2010-11-03 14:34:31
Von der FPÖ bis zu den Sozialdemokraten: Warum sich jeder auf das beschränken sollte, was er kann. Ein Kommentar
Österreichs Politiker entdeckten in den letzten Jahren eine
ganz neue Seite an sich: Immer häufiger mutieren sie in
Wahlkampfzeiten zu Musikern.
Heinz-Christian Strache
Bekanntestes Beispiel hierfür ist Heinz-Christian
Strache. Seine Darbietungen haben mittlerweile schon eine Art Kultcharakter. Auch zur diesjährigen Wienwahl hat er es sich nicht nehmen lassen,
seine politischen Botschaften als Rap zum Besten zu geben.Inhaltlich ließe
sich dies durchaus kontrovers diskutieren, musikalisch ist jedoch nur ein
Standpunkt möglich: letztklassig.
Dabei ist es nicht einmal das Schlimmste, dass vom Rocky-Titelsong "Eye of the Tiger" über Carl Orffs "Carmina Burana" bis hin zur Walzerfolge "Wiener Blut" von Johann Strauß (Sohn)
beliebte Melodien mit einem einfallslosen Beat verknüpft wurden. Entscheidend
ist wie: Synthesizerklänge ersetzen ein ganzes Orchester, ein Männerchor
grölt im Stile Betrunkener und FPÖ-Chef Strache versucht verzweifelt, den
Rhythmus seiner Worte mit der Musik in Einklang zu bringen. Aufnahme und
Produktion - beide wirken billig und amateurhaft.
Gerald Grosz
Dass es aber durchaus noch schlimmer geht, beweist das
BZÖ-Steiermark. Das einzig positive an deren Wahlkampflied ist die Tatsache,
dass Spitzenkandidat Gerald Grosz erst gar nicht versucht, Musik zu machen. Seine
politischen Thesen werden einfach in gesprochener Form über den aktuellen
Discohit "Nein Mann!" des deutschen House-Duos Laserkraft 3D gelegt –
grammatische Fehler inbegriffen. Jetzt noch den Refrain neu texten, das Ganze
mit Harmonikaklängen und Jodlern anreichern, um den fehlenden Bezug zur
Steiermark herzustellen und fertig ist der Song.
Franz Voves
Eine andere Strategie verfolgt der Landeshauptmann der
Steiermark, Franz Voves von der SPÖ. Anstatt seine politische Botschaft zu vertonen,
versucht er sich lieber an Werken, die bereits erfolgreich waren. Je nach Anlass steht dann entweder steirisches Volksgut oder John
Lennons "Imagine" auf dem Programm. Musikalisch überzeugend ist das zwar auch
nicht, aber immerhin volksnah. Ob es allerdings staatsmännisch wirkt, wenn der
Landesvater bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Gitarre greift und zu
singen beginnt, sei dahingestellt.
Plädoyer für mehr Profis
Man kann den heimischen Politikern daher nur eines empfehlen: Das Feld der Musik wieder den professionellen Musikern zu überlassen. Dies führt zwar auch nicht immer zum
gewünschten Erfolg, schont aber zumeist die Ohren des Wahlvolkes. Denn mit dem
Saxofon spielenden Bill Clinton oder der Pianistin Condoleezza Rice können es
Strache und Co. einfach nicht aufnehmen – weder musikalisch noch politisch.
Nobody knows the trouble I've seen.
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