2007-04-02 00:13:24
Das Museum für Angewandte Kunst (MAK) widmet sich seit 31. August bis 4. Dezember einer popkulturellen Strömung, deren Einfluss in der westlichen Hemisphäre immer größer wird. Nur konsequent also, sich grafischen Exponenten des „Manga“ zu nähern.
Nach Ende des Zweiten Weltkrieges begann die Zukunft für das moderne Japan. Die Populärkultur, deren Ursprünge sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, konnte durch Figuren wie „Gojira“ und die Arbeiten des Zeichners Osamu Tezuka langsam ihre Entwicklung vorantreiben.
Gut 50 Jahre später hat sich das „Manga“ nach seinem Siegeszug in Japan auch in Westeuropa eine veritable Fangemeinde erarbeitet. Grund genug für das MAK unter Leitung des Kurators Johannes Wieninger eine Werkschau zu präsentieren und eine Analyse des „modernen Mangas“ anzubieten.
Ein wenig zur Geschichte
Schon im 6. Jahrhundert entwickelten buddhistische Mönche Bildergeschichten auf Papierrollen. Eine der bekanntesten ersten Zeichnungen erschuf Sōjō Toba, der eine Satire auf das Verhalten der Mönche erstellte. In den folgenden Jahrhunderten wurden Tempelwände oder Holzschnitte benutzt um die Zeichnungen über das Leben nach dem Tod oder aus dem Alltagsleben anzufertigen. Auch vor erotischen Bildern gab es keine Scheu. Im 16. Jahrhundert fanden sich die ersten Skizzen mit derartigen Motiven.
Der erste wichtige Schritt in Richtung „Manga“ stellte im 18. Jahrhundert die Ausgabe der Toba-e Bücher dar. Bestehend aus einzelnen Holzschnitten, fertigten die Macher fortlaufende Geschichten mit integriertem Text an. Die ebenfalls satirischen oder schlicht humorvollen Bücher wurden bis ins 19. Jahrhundert hinein zur beliebtesten Lektüre in Japan.
Die Edo-Zeit und das Manga
An Einzelbildern interessiert war die eigene Stilrichtung Ukiyo-e, die im späten 17. Jahrhundert eine Vielzahl an Themen bearbeitete. Auch hier reichte die Bandbreite vom unbeschwerten Leben bis zu sexuellen Ausschweifungen. Einer der einflussreichsten Zeichner dieser einzelnen Ukiyo-e war Hokusai. Dessen Skizzen wurden in fünfzehn Bänden veröffentlicht und erzählten in nicht zusammen hängenden Episoden vom Leben im Japan der Edo-Zeit, die von 1603 – 1867 andauerte.
Es war in der Endphase dieser Epoche als der Begriff „Manga“ zum ersten Mal aufkam und vor allem für die Zeichnungen Hokusais verwendet wurde.
…und jetzt geht alles ganz schnell
Die lange und schwierig zu ordnende Geschichte des japanischen Comics hat sich in gebündelten Inspirationsfäden ins 19. Jahrhundert gehangelt. Womit wir beim Einfluss der amerikanischen Kultur wären. Ein dem Westen geöffnetes Japan ließ dem US-Verlagswesen genügend Raum um mit verbesserten Drucktechniken neue produktionstechnische Horizonte zu erschließen. Karikaturen und der im Entstehen befindliche comic strip boten ebenso große Inspirationsquellen für die Künstler. Erstes Ergebnis war das 1887 erstmals in Druck gegebene Satiremagazin Tôbaé.
Die Popularität der neu auftretenden Zeichnungen hielt sich bis in den Zweiten Weltkrieg, trotz der Propaganda gegen den Kriegsgegner USA. Das Ende des Krieges bescherte den „Mangas“ schließlich den Durchbruch. Aus einem schwammigen Begriff wurde ein wirtschaftliches Unternehmen mit etlichen Nebenzweigen, die diesem Geschäft die Fülle an Erträgen einbringen konnte.
Explosion der Popularität
Doch zunächst war noch die Frühphase zu überstehen und die Fünfziger Jahre boten vor allem einem Mann die Möglichkeit aus einem Hobby ein Unternehmen zu machen. Osamu Tezuka, hauptberuflich Arzt, nutzte die auf ihn einprasselnden Bilder, die er aus französischen Filmen und den Disney-Werken erhielt, und kombinierte sie mit expressionistischer Kunst. Sein bekanntestes Werk ist bis heute „Tetsuwan Atomu – Astro Boy“. Der Einfluss auf die von ihm mitbegründete Kunst brachte ihm den von Fans verliehenen Beinamen Manga no Kamisama – Gott des Manga ein.
Dem heute bildlastigen „Manga“ und seiner riesigen Industrie stehen wöchentliche Magazine von schlechter Druckqualität bei. Darüber hinaus erscheinen über mehrere Monate „Tagebücher“ von Sammlerwert und mit zusätzlichen – noch nicht veröffentlichten – Kapiteln von Fortsetzungsgeschichten. Heute haben diese Bücher einen Marktanteil von knapp 30 Prozent in der japanischen Verlagsindustrie und unterteilen sich dabei in diverse Genres, spalten sich auf Interessen auf und selbst in Mangas für Mädchen (Shōjo) und Buben (Shōnen).
Zwei Meister ausgestellt in Wien
Im Museum für Angewandte Kunst werden typische schwarz-weiß Zeichnungen der Mangas „Derby Jockey“ von Tokihiko Ishiki und „Mars“ von Fuyumi Soryo ausgestellt. Im Kunstblättersaal zeigen sich die visuelle Ästhetik dieser Populärkunst und gleichzeitig der Gegensatz zu den weniger intuitiven Erzählformen der westlichen Comics. Die Ausstellung „UAAAAA!!! MANGA“ ist seit 31. August bis 4. Dezember 2005 Gast im MAK.
Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.
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