2009-08-25 14:40:58
Ein Haus, das durch tausende mit Helium gefüllte Luftballons in ungeahnte Höhen steigt, ein grantiger Pensionist, ein Möchtegern-Pfadfinder und der Traum vom großen Abenteuer. All das ist Oben, der neue Film aus der Pixar-Schmiede.
Nach oben soll es gehen. Nicht nur für den 78-jährigen Protagonisten
Carl Fredericksen, der sich nach dem Tod seiner Frau aufmacht, den vormals gemeinsamen
Lebenstraum von einer Reise ins Amazonasgebiet zu verwirklichen, sondern auch
für die Macher des Films, die nichts weniger als ihren Status im Bereich des
animierten Kinoereignisses gegen die mittlerweile etablierte Konkurrenz von
Blue Sky (Ice Age) und DreamWorks (Shrek) zu verteidigen haben. Kein Wunder
also, dass an technischer Raffinesse nicht gespart wurde. Neben überzeugendem
Detailreichtum wartet der Film beispielsweise erstmals mit dem vollständigen
Alterungsprozess einer animierten Person auf – auf Wunsch sogar in 3-D.
Inhalt vs. Aufmachung
Letztlich entscheidet aber auch bei animierten Filmen nicht
nur die Aufmachung über Erfolg oder Misserfolg; nicht die Effekte sondern der
Inhalt ist das entscheidende Element. Dies scheinen Regisseur Pete Docter und
sein Team in ihrem Spieltrieb allerdings vergessen zu haben. Zwar wird der Film
großspurig als witzigstes Abenteuer aller Zeiten angekündigt, doch zu sehen ist
davon wenig. Die Figuren bleiben schablonenhaft und lassen sich mühelos in die
Schemata von Gut und Böse einordnen. Lediglich der Hauptfigur des Carl
Fredericksen wird eine Entwicklung vom grantigen, verbitterten Pensionisten zum
liebenswerten Ersatzgroßvater zugestanden. Auch die Geschichte selbst bleibt im
Vergleich zu den Bildern erstaunlich farblos. Zwischen moralisierenden
Tendenzen und fantastischem Unfug verliert die Handlung schon bald ihren roten
Faden und wird so zur reinen Unterhaltungsrevue.
Kindlich ist nicht
kindisch
Nun darf natürlich nicht außer Acht gelassen werden, dass es
sich bei Oben um einen Film für
Kinder handelt. Gerade die scharfe Trennung von Gut und Böse findet sich auch
in zahllosen anderen animierten Filmen dieser Art wieder und auch das
Fantastische gepaart mit einer immanenten Moral ist nichts Ungewöhnliches für dieses
Genre. Trotzdem war selten eine Geschichte so charakterarm und vorhersehbar wie
die von Oben. Selbst jüngeren
Zuschauern dürfte ob der Figurenzeichnung und der daraus resultierenden
determinierten Handlung schnell langweilig werden; von Erwachsenen ganz zu
schweigen.
Das Spiel mit den
Ebenen
Was dem neuen Pixar-Werk abgeht, ist ein Gewürz, das die
bisherigen animierten Blockbuster ausgezeichnet hat: die versteckten Ebenen.
Durch sie wurden Kinderfilme plötzlich auch für Erwachsene interessant und
sorgten erst so für den immensen Erfolg an der Kinokassa. Was Oben fehlt sind vor allem die Reminiszenzen
und Anspielungen auf andere Filme oder gesellschaftliche Ereignisse, die dem
kundigen Zuschauer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern können. Auch die
Möglichkeiten des Fantastischen wurden zu wenig genutzt und bleiben reine
Effekthascherei anstatt befreiend auf die Handlung zu wirken.
Schuld ist nur die
Wissenschaft
Ein Lichtblick in diesem eher glanzlosen Spiel stellt lediglich
die Figur des Charles F. Munk dar. In ihr ist die Problematik des
wissenschaftlichen Fortschritts, der daraus resultierenden
Wissenschaftsgläubigkeit, aber auch die Geltungssucht mit dem folgenden Verlust
der Menschlichkeit vereint; allesamt Entwicklungen, die unsere heutige Zeit
charakterisieren. Bei genauerer Betrachtung können also auch in diesem
schwächeren Film Ansätze für geistreiche Momente gefunden werden, welche gesellschaftliche
Tendenzen aufzeigen, die über den Horizont eines 8-jährigen hinausreichen. Leider
sind sie rar gesät. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens die eigens für
Österreich synchronisierte Fassung mit der Stimme von Otto Schenk in der
Hauptrolle für zusätzliche Unterhaltung sorgen wird.
KINOSTART: 17. September 2009
Nobody knows the trouble I've seen.
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