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Patrick Wolf im Interview

2007-05-06 15:49:59

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"Diese Geige! Dieser Arsch! Ich bin verliebt."
[Ausspruch eines Fans - aufgeschnappt während des Patrick Wolf Konzerts am Donaufestival in Krems.]

Patrick Wolf, der junge Ausnahme-Musiker aus England hat uns am 27. April am Donaufestival in Krems mit einem fulminanten Live-Auftritt beehrt. FM5 hat diese Chance genutzt und ihn noch vor dem Konzert für euch interviewt.

 Patrick Wolf

FM5: Meine Freunde fragen mich immer, wie man Patrick Wolfs Musik beschreiben kann, aber mir fällt nie eine befriedigende Antwort ein, geschweige denn eine Genre-Bezeichnung für deine Musik. In welchem Genre fühlst du dich am ehesten zu hause?

Patrick Wolf: Ich bin so verwirrt von all den Bezeichnungen für Musik, die über die Jahre gekommen und wieder verschwunden sind. Ich denke es ist Zeit, dass wir aufhören in diesen Schubladen zu denken. Viele Musiker haben hart gearbeitet um sich von Genres und Stereotypen zu befreien. Musik sollte einfach Musik sein und Kunst einfach nur Kunst, ohne Vorurteile.

Von welcher Musik wirst du selbst beeinflusst? Was hörst du privat?

Ich denke am meisten beeinflusst werde ich von großer Pop-Musik. In meinem Blut fließt aber sehr viel klassische Musik, weil ich früher in einem Orchester Geige gespielt habe. Ich habe also jeden Tag stundenlang diese Art der Musik geprobt und gespielt, Komponisten wie Vivaldi und sehr klassische Musik wie Händel und Mozart.

Später hatte ich dann eine Vorliebe für Techno und habe mich mit der Musik von Künstlern wie Aphex Twin und meinem größten Helden Alec Empire auseinandergesetzt. Ich habe viel Industrial gehört, aber auch Punk, oder bin in Strip Clubs gegangen, um die Musik dort zu hören.

Und irgendwann habe ich dann realisiert, dass ich all diese Dinge mag. Darum habe ich mich entschlossen ein Pop-Musiker zu sein, weil Pop einfach ein Musikstil ist, der alles beinhaltet. Zur Zeit höre ich also gerne Madonna, Britney Spears, Björk, Elvis Presley oder Prince. Ich glaube um Patrick Wolf zu sein brauche ich diese Leute um mich herum. Die inspirieren mich, weißt du.

Wer ist verantwortlich für dein Artwork? Hast du viel Einfluss auf all das?

Ja, ich bin der Entscheidungsträger all dieser Dinge. Manchmal habe ich das Artwork sogar ganz alleine gemacht. Die Zusammenarbeit mit meinen Fotografen ist immer eine sehr nahe Beziehung, es ist fast wie Liebe machen oder sowas, also einfach ein sehr intimer Prozess. Ich sage dem Fotografen, wie ich mich gefühlt habe, als ich den Song geschrieben habe und was er für mich bedeutet. Ich erzähle meinen Fotografen immer mehr, als den Journalisten oder meinen Freunden. Damit sie wirklich meine Musik verstehen und damit sie diese in Bilder verwandeln können.

Dasselbe mache ich auch mit meinen Designern, das heißt sie lernen mich ebenfalls sehr gut kennen. Das ist also jedesmal ein sehr, sehr persönliches Projekt.

Ist es wichtig für dich deine Musik live darzubieten, oder ist es dir wichtiger Alben herauszubringen?

Weißt du, als ich jünger war, konnte ich es mir gar nicht leisten auf Konzerte zu gehen, weil meine Eltern mich nicht aus dem Haus gelassen hätten. Alles was ich hatte, war also der Gedanke, dass wenn ich zu Bett gehe, ein Album auf mich wartet, das ich mir anhören kann. Man behandelt so ein Album dann so behutsam, wie die meisten Christen wohl eine Bibel behandeln würden. Man liest das ganze Artwork und man hängt sich Poster ins Zimmer und so. Ein Album ist etwas, das man ein Jahr seines Lebens oder sogar länger mit sich mitträgt. Und ich wäre unglaublich glücklich, so etwas zu schaffen, das die Menschen inspiriert, das ihre Leben hilfreich beeinflusst.

