2011-07-08 00:20:08
Totgesagte leben länger. So auch das gute, alte Polaroid. Die Galerie Westlicht präsentiert einen Querschnitt durch die Geschichte des Sofortbilds, bis hin zu den neuen Filmen des Impossible Project.
Man hat es nicht leicht, als kleines Polaroid in einer Fotowelt,
die von Digitalkameras, Bildbearbeitung und Handyfotos dominiert wird. Und selbst die Freunde der analogen Abzüge greifen eher zur klassischen Kamera.
Das Sofortbild ist aber zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Das sieht auch das
Westlicht so und zeigt uns, wie vielseitig das gute alte – und neue – Polaroid sein kann.
Von Polaroid zu Impossible
1948 erblickt die erste Polaroidkamera das Licht der Welt. Völlig innovativ,
etwas noch nie Dagewesenes:
man drückt den Auslöser und wenige Augenblicke später hält man bereits das
fertig entwickelte Endergebnis in den Händen. Ganz ohne Fotolabor und langes
Warten.
Ein Prinzip, das besser kaum sein könnte. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als
die Digitalkamera auf den Markt kommt. Fotos auf dem Display der eigenen Kamera
sofort betrachten, bei Bedarf löschen, erneut knipsen, bearbeiten - das
eröffnet wiederum eine ganz neue Art des Fotografierens. Das sieht auch die Polaroid Corporation so und stellt 2008 die Herstellung ihrer Produkte ein
- zu Gunsten der Digitalfotografie. Florian Kaps und André Bosman beschließen jedoch das Sofortbild wieder aufleben
zu lassen und gründen The Impossible Project, welches 2010 seinen
ersten Film auf den Markt bringt. Bis jetzt sind Filme dieser Firma die einzig
erhältlichen für Polaroidkameras.
Das Fotomuseum Westlicht widmet sich nun diesem Thema mit der
Ausstellung Polaroid [Im]Possible – The Westlicht Collection. Im Rahmen der Auflösung des Polaroid Unternehmens und der damit
einhergehenden Insolvenz sollte 2009 der komplette Bestand der Polaroid
Collection versteigert werden. Dies kann in letzter Minute verhindert
werden; der komplette europäische Teil der Sammlung geht in den Besitz des Westlichts über.
Klein, groß, schwarz/weiß, bunt.
Ausgestellt ist hier nun ein Querschnitt durch die Geschichte der kleinen
quadratischen Bildchen. Aber nicht nur das übliche Format, wie wir es alle kennen, wird gezeigt, sondern
auch weitaus Größere Versionen bis hin zu 50x60cm. Angefangen bei den alten, klassischen Filmen und ihrer Verwendung von Künstlern
wie Andy Warhol oder Helmut Newton zeigt die Sammlung auch bereits neue Werke,
entstanden unter der Verwendung von Impossible Filmen.
So bewegt man sich im Ausstellungsraum zwischen unterschiedlichen Künstlern,
Filmen und Kameramodellen (teilweise ebenfalls ausgestellt) und bekommt vor
Augen geführt, wie vielseitig das Sofortbild sein kann. Ob in Farbe oder
Schwarz-weiß, ob übermalt oder zerkratzt, ob Standard- oder Großformat – die
Möglichkeiten sind genauso endlos wie bei jeder anderen Form der Fotografie
auch.
Das Westlicht hat somit einen großen Schritt getan um die Welt der
Sofortbilder in seiner ganzen Vielfalt zu präsentieren. Eine Fotoausstellung
der anderen Art, die sehr zu empfehlen ist. Bleibt nur mehr zu hoffen, dass das Polaroid nicht wieder in
Vergessenheit gerät und im besten Falle sogar wieder zu seiner früheren Popularität
zurückkehrt. Denn ein Foto wenige Minuten nach dem Knipsen bereits selbst in Händen zu
halten, ist immer noch ein ganz anderes Gefühl, als unzählige digitale Bilder,
die wir alle schon zur Genüge besitzen.
Und für all diejenigen, die sich nach dem Besuch der Ausstellung voller
Inspiration und Tatendrang selbst als Sofortbildkünstler versuchen wollen:
direkt neben dem Museum gibt es für die Dauer der Ausstellung den dazu
passenden Shop - The Impossible Project Space – für Polaroidfilme,
Kameras und einiges mehr. (Bericht folgt.)
Polaroid - The [Im]Possible Project
The Westlicht Collection
17.06.2011 - 21.08.2011
Westlicht, Westbahnstraße 40, 1070 Wien
Ja, ich finde dieses Foto repräsentiert mich sehr gut.
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