2007-04-02 00:10:19
Der Projekt Pop-Sampler stellt eine einzigartige Möglichkeit zum Einstieg für junge MusikerInnen dar. Projekt Pop sieht sich als als Organisations- und Konzeptionsschnittstelle für die Durchführung konkreter Musikförderprojekte. Wie das zu verstehen ist, das haben wir im Rahmen eines Interviews mit Projektleiter Harry Fuchs erfragt.
FM5: Du hast vor 10 Jahren deine Diplomarbeit über den Austropop geschrieben. Das ist eine gute Gelegenheit dich heute nach einem Resümee zu fragen, nachdem du ja sehr aktiv im Bereich der österreichischen Musikszene weitergearbeitet hast. Was hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert, was ist gleich geblieben?
Harry Fuchs: Gehen wir von 1996 aus. Ziel der Diplomarbeit war es, die Rahmenbedingungen der österreichischen Popmusikszene grob zu umreißen, wie es im Rahmen einer Diplomarbeit halt möglich und sinnvoll ist. Nachdem dies eine Arbeit auf dem Institut für Kommunikationswissenschaften war, galt es als Kernbereich der Studie die medialen Plattformen für österreichische KünstlerInnen auszuleuchten.
Das Ergebnis kennt man, nämlich dass in den elektronischen Medien leider nicht die Plattformen vorhanden sind, die man sich für eine nationale Musikszene wünschen würde. Das war damals so und hat sich im Prinzip nicht wesentlich geändert. Das zeigen auch die aktuellen Sendezeitstatistiken der AKM, wiewohl natürlich FM4 als Plattform mit einem Anteil von ca. 25 Prozent österreichischer Musik den entsprechenden Raum geben. Da sieht man auch, dass das ein Community bildendes Element ist – und dass das auch recht gut funktioniert.
Was die allgemeinen Rahmenbedingungen betrifft: Da sind wir jetzt gerade in einer sehr interessanten Phase. Es herrscht gerade jetzt eine Aufbruchstimmung da wir gerade einen großen Schritt geschafft haben - nämlich auch die Politik mit ins Boot zu bekommen. Jetzt haben sowohl die Kulturpolitik als auch die Wirtschaftspolitik das Thema „Creative Industries“ für sich erkannt, in welches die Musik natürlich auch dazugehört. Da gibt es jetzt Töpfe, mit welchen man entsprechende Dinge installieren kann, wie einen Musikfonds, wie ein Departure-Programm für Vertriebs und Innovationsförderung. Der Musikfonds ist für Kulturprojekte gewidmet. Daher können wir auch nicht die Vertriebs- oder Marketingbereiche, sondern ausschließlich die Produktionskosten fördern, denn das wäre Wirtschaftsförderung. Die Wirtschaftsförderung auf Bundesbereich - etwa das Impulsprogramm oder das Depature-Programm in Wien - stellt auch Gelder bereit für Creative Industries, und das bedeutet auch für Musikprojekte. Wenn das so weitergeht, werden sich daraus auch sichtbare Erfolge generieren.
Der Musikfonds ist gerade einmal vor einem Jahr gestartet. In dieser kurzen Zeit darf man sich auch keine Wunderdinge erwarten. Es geht um Nachhaltigkeit. Erste positive Zeichen gibt es bereits. Die Frage ist jetzt natürlich: Wie geht es weiter? Ergänzend zum Produktionsbereich geht es nun auch in den Livebereich. Im Bereich des Toursupports gibt es neben einem Tourbus auch finanzielle Unterstützung, sowie Medienkooperationen. Bis zu zehn Bands sollen jährlich gefördert werden. Auch das "Projekt Pop!”“ soll näher an den Fonds geführt werden. Das ”Projekt Pop!” ist ja für die ersten Stufen im Musikbereich: Nachwuchsförderung, Ausbildung, Information und Talentescouting werden hier groß geschrieben. Das “Projekt Pop!” soll in Zukunft in den Trägerverein des Musikfonds übergeführt werden.
FM5: Rund 20 Acts werden jedes Jahr der gesamten Musikindustrie auf einem Promotion-Sampler präsentiert, der an alle relevanten Branchenadressen im In- und Ausland verschickt, sowie auf den Fachmessen Midem/Cannes und Popkomm/Berlin aufgelegt wird. Am 10. Oktober 2006 ist die Deadline für heuer. Nach welchen Kriterien werden bei euch die Künstler ausgesucht?
Fuchs: Die Bands dürfen keinen Plattenvertrag haben. Der Sinn der CD soll ja sein, dass die KünstlerInnen in geballter Form der Industrie präsentiert werden. Ansonsten gibt es keine Auswahlkriterien.