Live-Shows hingegen können eine Menge Spaß bedeuten und es ist eher ein Fest, ein sehr spontaner Moment. Das kann sehr aufregend sein. Aber ehrlich gesagt kenne ich keinen Musiker, der nach so einem Auftritt vor zwei oder dreitausend Leuten glücklich ist. Entweder sie gehen heim und weinen, oder sie betrinken sich wirklich stark. Also denke ich, dass es gesünder ist Alben zu machen. (lacht)

Patrick Wolf 

Dein neues Album The Magic Position wurde angeblich teilweise in Wien aufgenommen. Stimmt das und wenn ja, warum gerade in Wien?

Ich habe einmal nach einem Auftritt einen freien Tag in Wien verbracht und ich war absolut fasziniert von den jungen Männern, die überall auf den Straßen herumstehen, wie Mozart verkleidet sind und Flyer oder ähnliches verteilen. Wenn man Lust hat, ein Elvis Album aufzunehmen, würde man wahrscheinlich nach Las Vegas fahren, aber da ich ein sehr klassisches Pop-Album machen wollte, bin ich in die Stadt Mozarts gekommen. Und ja, es war wirklich eine gute Inspiration.

Zuerst habe ich gedacht, ich könnte nach Wien kommen und mich hier nach Lust und Laune auf der Straße prügeln (lacht), doch als ich ankam war Winter, Weihnachtszeit und es war, als wäre ich in einer Hans Christian Andersen Geschichte, einfach wunderschön. Es hat überall geschneit und manchmal konnte ich mich kaum bewegen, weil mir so kalt war. In Wien konnte ich dann wirklich mal zur Ruhe kommen, nach einem Jahr auf Tour und mich ganz und gar auf das Album konzentrieren.

Wenn es dich nicht stört, würde ich dir gerne eine kleine Gossip-Frage stellen. Ich habe im Internet ein Foto gefunden auf dem du Kelly Osbourne küsst. Daher wollte ich wissen, ob ihr euch gut kennt? Seid ihr befreundet?

Ja, wir sind sehr gute Freunde. Ich kenne sie jetzt schon ein einhalb Jahre und sie ist einfach ein besonderer Mensch. Es wäre egal, ob sie nun Kelly Osbourne oder Sharon, die im Würstlstand arbeitet, ist. Weißt du, manchmal trifft man Menschen und du spürst sofort, dass sie genauso sind wie du. Sie sprechen deine Sprache. Ich glaube, so etwas passiert mir einmal alle zwei Jahre und bei Kelly war das eben so ein Moment. Leider bekomme ich sie nur selten zu sehen, da wir beide reisende Menschen sind. Aber ja, sie ist eine richtig gute Freundin.

Es gibt Gerüchte, dass du mit dem Musik machen aufhören magst. Ist da was Wahres dran?

Nein, ich habe nur gesagt, dass ich im November mein letztes Konzert spielen werde. Und das nur deshalb, weil ich seit 6 Jahren, seit ich meine erste EP veröffentlicht habe, jeden Tag nach einer Show schon wieder über den nächsten Auftritt nachdenken musste. Das war viel Arbeit und hat viel Emotion, Aufwand und Schweiß gefordert. Es ist echt viel Verrücktes passiert in diesen Jahren auf Tour, sodass ich gerne einfach ein Jahr Auszeit nehmen würde, oder wie lang auch immer es mir gefällt.

Ich wäre gerne wieder eine einfache Hausfrau. Ich habe vergessen wie es ist, für mich selbst zu kochen, oder wie es sich anfühlt ,eine stinknormale Rechnung zu bezahlen. Ich war 16 Jahre alt, als ich von zu Hause ausgezogen bin und man vergisst solche Sachen einfach, wenn man jahrelang in einem Fahrzeug lebt. Ich will einfach wieder eine zeitlang Mensch sein. Aber gleichzeitig werde ich zwei neue Alben aufnehmen und mein Wunsch ist es, ein Doppelalbum zu veröffentlichen. Ob ich es dann auch live darbieten werde, ist wieder eine andere Geschichte… Wahrscheinlich werde ich es tun, aber jetzt im Moment muss ich erst mal ehrlich zu allen sein und sagen: „Patrick braucht Urlaub.“ (lacht)

Vielen Dank für das Interview. 

Fotos: Markus Osanger

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Christian Pausch

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