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musik

Pearl Jam - weiche Schale, harter Kern

2007-04-02 00:12:10

Was soll man über eine Band noch viele Worte verlieren, die mit weltweit rund 60 Millionen verkaufter Alben zu den erfolgreichsten Acts der vergangenen 15 Jahre zählt? Nun, lest selbst...

Prinzipiell muss man vor dieser Band gleich mal den Hut ziehen, wenn sie für so lange Zeit erfolgreich ist und noch lange nicht nach alten Schnarchnasen klingt. Seit ihrem 1992 erschienenen Debüt „Ten“, das mit Hits wie „Alive“, „Once“ oder „Jeremy“ einschlug wie eine Bombe, existieren Pearl Jam - abgesehen vom öfters ausgewechselten Drummer und einem neu dazu gestoßenen Keyboarder - in Originalbesetzung. Seitdem haben Pearl Jam weltweit rund 60 Millionen Alben verkauft und gehören damit zu den erfolgreichsten Acts der vergangenen 15 Jahre.
 
Anfang der 90er Jahre zählten Pearl Jam neben Nirvana zu den Grunge-Pionieren, und Sänger Eddie Vedder (vormals Tankwart) avancierte neben Kurt Cobain zum angehimmelten „Rockmessias“. Im Gegensatz zu Nirvana gaben sich Pearl Jam aber bodenständiger und weniger mysteriös, sie standen für die Rückkehr des schnörkellosen, kraftvollen Rock, der auch vor ausgedehnten Gitarrensoli nicht halt machte.
 
v.l.: Stone Gossard, Jeff Ament, Eddie Vedder, Matt Cameron, Mike McCready
Foto: (c) Danny Clinch (www.pearljam.com)
 
Und im Prinzip hat sich der Pearl Jam-Sound im Laufe der Jahre nicht dramatisch verändert. Auch 2006 haben die fünf Musiker nichts von ihrer Power verloren. Die erste Handvoll Songs auf Album Nummer 8 – schlicht „Pearl Jam“ betitelt – rockt straight und trocken dahin. Die treibenden Schlagzeugrhythmen vom genialen Ex-Soundgarden-Drummer Matt Cameron fahren direkt ins Rock´n Roll-Tanzbein, im jeweils linken und rechten Stereokanal bolzen die Gitarren von Stone Gossard und Mike McCready und mitten drin singschreit sich sich Vedder die Kehle rau. Durch das perfekte Zusammenspiel der technisch ausgereiften Instrumentalisten klingen die Nummern zum einen fast wie live eingespielt, zum anderen aber auch ein wenig routiniert und vorhersehbar.
 
Erst in der zweiten Albumhälfte kommt ein wenig Abwechslung, Wärme und auch Temporeduzierung ins Spiel. „Parachutes“ etwa, einer der wenigen Akustiksongs auf „Pearl Jam“, versprüht wundervollen Beatles-Charme, während bei „Unemployable“ Neil Young (mit dem die Band schon mal ein Album aufgenommen hat) um´s Eck schaut – durchaus positiv gemeint. „Gone“ wiederum ist ein sehr melancholischer Song, in dem Vedder davon singt, alles hinter sich zu lassen, und mit „Come Back“ taucht unerwartet noch ein waschechter „Lamourhatscher“ auf.
 
“No more upset mornings No more trying evenings
It's the American Dream I am disbelieving
The lights of the city, they only look good when I’m speeding
I wanna leave em all behind me because this time I’m gone”
(Gone)
 
„Pearl Jam“ ist kein freundliches, sonniges Album, wie schon Songtitel wie „Life Wasted“ oder „World Wide Suicide“ und die möglicherweise symbolisch zu deutende Avocadohälfte (Stichwort weiche Schale/harter Kern) am CD-Cover verraten. Vedder´s Texte sind sehr düster und USA-kritisch ausgefallen, handeln von Verlust, Abschied und den Greuel des Krieges. Damit ist „Pearl Jam“ kein Album, das auf Anhieb gefällt, gibt man den Nummern aber etwas Zeit zum Gedeihen, erhält man ein feines Song-Sammelsurium, das Headbanging-Sound und Tiefgründigkeit in sich vereint.
 
Livetipp: Wer Pearl Jam noch nie live gesehen hat, sollte dieses Versäumnis unbedingt nachholen. Gelegenheit dazu gibt´s am 25. 9.2006 in der Wiener Stadthalle. Der Ticketverkauf hat bereits begonnen!



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