FM5: Es werden aber sehr, sehr viele Projekte eingereicht. Es müssen auch viele KünstlerInnen abgelehnt werden.
Fuchs: Es gibt zwei Zugänge zum Sampler. Es gibt Projekte, die bereits fix nominiert sind, beispielsweise über den ABC-Partnerwettbewerb. Der andere Weg ist, dass man es bei uns einschickt und von einer Jury ausgewählt wird. In der Jury sitzen mehrere Leute. Bisher war immer eine Plattenfirma an Bord, die den Sieger dann produziert hat. Das werden wir in Zukunft nicht mehr machen. Da gibt es den Soundcheck, die haben dafür eine breite mediale Plattform. Wir beschränken uns auf die Präsentation für die Industrie. Das macht in diesem Fall eine interne Jury wo eben Produzenten, Leute aus der AKM und Urheber sitzen, die das beurteilen. Das ist ein ganz normales objektives System mit einem Punkteschlüssel, ohne großen Kriterienkatalog. Es geht um junge Bands, die man der Industrie präsentieren kann.
FM5: Nach eigener Definition sieht sich das “Projekt Pop!” prinzipiell als Konzeptions- und Organisations-Schnittstelle für die Durchführung konkreter Musik-Förderprojekte. Wie ist das zu verstehen?
Fuchs: Als ich damals 1998 das “Projekt Pop!” übernommen habe, hatte das eine genaue Definition. Da wurden 10 CDs im Jahr produziert, zwei Bands auf einer CD. Da war ein Budget vorhanden und da wurden eben solche Produktionen gemacht. Ich habe damals gemeint, dass man dieses Budget effizienter einsetzen könnte. Daraufhin haben wir für die AKM ein Musikförderkonzept für Österreich entwickelt. Wir haben Expertisen in Auftrag gegeben über alle Bereiche, von der Ausbildung über die Mediensituation, die Plattenfirmensituation die Exportsituation, Veranstaltersituation und so weiter. Auf Basis dieser Expertisen und Defizitanalysen haben wir Projekte entwickelt und Wege aufgezeigt, wie man diese Defizite lösen könnte. Auf Basis dieser Analysen haben wir 50 Projekte vorgeschlagen. “Projekt Pop!” ist eines davon. Daneben gibt es natürlich noch eine Vielzahl von Projekten wie die Ausbildungsveranstaltungen, den Songwriterworkshop oder das Feedback. Diese 50 Projekte wollen wir umsetzen, natürlich auch gemeinsam mit Partnern.
FM5: Im Rahmen des Feedbacks, das ihr gemeinsam mit Soundbase veranstaltet bekommen junge KünstlerInnen wie der Name schon sagt Feedback auf ihre Werke. Nach welchen Kriterien wird ein Track von euch beurteilt?
Fuchs: Das hängt natürlich immer auch damit zusammen wer am Podium sitzt. Wir versuchen das Podium immer möglichst breit zu gestalten. Bei Plattenfirmen versuchen wir zum Beispiel immer sowohl einen Major als auch ein Vertreter der „Independent“ Labels zu gewinnen, daneben ist am Podium immer auch ein Veranstalter, ein Medienvertreter und ein Produzent vertreten. Diese beurteilen individuell aus ihrer jeweils eigenen Sicht. Es ist immer wieder spannend, dass eine Plattenfirma ganz anders beurteilt als beispielsweise ein Medienmensch. Dadurch entstehen manchmal interessante Diskussionen die von Prof. Huber von der Musikhochschule moderiert werden. Von unterschiedlichen Seiten der Branche ein Feedback zu bekommen kann sehr interessant und aufschlussreich sein, auch wenn es sich um Einzelmeinung handelt.
FM5: Laut eigenen Angaben warten 50 “Projekt Pop!” Projekte auf eine Realisierung? Wie wird ein Projekt zu einem Projekt-Pop Projekt?
Fuchs: Wie gesagt: es gibt eine Reihe von Projekten. Wenn sich darüber hinaus ein Projekt ergibt in diesem Rahmen, dann wird dieses Projekt durchgeführt. Nur ein Beispiel: In Deutschland gibt es eine Plattform mit dem Namen „Music2Deal“. Das ist eine Schnittstelle zwischen Produzenten und Urhebern. Die sind mittlerweile vernetzt mit Japan, Amerika und Russland. Die haben uns vor ein paar Jahren angesprochen, ob das “Projekt Pop!” nicht ihre Österreich Vertretung machen will. In unserem Konzept hat sich so eine Vermarktungsschnittstelle gut ergeben.
Woanders gehen wir wieder aktiv auf Leute zu, und fragen ob man nicht gemeinsam was machen könnte. Beispielsweise war das Veranstalterweb.at so ein Konzept, wo Musiker an Veranstalter und andererseits Veranstalter auch konkret an KünstlerInnen suchend herantreten können. Das Feedback hat sich ihm Gespräch mit der Stadt Wien, konkret mit dem Projekt Soundbase ergeben.
FM5: Was sind eurer Meinung nach die großen Herausforderungen für musikschaffende KünstlerInnen in Österreich? Gerade auch für KünstlerInnen am Anfang ihrer Karriere?
Fuchs: Die Herausforderung ist natürlich immer sich sein Publikum zu erspielen. Was ich immer jungen KünstlerInnen empfehle, ist Durchhaltevermögen zu zeigen. Bei vielen Leuten, die Erfolg haben hat sich gezeigt, dass dem sehr lange Durststrecken vorausgegangen sind. Viele werfen halt die Flinte einfach ins Korn. Wir diskutieren ja auch jetzt wieder beim Musikfonds wie wichtig es ist, rauszugehen und zu spielen. Deshalb sind auch Bandwettbewerbe wichtig. Für den Wettbewerb macht man sich fit, trainiert und sammelt Erfahrungen.
FM5: Nimmt der Livebereich in letzter Zeit stärker zu?
Fuchs: In Österreich gibt es das Problem, dass das Bewusstsein des Publikums nicht ausreichend vorhanden ist. Wir haben früher “Projekt Pop!” Bands im Roten Engel vorgestellt. Die Leute sehen am Eintritt 4,5 Euro und sagen, „das zahl ich nicht“. In anderen Ländern ist es anders: In England und Holland gibt es das Bewusstsein, „ja ich will mir eine junge Band anschauen, um sie kennen zu lernen“. In diesem Bereich ist der Wille, für unbekannte KünstlerInnen Geld auszugeben, bei uns nicht so ausgeprägt. Das war sogar innerhalb der Plattenindustrie so, dass die Leute kaum raus gegangen sind.
FM5: Welche Möglichkeit siehst du für österreichische KünstlerInnen im Bereich Musikexport, also den Schritt über die Grenzen?
Fuchs: Um bei “Projekt Pop!” zu bleiben: Wir sind in Midem/Cannes und Popkomm in Deutschland vertreten. Dadurch hat sich auch schon einiges ergeben. Das Thema Export ist natürlich ein Thema. Es gibt die AMAN (Austrian Music Ambassador Network), das von der Wirtschaftskammer ausgeht. In Schlüsselmärkten verhaftete Menschen werden dort beauftragt, für österreichische Musik Promotion zu machen. Es gibt das Exportbüro von der MICA. Es gibt auch Gespräche, wie man diese zwei Aktivitäten zusammenführen kann. Wir vom “Projekt Pop!” beschränken uns darauf, die Rahmenbedingungen in Österreich zu verbessern. Export ist sozusagen nicht unser Kerngeschäft.
FM5: Welche Projekte würdest du jungen KünstlerInnen neben dem “Projekt Pop!” oder dem Feedback von Soundbase am Beginn ihrer Karriere empfehlen? Was ist sinnvoll?
Fuchs: In Wahrheit hat alles einen Sinn. Alles, wo man Erfahrung sammeln kann oder nur einen kleinen Karriereschub machen kann, hat einen Sinn. Wir persönlich versuchen einfach viel anzubieten. Beispielsweise das Feedback, den Songwriterworkshop oder den Sampler. Was der einzelne dann nutzt, ist jedem selber überlassen. Ich empfehle solche Angebote zu nutzen und bei Bandwettbewerben mitzuspielen. Auch wenn man ausscheidet! Die Erfahrung, die man dort sammelt, ist wichtig, man lernt so verschiedene Bühnen kennen, man hat Vergleichsmöglichkeiten, man bekommt von Juroren auch Feedback. Ein Management zu finden ist nicht von Nachteil. Wenn man das nicht findet, muss man sich halt selber auch mit den Marktgegebenheiten beschäftigen. Das Handbuch der Musikwirtschaft ist einfach empfehlenswert, speziell für Österreich gibt es das Handbuch der Musikschaffenden. Da steht drinnen, wie man einen Vertrag macht und dergleichen. Damit muss man sich beschäftigen. Ich mache Musik die gut ist, das ist einfach zu wenig. Ich muss wissen wo ich hingehe und die entsprechenden Leute ansprechen. Wie biete ich meine Dinge an? Wie schreibe ich einen Pressetext? All das sind wichtige Fragen. Nur Musik machen reicht nicht immer.
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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