2009-02-12 21:22:40
Familie, soziale Gerechtigkeit, Bildung etc. sind die neuen politischen Schlachtrufe. Aufklärung und Nachhilfe über diese und andere Begriffe bietet das Buch Schlüsselbegriffe der Demokratie.
Politische Partizipation und grundlegendes politisches Verständnis setzt die Kenntnis politischer Begrifflichkeiten voraus. Gleichzeitig werden Begriffe wie soziale Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit, Sicherheit oder Terrorismus in der Tagespolitik und den verschiedenen Parteiprogrammen derartig inflationär missbraucht, sodass sie nicht nur verwässert werden, sondern auch zunehmend zu alltäglichen Phrasen ohne tieferen Sinn oder Bedeutung verkommen.
politische Bildung
Nachhilfe in politischer Bildung findet der verzweifelte, aber politisch interessierte Mensch in dem Werk Schlüsselbegriffe der Demokratie. 16 Autoren und Autorinnen aus unterschiedlichen Bereichen bereiten mundgerecht und Stück für Stück wichtige politische Begrifflichkeiten auf: Johannes Domsich, Kommunikationswissenschaftler, beispielsweise diskutiert den Begriff der Ästhetik in seinen unterschiedlichen Facetten. So schlägt er über die herrschende "Pluralität der Lebensentwürfe" und das damit verbundene menschliche Streben nach Individualität eine Brücke hin zur Metaphorik der Ästhetik. Diese, so der Autor, wird zunehmend von den Medien instrumentalisiert und mündet schließlich in einer "Ästhetik der Medien", der einer "Fiktion der totalen Übersicht" folgt.
Ulrich Zellenberg, Jurist und stellvertretender Leiter der Abteilung Recht und Organe der WKO, widmet sich der dem Begriff "Freiheit". In einem Streifzug durch unterschiedliche theoretische Ansätze zeichnet der Autor den Begriff nach, wobei er unter anderem den Wohlfahrtsstaat kritisch als "griechische Hydra" bezeichnet.
Eigentum und Sozialismus
Till Kinzell, Professur für Anglistik an der TU Braunschweig, skizziert anhand von unterschiedlichen Theorien den Begriff des "Eigentums". Dabei bietet der Autor nicht nur einen Überblick über die Philosophen und Theoretiker, welche das 21. Jahrhundert prägen, sondern führt auch aus, warum der Sozialismus nicht funktionieren kann. Dabei geht Kinzell jedoch von der Annahme aus, dass das Eigentum nur für individuelle Zwecke eingesetzt wird - was je nach grundlegender Theorie und Ideologie Stoff für Diskurs liefern kann.
Weiters werden die Begriffe Gerechtigkeit, Säkularität, Nachhaltigkeit, Soziallehre, Mittelstand, Sicherheit, Terrorismus, Bildung, Verantwortung, Unternehmertum, Familie, Partizipation und Gleichheit diskutiert.
Obwohl in vielen Beiträgen ein christlich-konservativer Unterton nicht zu überlesen ist, bietet das Buch Schlüsselbegriffe der Demokratie eine gute und fundierte Einstiegslektüre in die theoretischen Grundlagen der Politik. In Hinblick auf die herrschende Politikverdrossenheit, Gleichgültigkeit oder Unverständnis hat es in jedem Fall Potential, Aufklärarbeit und vor allem eine gewisse Sensibilisierung zu erreichen. Wie in vielen anderen (ähnlichen) Lektüren liegt das Hauptproblem dieses Werkes darin, dass es genau dort, wo es spannend wird, aufhört. Dieser Umstand jedoch ist weder den Herausgebern, noch den einzelnen Autoren und Autorinnen vorzuwerfen, sondern liegt in der Natur von Sammelwerken. In ruhigen Stunden sollten sich jedoch nicht nur Wähler und Wählerinnen diese Lektüre zu Gemüte führen; sondern auch einige politischer VerterterInnen, damit auch sie an gewisse Grundwerte erinnert werden.
Schlüsselbegriffe der Demokratie
Hergs. v. Christian Sebastian Moser, Peter Danich, Dietmar Halper
2008, Böhlau Verlag
ISBN 978-3-205-78198-1
312 Seiten/ € 29,90