Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

lifestyle

Princesas

2007-04-02 00:15:39

Ein Film über zwei Frauen in der Welt der käuflichen Liebe.

Princesas erzählt von zwei Frauen in Madrid, die beide ihr Geld mit der käuflichen Liebe verdienen. Stark und zerbrechlich zugleich, Huren und Prinzessinnen in einem. Aus einer anfänglichen Konkurrenzsituation entwickelt sich zwischen den beiden bald eine tiefe Freundschaft. Beide sind auf der Suche nach ein bisschen Glück in ihrer tristen Welt.

„Man sagt, Prinzessinnen haben kein Gleichgewicht. Sie sind so sensibel, dass sie spüren, wie die Erde sich dreht. Man sagt, sie sind so sensibel, dass die krank werden, wenn sie fern von ihrem Königreich sind. Dass sie sogar sterben können vor Traurigkeit.“ (Caye in „Princesas“)

Caye (Candela Peña) ist schon länger im Geschäft, ihr Beruf ist Routine, dennoch träumt sie von einem besseren Leben, Liebe und Veränderung. Jeden Sonntag ist sie bei ihrer Familie zum Essen eingeladen, doch ihr Beruf ist ein gut behütetes Geheimnis. Das ist jedoch nicht das einzige Rätsel in dieser Familie. Die Mutter, die den Tod ihres Mannes nach Jahren immer noch nicht wahrhaben will, schickt sich selbst regelmäßig Blumen oder Pralinen. Sie erklärt, dass diese vom verstorbenen Gatten kommen, der eigentlich noch am Leben sei und sein schlechtes Gewissen auf diese Weise bereinigen will.

Caye ist nach außenhin zwar eine starke Frau, dennoch enthüllt sie nach und nach auch ihre zerbrechliche und nachdenkliche Seite. Sie träumt von einem Prinzen, der sie von der Arbeit abholt - jedoch von einer ordentlichen und geachteten Arbeit. Eines Abends lernt sie den Informatiker Manuel kennen. Zum ersten Mal ist sie wieder glücklich, fühlt sich geliebt und geborgen, jedoch hat sie auch Angst, dass wegen ihres Berufes dieses junge Glück wieder zerbrechen könnte.

„Irgendwann kommt der Tag, der absolute Wahnsinn. An diesem Tag ist alles gut. Du triffst die Leute, die du treffen willst, und alles, was an diesem Tag passiert, ist genau das, was du dir wünschst. Das passiert nur einmal im Leben. Dieser Tag ist wie eine Umleitung. An diesem Tag entscheiden wir, wie es weitergeht. Wenn du die Umleitung verpasst, weil du gerade am Handy hängst oder an irgendetwas anderes denkst, dann wäre das Scheiße. Komplette Scheiße.“ (Zulema in „Princesas“)

In Zulema (Micaela Nevárez), der anfänglichen Konkurrentin, findet Caye bald eine gute Freundin. Nur ihr erzählt sie von ihren Sehnsüchten, von ihrer Traurigkeit und ihren Wünschen. Zulema, die illegale Immigrantin aus der Dominikanischen Republik, hat ständig Sorge, abgeschoben zu werden. Sie sehnt sich nach ihrem kleinen Sohn in der fernen Heimat. Im Gegensatz zu Caye ist sie ihrer Familie, trotz der großen geografischen Entfernung, sehr nah. Ständig trägt sie das Foto ihres kleinen Sohnes bei sich, ruft zu Hause an und schickt ihr verdientes Geld an ihren Lieben.

„Kann man Sehnsucht nach etwas haben, was man noch nie erlebt hat? Mir geht es manchmal so. Dann stelle ich mir vor, wie es gewesen wäre, mit den Männern, oder mit dem Leben allgemein… Und dann tut es mir weh. Weil nämlich alles wunderschön war. Und wenn ich daran denke, bekomme ich Sehnsucht. Und dann wird mir klar, dass nichts davon passiert ist, und das macht mich traurig.“ (Caye in „Princesas)

Der Regisseur Fernando León de Aranoa nähert sich dem Thema Prostitution auf eine sehr sensible Weise, ohne jede Spur von Voyeurismus. Ihm geht es vor allem darum, von den Stereotypen und dem ewig gleichen Bild der Prostituierten wegzukommen. Der Film zeigt zwei starke Frauen, die gleichzeitig auch schwach sind, die sich sowohl mit der Realität abfinden, aber zugleich auch die Hoffnung auf Veränderung nicht aufgeben. Die Geschichte und die Figuren scheinen sehr ehrlich und wirklich, auch die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen ist beachtlich. Beide wurden zu Recht mit dem spanischen Filmpreis GOYA 2006 ausgezeichnet.

„Princesas“ ist auf alle Fälle sehenswert, wenngleich man sich nicht auf einen gemütlichen Kinoabend mit Popcorn einstellen darf. Vielmehr nämlich auf einen Film, der berührt und nachdenklich stimmt. Teilweise zieht sich die Handlung etwas, aber vielleicht braucht es gerade diese facettenreiche Beobachtung, um sich in die Protagonistinnen hineinfühlen zu können. Trotz der Tragik der Geschichte, beinhaltet der Film durchaus auch fröhliche und ironische Momente. Zusammen mit der Filmmusik von Alfonso de Vilallonga und Manu Chao entsteht ein insgesamt gelungener Film, der auf alle Fälle sehenswert ist.

Kinostart: 16.03.2007

Printer Icon



AutorInnen

Judith Drexler

Judith Drexler

Sorge dich nicht um das was kommen mag, weine nicht um das was vergeht, aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren, und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen. (Friedrich Schleiermacher)

Newsfeed Icon Newsfeed von Judith Drexler abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop