2007-04-02 00:11:20
Eine aus Chile stammende Formation mit dem ausdrucksvollen Namen Panico legt mit "Subliminal Kill" ihr bereits drittes Album vor.
Rotierende Arme, zappelnde Beine, lautes Gestöhne und Geschrei. Ein dadurch vom Blut ins Rot gefärbter, brennender Kopf, mit Schweißperlen überströmt und weit aufgerissene Augen, in denen das Weiß wie aufpolierte Chromfelgen im Sonnenlicht glänzt. Die soeben beschriebene Situation stammt nicht aus dem Märchen Rumpelstilzchen der Gebrüder Grimm, sondern spielte sich tatsächlich ab – und zwar auf einem Konzert einer Band namens Panico. Der oben erwähnte blutrote Kopf gehört Eduardo, dem Sänger, der ständig hektisch und mit feurigem Blick – frei nach dem Motto von Iggy Pop „Search and Destroy“ – hinter seinem Synthesizer ins Publikum schielt.
Panico haben ihre Wurzeln in dem von der Militär-Diktatur und den Anden geprägten, an der Westküste Südamerikas befindlichen Land – mit einem Wort: Chile. (Jetzt ist aber der Geographieunterricht vorbei). Die Bandmitglieder, bei denen es sich um eine Frau und vier Männer handelt, leben jedoch mittlerweile allesamt in Frankreich. Zueinander gefunden haben sie im Jahre 1996. Seit diesem Zeitpunkt genießen sie in Chile, vor allem beim jüngeren Publikum, so etwas wie Kultstatus. Wer nun glauben würde, dass Caroline, die einzige Frau in dieser Formation, den Gesangspart innehat, liegt falsch, denn sie ist vielmehr für die treibenden Bassläufe zuständig, die sie mit gekonntem Fingerspiel ihrem Vierseiter entlockt.

Caroline Chaspoul und Juan Guillermo Dumay von Panico
Panico spielen alles andere als südamerikanische Folklore. Mit verzerrten Gitarrenriffs und Überschall-Beat orientieren sie sich in ihrer Rohheit vielmehr am Punk der 70er und deuten diesen mittels elektronischen Hilfsmitteln Richtung Zukunft. Die Einflüsse auf ihre Musik sieht Caroline so: „Die Diktatur war gerade zu Ende. Das ergab eine ganz neue Stimmung. Die Leute ließen sich total gehen. Sie hatten viel zu erzählen, waren unternehmenslustig. Es gab einfach kein Halten mehr. Und dann kamen all die Kinder von den Vertriebenen aus den siebziger Jahren aus dem Exil zurück, so wie Eduardo oder Squat. Sie brachten die verschiedensten westlichen Einflüsse mit, aus Europa und Amerika." (www.arte.de)

Mit „Subliminal Kill“ erschien vor kurzem auf dem französischen Label Tigersushi ihr drittes Album. Bei drei von zehn vorliegenden Stücken hatte kein geringerer als Techno-Gott Christian Vogel seine Hände im Spiel, welcher vor kurzem auch das Chicks On Speed-Album produzierte.
Zur Zusammenarbeit mit Panico ist es wohl dadurch gekommen, weil Vogel ebenso ein gebürtiger Chilene ist, der in den 80ern mit seinen Eltern vor Pinochet floh.
Das Album ist von Anfang bis Ende mit Energie voll gepumpt und schielt ständig auf die Tanzfläche. Der haspelige Gesang wechselt zwischen spanischen und englischen Vocals und kann schon einmal in einen Wutanfall ähnlichen Schrei ausarten. "Subliminal Kill" ist nicht für jedes Ohr bestimmt. Das Album ist unkonventionell und entzieht sich jeglichen Pop – es polarisiert. Für die einen ist es Lärm, für die anderen jedoch wundervollste Musik. Für mich ist das Album schlicht und einfach essentiell.
["Subliminal Kill" wurde bereits am 22. August auf Tigersushi veröffentlicht].
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
Newsfeed von Marco Weise abonnieren