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Patrice im Interview - Das Frequency lebt weiter

2007-04-02 00:10:08

Patrice im Gespräch über Gras in der Reggaeszene, seine Musik, seine Lieblingsliteratur und vieles mehr. Ort des Geschehens: Frequency Festival, Salzburg.

Wie würdest du deine Musik charakterisieren. Wo siehst du dich selber in der Musikbranche, welche Sparte von Musik passt zu dir?

Am liebsten gar nicht, weil ich selbst nicht wüsste, wo man sie einordnen könnte.

Man könnte mich verschiedenen Kategorien zuordnen, zum Beispiel dem Reggae, auch wenn es teilweise gar nicht soviel Reggae-Inhalt gibt, und vielleicht Soul. Ich weiß es selbst nicht, es gibt eigentlich keine Sparte, die hundertprozentig passt

Bei dir sind die Texte sehr zentral und wichtig, zum Teil auch sozialkritisch. Mich würde interessieren: Singst du nur davon oder engagierst du dich auch aktiv in irgendwelchen Organisationen?

Also es gibt verschiedene Organisationen, wir haben auch unsere eigene Charity für Sierra Leone. Ein Freund von mir hat Instrumente für Leute erfunden, die eine Gliedmaße im Krieg verloren haben. Man will diese Leute wieder resozialisieren, sie in die Gesellschaft neu eingliedern und ihnen eine Aufgabe geben. Ich unterstütze meinen Freund, meine eigene Charity baue ich noch auf, indem ich viel Geld zur Seite lege. Ansonsten mache ich halt viele Benefizkonzerte, ich habe relativ viel gespielt ohne Geld dafür zu nehmen, also ich persönlich, meine Musiker wurden wahrscheinlich bezahlt.

Eine ganz andere Frage, welches Buch hast du als letztes gelesen???

"The prophet" ist mein Lieblingsbuch. Ich finde auch Hesse und "Siddharta" sehr gut, als Letztes hab ich von Henry Miller "Von der Unmoral der Moral" gelesen.

Deine Homepage gibt’s ja generell nur auf französisch, warum ist das so?

Das ist keine wirklich offizielle Homepage, war es zumindest am Anfang nicht, es ist eine Fanpage von einem französischen Fan, deshalb auch in Französisch. Dann war sie aber so gut, dass wir beschlossen haben, sie zur offiziellen Homepage zu machen. Unsere eigene ist gerade in Arbeit

Dein letztes Album ist ja schon etwas länger her, wann gibt es etwas Neues von dir und was darf man da erwarten?

Ich arbeite gerade an meinem neuen Album, es soll im Frühjahr 2005 rauskommen und wird Nile heißen, das ist auch das Konzept des Albums, also der Fluss Nil als Lebensbringer, der durch die Wüste fließt und der Wüste Leben einflößt. Und das Nildelta ist auch Ursprung der menschlichen Zivilisation. Die Platte soll von der Stimmung her unterwassermäßig klingen, falls euch das was sagt.

Die letzte Platte hast du in Jamaika aufgenommen, wo wird dein neues Album aufgenommen?

Wir nehmen gerade in meinem Studio auf, es hat den Namen the nile delta und ist in der Nähe von Köln, ein komplett analoges Studio, da wir bis auf ein paar Ausnahmen nur mehr analog aufnehmen.

Und mit welcher Band nimmst du das auf?

Mit meiner Live-Band größtenteils, es kommen manchmal auch Gastmusiker, aber im Grunde immer mit meiner Band.

Es gibt in der Reggaeszene immer wieder den Vorwurf, dass ziemlich viel geraucht und Marihuana konsumiert wird. Was hältst du von dem Vorwurf, ist der gerechtfertigt?

Nein, der ist nicht gerechtfertigt. An dem Klischee ist schon was dran, aber ich würde sagen, dass das nicht unbedingt was Schlimmes ist. Ich will jetzt hier nicht Gras propagieren, ich selbst rauche ja nicht, aber jeder muss das selber wissen, und wer rauchen will, soll rauchen. Es gibt Leute, die das nicht vertragen, aber man sollte das alles ein bisschen realistisch sehen

Also sollte man es zum Beispiel in Österreich und in Deutschland legalisieren, wie es ja in Holland oder Teilen der Schweiz schon passiert ist?

Also mir ist das relativ egal, es ändert nichts an der Tatsache, dass der Großteil der Welt raucht. Wenn man es legalisieren will, soll man es machen, ist nichts Schlechtes. Man kann ja auch davon profitieren, indem man Steuern drauf erlegt, wie auch bei den Zigaretten, und damit Geld einnimmt.

Dein Vater kommt ja aus Sierra Leone, hast du dieses Land selber auch schon besucht? Wir bekamen ja nur Berichte von BBC, hast du da genauere Einblicke, wie es dort zugegangen ist und noch immer zugeht?

Ich bin erst nach dem Krieg hingefahren, es gibt jetzt keine Unruhen mehr, daher kann ich nicht sagen, wie es zu Kriegszeiten war. Ich kann mich da nur auf Aussagen von anderen stützen. Es war jedenfalls ein sehr grausamer Krieg. Jetzt ist es wunderschön, alles ist im Aufbau. Immer wenn ein Land im Aufbau ist, hat es eine ganz spezielle Energie, weil sich die Leute zusammentun. Und das ist die schönste Stimmung, die man als Mensch haben kann, nach dem Krieg.

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AutorInnen

Martin Aschauer

Martin Aschauer

Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...

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