Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

fokus

Problemfall: Jugend

2011-02-03 14:38:14

Jugendtherapie, Unterstützung von armen Familien, Hilfe bei Missbrauchsfällen: Österreich hat hier noch viel aufzuholen, kritisiert die Liga für Kinder- und Jugendgesundheit.

Es war ein "erschreckender Bericht, den Unicef und OECD vor einem Jahr veröffentlichten. Es ging dabei um die Zahlen zum Gesundheitsstand und Risikoverhalten von Kindern und Jugendlichen. Dem zufolge rauchen 27 Prozent der Jugendlichen hierzulande regelmäßig, fast jede/r vierte kämpft mit Essstörungen und mit 25 Prozent hält Österreich die höchste Rate an Gewalterfahrungen bei Kindern- und Jugendlichen in Europa.

"Doch die Jugendlichen sind nicht das Problem - sie haben ein Problem. Nämlich die Tatsache, dass 60.000 von ihnen in Österreich nicht die Therapien erhalten, die sie benötigen“, kritisiert Klaus Vavrik, Präsident der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit. Grund sei, dass hierzulande Therapien für Kinder und Jugendliche nicht auf Krankenschein möglich sind.

Die Krankenkassen verlangen immer noch, dass mindestens 40 Prozent der kostspieligen Therapien von den Betroffenen selbst bezahlt werden müssen. "Sozial schwache Familien können sich das einfach nicht leisten. Somit entsteht auch hier eine Zwei-Klassen-Medizin in Österreich", meint Vavrik. Die Forderung der Liga: Kostenloser Zugang zu dringend benötigten Therapien für Kinder und Jugendliche.

Österreich liegt im EU-Vergleich hinten


Auch Ulla Konrad, Präsidentin des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen, bemängelt: "In Österreich gibt es keine Basisversorgung bei Kinder- und Jugendpsychiatrie, im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Staaten. Die Krankenkassen kommen einem nicht entgegen. Wir liegen in dieser Hinsicht noch hinten." Das betont auch Christian Kienbacher, Sekretär der Österreichischen Gesellschaft für Kinder und Jugendpsychiatrie: "Eine 16-Jährige, die vor kurzem einen Selbstmordversuch verübt hatte, musste in eine Einrichtung für Erwachsene gebracht werden, weil es für Jugendliche einfach nicht genug betreuende Kliniken gibt."

"Fälle wie Cain und Lukas werden wieder passieren"


Auch das Gewaltrisiko in Familien wurde diskutiert. Mehr Zivilcourage und Sensibilität von Seiten der Bevölkerung fordert Christian Vielhaber, Obmann des Österreichischen Kinderschutzbundes. "Fälle wie die Tragödie des kleinen Cain in Vorarlberg passieren nicht von heute auf morgen. Die haben eine Vorgeschichte."

Die Menschen müssten lernen, bei Gewaltverdacht in anderen Familien nicht mehr wegzuschauen, meint Vielhaber. "Bei Missbrauchsfällen wie Lukas oder Cain sind viele Leute in Tränen ausgebrochen. Man darf aber nicht vergessen, dass es im ganzen Land so viele Kinder in der gleichen Situation gibt. Solche Fälle werden wieder passieren! Es braucht ein Umdenken in der Bevölkerung: Prävention, nicht Betroffenheit, wenn es zu spät ist."

Text: Amina Beganovic

Printer Icon Creative Commons by-nc-nd - Some rights reserved



AutorInnen

Martina Powell

Martina Powell

beschäftigte sich schon im Biologieunterricht lieber mit Aphorismen und Kurzgeschichten als mit der Photosynthese. Widmet sich nun vor allem "Fokus" und ihren Geschichtebüchern.

Newsfeed Icon Newsfeed von Martina Powell abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop