Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

lifestyle

Oh Weihnachtsrausch 2: Der Umtausch danach

2007-04-02 00:12:40

Die euphorische Feiertagslaune ist vorbei. Plötzlich stellen wir fest, wie viel Sinnloses das Christkind gebracht hat. Drei Tage nach Weihnachten wird aus dem Weihnachtsrausch der Weihnachts-Umtausch.

Weihnachten ist vorbei. Silvester steht vor der Tür. Endlich ist der Stress zu Ende. Vergessen sind die unzähligen Stunden banger Hoffnung, dass man die Geschenke noch rechtzeitig bekommt. Vorbei ist die Anspannung, die man verspürt, wenn man auf den Kalender schaut und entdeckt, dass man nur noch einen Tag Zeit hat um 1000 Dinge zu erledigen. Das panische Gefühl man könnte etwas oder gar jemanden vergessen haben, nächtliche Albträume, in denen plötzlich kein Geschenk und keine Zutat für ein weihnachtliches Menü da sind, stehen nicht mehr auf dem Tagesplan. Es ist endgültig aus. Ein Jahr voller Frieden steht uns bevor. Ein ganzes Jahr, in dem wir nicht herumhetzen müssen und uns Tag und Nacht den Kopf zerbrechen, womit wir unseren Lieben eine Freude machen könnten.

Schöne Bescherung
Leider denken nicht nur wir über sinnvolle Geschenke nach, die unsere Freunde und Familie glücklich machen, auch sie müssen für uns etwas finden, mit dem sie uns eine Freude bereiten. Doch leider passiert es nur allzu oft, dass wir enttäuscht werden von den Gaben des Christkinds.

Denn wer kennt das nicht: Ein liebevoll verpacktes Geschenk liegt unter dem Baum. Wir greifen danach, packen es erwartungsvoll aus und plötzlich sehen wir…etwas Hässliches, Kitschiges, Blödes oder einfach absolut Sinnloses. Wir tun, was jeder tun würde: Lächeln, ein glückliches Glänzen in den Augen vortäuschen, eine Umarmung, ein Dankeschön und die unauffällige Frage, ob die Rechnung aufbewahrt wurde.

Geld oder Gutschein?
Warum verschenken wir also nicht gleich Gutscheine? Zu unpersönlich, denken wir uns da. Aber was ist persönlich an einem Geschenk, das wir genervt in irgendeinem Riesengeschäft im größten Weihnachtsrummel besorgt haben und wofür wir auch noch Geld ausgegeben haben, welches wir nicht ausgeben wollten. Gutscheine wären da vielleicht wirklich die kreativere Variante. Oder warum nicht gleich Geld – ein paar Scheine in einem Kuvert, eine bunte Masche rundherum – 20 € für die Tante, 10 € für den Bruder und vielleicht gleich 30 € für den Freund, damit der nicht beleidigt ist - und sich etwas kauft, an dem auch der Schenker eine Freude hat.

Ob man’s glaubt oder nicht, manch einer ist schon vor uns auf die Idee mit dem Geld gekommen. So kommt es fast jedes Jahr, dass irgendein Verwandter auf die Mühe verzichtet Geschenke auszusuchen und einfach einen Fünfziger oder Ähnliches in das Kuvert mit der langweiligen Weihnachtskarte legt. