2007-04-02 00:10:43
In der Wiener Kunsthalle „project space“ fand das Treffen des österreichischem Popmagazins „thegap“ mit der Feldkircher „poolbar“ statt – ein Nachbericht des Abends mit Interview.
Mit der hoffentlich nicht nur durch den angekündigten „Gratis-Vodka“ erschaffenen Füllung des kleinen, aber feinen Saals der Wiener Kunsthalle „project space“, die ihrem Namen alle Ehre macht, ist auch die von den 0en und 1en des beim Mischpult stehenden Laptops herausdringende Musik auf dem Weg des Guten. Auf eine Leinwand werden Bilder von der poolbar bzw. von älteren Konzerten projiziert, die bei meiner Kollegin Mirjam zurecht Nostalgie auslösen.
An den Turntables, die später noch die Bretter der Welt bedeuten sollen, bereitet sich Zita Bereuter (FM4) auf diesen Abend vor. Nach erstem Beschnuppern der Vorarlberger mit den Wienern legt Thomas Weber, der Chefredakteur von „thegap“, einen guten Grund für eine Reise ins 731km entfernte Feldkirch vor: „So weit ist es gar nicht!“. Nach der Einleitungsrede bzw. Begrüßung werden die zwei Pressesprecher der poolbar, Heike Kaufmann und Herwig Bauer, ans Mikrofon gebeten und erklären den Unwissenden im Publikum, unter die sich der Schreiber dieser Zeilen (Schande über ihn!) auch einreihen lassen muss, was die poolbar ist bzw. was sie soll und vor allem kann. Spätestens jetzt erfährt der poolbar-Interessent, dass er auch sein zwischen den Ohren befindliches Gehirn einschalten muss, denn es wird ein Pop-Quiz, moderiert von Philipp Sonderegger, verkündet. Danach ermutigt die in Dornbirn lebende Sängerin „Zeebee“ (siehe http://fm4.orf.at/soundpark/z/zeebee/main) das nur einzeln zum tänzerischen Ausdruck kommende Publikum zu rhythmischen Einlagen in Form von Kopf- und Fuß-, also Körperbewegungen.
Im Folgenden ein Interview mit den poolbar-Pressesprechern bzw. dem poolbar-Management Herwig Bauer und Heike Kaufmann:
FM5: Von unserer Leserschaft, mitunter ich, waren bestimmt noch einige nie in der poolbar, bei einem poolbar-Festival. Könnt ihr mit eigenen Worten die poolbar als Ort definieren?
Heike Kaufmann: Ja, also die poolbar ist ein Festival, das sechs Wochen dauert und in einem alten Hallenbad, das von dem Gebäude abgekoppelt ist (d. h. das Gebäude ist nicht gleich die poolbar). Die poolbar ist eine Mischung aus Festival und Club. Festival darum, weil es eben nur einmal im Jahr temporär stattfindet und Club, weil sie sich von großen Open-Airs ziemlich vom Programm und vom gesamten Erscheinungsbild abhebt. Außerdem herrscht eine „Club-Atmosphäre“.
Herwig Bauer: Vom Inhalt her bieten wir ein Veranstaltungs-, also Abendprogramm mit sehr vielen Konzerten, aber auch DJ-Abenden oder Theater, Kino, Performances und Interventionen. Und insgesamt geht's bei dem ganzen Festival auch darum, einen gewissen „poolbar-Stil“ zu kultivieren, d. h. wir legen sehr viel Wert auf grafische Arbeiten, auch auf Architektur, wo jedes Jahr ein neues Architekten-Team für die Gestaltung der Einrichtung beauftragt wird. Es geht auch um schönes, inhaltsvolles Auftreten.
HK: Ein Gesamtkunstwerk also, sagen wir so!
