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Portishead - Third

2008-06-26 10:25:49

  • portishead Third TripPop
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Ihre Haltung ist die konsequente Verweigerung. Portishead sind nach zehn Jahren wieder zurück und haben mit 'Third' ein aufwühlendes Album veröffentlicht. Den Begriff Trip-Hop haben sie nebenbei auch noch für sich begraben. Auf zu neuen Ufern.

Es hat sich einiges und nichts getan. Portishead machen noch immer das, was nur sie wollen, ohne Zugeständnisse. Kann schon mal zehn Jahre dauern. Die Musik klingt brüchiger und verstörender als früher, und doch hat man so etwas in Erwägung gezogen.

Beware to the rule of three

"What you give comes back to you. You should learn this lesson. You only receive what you deserve" - Silence führt mit dieser übersetzten Zeile aus dem Portugiesischen in den dunklen Abgrund hinein. Ein gebrochener Drum-Beat gibt einen zerschepperten Rhythmus vor, gespenstische Streicher kratzen die Spur, dann gesellt sich Beth Gibbons dazu und sing mir leidvoller Stimme. Der Song endet abrupt, ohne das es ein Anzeichen dafür gibt - eine hypnotische Anziehungskraft übt er trotzdem aus. Es ist wie eine Fahrt auf dem Lost Highway, der man sich ausliefert.
Hunter sprüht Glitzerstaub in die Augen, doch dahinter dröhnt ein tiefer Taktschlag, der Unheilvolles ankündigt. "And if I should fall, would you hold me? Would you pass me by?" Beth steht trostlos daneben, am Abgrund, und blickt hinunter. Wird sie fallen, aufgeben oder der Versuchung widerstehen? Die Gitarren jaulen und schrammen in diesen Augenblicken durch sie hindurch. Ansonsten schaukelt sich der Song in einer warmen Atmosphäre.
Mit einem versteckten Lächeln auf den Lippen geben sich Portishead in Nylon Smile dumpfen Stammesrhythmen hin. The Rip entfaltet sich in akustischer Schönheit und Melancholie, Plastic spinnt die Geisterstunde mit wabernden Beats weiter. We Carry On läuft der Gefahr entgegen, wird von einer Art aufgelegtem Telefongeräusch angetrieben.
Geradezu versöhnlich und harmlos klingt Deep Water, doch sicher und geborgen fühlt man sich nicht. Die Single Machine Gun bestätigt das unangenehme Gefühl und jagt anschließend die aufgeblühte Stimmung zum Teufel. Mit einem an ein Gewehr angelehnten, fetten Beat rollt der Song ins Industrial-Lager ab.
Small ist schaurig, mit Orgel versetzt und einer Tinnitusmelodie, bittet aber zum Aufmarsch. Magic Doors beginnt mit ausklingelndem EKG-Ton und spielerischem Klangbild, und der Schlusspunkt Threads oszilliert um schräge Streicher, das Schlagzeug klingt dünn, die Gitarre träge, dazu Beth im leidvollen Jammertal.
In fast narkoleptischer Langsamkeit bäumt sich die Struktur etwas auf, bevor die letzten Töne Befangenheit verbreiten und der Vorhang endgültig fällt.

Der Gibbons-Faktor


Stets ringen die Instrumente auf Third um Kontrolle und Vorherrschaft. Versponnen arrangierte und ramponierte Beats, seltsame Gitarrenläufe, erhöhter Stimmungsgrusel, gebrochen und niedergeschlagen von Beth Gibbons gesungen, die sich noch immer weigert Interviews zu geben.

Tagmusik für Nachtaktive


Third
muss nicht jedem gefallen, enthält aber den Wunsch einer einflussreichen und spannenden Formation, nicht stehen zu bleiben oder sich zu wiederholen.
Portishead
sind spröde wie nie und haben den Zugang zu ihrer Musik absichtlich erschwert. Heutzutage ist solch eine Herangehensweise selten geworden. Lange Zeit weiß man nicht, wo die Musik den Hörer verschlagen wird. Es sind Bilder, die in den Kopf schießen. Regen und Donner, verdunkelter Himmel, allesamt Unbehagliches.
Ein psychotisches Album, mit defätistischer Melancholie, einsam, verschlossen und verstörend, aber stets emotional und unkonventionell ist Third geworden. Eine Missachtung aller möglichen musikalischen Schubladen, das Fach TripHop insbesondere.
Man muss sich schon ein paar Male durch dieses dunkle Epos hindurchschlagen, um die ganzen Feinheiten zu entdecken, die da lauern.
Aber sie sind da.

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AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

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