik/Strukturen. Mit diesen oder anderen Einsprüchen (die Liste an Widersprüchen ist groß) gegen das Bestehende/Verharrende waren die inhaltlichen Themen der zehn Finalisten des diesjährigen Protest Song Contests durchzogen.
Der musikalische Aspekt – der meiner Meinung nach – die Protestwalze erst so richtig ins Rollen bringt, sei an dieser Stelle einmal beiseite gestellt.
Ein Lichtblick hingegen waren – wie so oft – Stermann & Grissemann, die mit einer zynischen Zunge durch den Abend führten.
Die Meinung des Publikums, das von der Jurorin Doris Knecht auch zum “Volk?!“ ernannt wurde, war oft nicht im Einklang mit der der Jury. Über manche Aussagen und Wertungen wird wohl noch länger diskutiert werden. Was aber im Endeffekt ist und bleibt, ist die Jury-Entscheidung, mit der man sich einfach abfinden muss. Es sei denn, eine schmutzige Wettmafia hatte hier – so wie beim Fußball – ihre Hände im Spiel und beeinflusste dieses Urteil. Blödsinn. Natürlich nicht!
Würde mich an diese Stelle jemand um meinen persönlichen Favoriten dieses Finales fragen, würde ich ihm antworten: Georg Bauernfeind. Ein Magister der Theologie protestiert gegen die Kinderarbeit in der Bekleidungsindustrie. Endlich einmal ein kirchlicher Sympathieträger!
Nun gut, kommen wir zur Preisverleihung:
Platz 3 ging an Kpunkt

James Skone schreit sich den Unmut aus der Seele.
Platz 2 ging an die für mich etwas verstört wirkenden Christoph & Lollo

Ich hasse die Menschen im Fernsehen! Ich sag es laut und ungeniert.
Ich hasse die Menschen im Fernsehen, ganz egal was auch passiert. (Christoph & Lollo)
And the winner is…
...Rainer von Vielen mit dem Protestsong: "Sandbürger"

Die strahlenden Sieger.
Musikalisch gesehen handelt es sich hierbei um eine billige Abkupferung von Seeed.
Textlich gesehen waren Sie aber eine der besten. Somit geht der Sieg wohl in Ordnung, denn es gab an diesem Abend wirklich nicht die großartige Konkurrenz. Hiermit seien alle aufgefordert im nächsten Jahr mitzumachen – der Protest muss bleiben!
Der Siegertext
Kauf mir ein Bonbon, kauf mir ein Rad,
Kauf mir ein Handy, Kauf den Vertrag,
Kauf mir die Freizeit, Kauf mir die Freunde,
Kauf mir ein Auto, Kauf mir ein Haus,
Kauf mir die Wahrheit über Franz Josef Strauss,
Kauf mir die Erde und Kauf mir den Mond,
Kauft euch doch selbst, aber lasst mich verschont.
Ihre Wahrheit ist auf Sand gebaut,
weil jedes Kind ihren Hunger nach Macht durchschaut,
und wer den Reden dieser elenden Hunde traut,
der wird sich umsehen, der wird sich umsehn,
wie die Hyänen werden sie um dich herumgehen,
dich beschnuppern und dich betasten, kartografisieren
Implantieren den Gen Chip unter deine Haut, den Gen Chip – Scannen, durchschaut.
Den Gen Chip – gestern, heute wo?
Den Gen Chip – RFID No!
Ich werde auf den Bauch und mein Herz hören.
Ich werde eine Sprache kreieren
Und damit ihre Matrix zerstören.
Use the media, confuse the media.
Nutz die Medien, verschmutz Medien.
Ihre Wahrheit ist auf Sand gebaut.
Dass man mit knirschenden Zähnen an den Folgen kaut.
Und wer die ganze Zeit nur auf den Fortschritt schaut,
kann sich nicht umdrehen, kann sich nicht mehr umsehn,
Und vor allem nicht mit seiner Erde umgehen.
Wer nicht für sie ist, ist gegen sie.
Ihr Lachen, Ihr Glaube, Ihr Furzen ist Strategie.
An die Kriegsherren: Legt eure Knarren beiseite
An die Poser: sucht in der Kindheit das Weite.
An die Youngsters: hört auf die alten Stimmen.
An die Alten: seht was die Jungen beginnen.
Denn wir und die Unseren haben uns gefunden,
Du und die Meinen, Ich und die Deinen.
Obwohl ich zwischen Tausend Sendern wählen kann, seh ich immer nur dasselbe Programm.
Es ist mein Ego, das sich durch die Medien formt.
Nimm dich in Acht, Baby, der Gedanke ist genormt.
Da muss ein Netzwerk her, ein Wir, ein Wir, ein Wir, ein Wir und die Unseren haben uns gefunden,
Du und die Meinen, Ich und die Deinen
Übrigens: Die beste Protestsongmacherin in Österreich ist für mich zurzeit Gustav, wo war die eigentlich?
Mehr Fotos gibts auf www.zerofunktion-foto.tk
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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