FM5: Stichwort Feldkirch: Die Stadt hat 30.000 Einwohner, nicht also gerade der Nabel der Welt. Vorarlberg ist ja vom Politischen eher „konservativ“. Neben der poolbar sei außerdem noch das „Conrad Sohm“ oder der "Spielboden" in Dornbirn zu erwähnen. Aber wie funktioniert das in Feldkirch? Ist die Antithese „moderne Kultur (poolbar) - konservative Stadtkultur“ schwer umzusetzen bzw. funktioniert das überhaupt?
HB: Man darf sich halt nicht erwarten, dass man mit Menschen spricht, die dasselbe erwarten, aber die Zusammenarbeit funktioniert. Natürlich wäre es oft schön, wenn man irgendwie fachsimpeln könnte oder wenn man wüsste: „OK, was wir machen, wird 1:1 verstanden!“ Das wäre natürlich ein Hit, das zu erwarten, aber im Großen und Ganzen kann man sagen, dass sich das gut eingespielt hat.
FM5: Was unterscheidet die poolbar von anderen Vorarlberger Locations wie zum Beispiel das zuvor erwähnte „Conrad Sohm“? Hat sie irgendetwas Einzigartiges?
HK: Von der Atmosphäre her ist es natürlich einzigartig. Und es findet halt auch nur einmal im Jahr statt; das ist der „Bonus“, den die poolbar hat und wir legen sehr viel Wert auf Details: Eben Grafik, Merchandising, es ist quasi in jedem Bereich eine ziemliche Detailverliebtheit da und das unterscheidet die poolbar von anderen Locations. Weil wir eben auch ein abwechslungsreiches Programm haben! Das ist aber auch nur möglich, weil es eben so konzentriert in dem kurzen Zeitraum stattfindet.
FM5: Ist Vorarlberg ein hartes Pflaster für Kultur?
HB: Ich glaube, es wird überall ein hartes Pflaster sein, also egal, wo man etwas probiert. Da wird es immer finanzielle Schwierigkeiten geben und teilweise wahrscheinlich auch strukturelle Widerstände, aber ich glaube nicht, dass wir es besonders schwer haben.
FM5: Zur Finanzierung: Wird die poolbar mit bzw. durch Subventionen finanziert oder zahlt jeder einen Mitgliedsbeitrag?
HB: Nein, einen Mitgliedsbeitrag in dem Sinn gibt es überhaupt nicht, also die Finanzierung schaut so aus: 30% Sponsoring, 30% Gastronomie, 25% Sponsoren und 15% Subventionen.
FM5: Hat sich die poolbar vom Geschichtlichen her verändert oder ist sie sich von Anfang an „treu“ geblieben?
HB: Sie hat sich gewaltig verändert, weil sie ursprünglich rein als Sommerakademie konzipiert war. Und insofern war der idealistische Ansatz am Anfang einfach eher der, dass man sagt: „Wir wollen Menschen ansprechen, die gerne etwas gestalten.“ Das Ganze hat sich von der Tages- in Richtung Abendgestaltung entwickelt, in die aber genau Sachen, die ursprünglich immer schon Thema waren, integriert worden sind. Die Absicht ist dem, was vor 12 Jahren war, nicht unähnlich.
FM5: Was kann sich ein Kultur- bzw. Musikfan in diesem Sommer vom 12. poolbar-Festival erwarten?
HK: Es erwartet einem natürlich ein umfangreiches Musikprogramm. Film, speziell Kurzfilme heuer, Theater, Kabarett, Performances, dann wieder eine neu gestaltete Architektur und eine neue Grafiklinie. Und diverse Überraschungen vor Ort! Die Headliner: Cake, Calexico, Blackmail, 13&gods, Such A Surge, Trio Exklusiv und natürlich ein Haufen lokaler, heimischer Bands. Ach ja, Slut und ein Überraschungsact, den wir allerdings erst später bekannt geben werden!
FM5: Wenn IHR nichts mehr zu sagen habt, dann bedanke ICH mich für das Gespräch!
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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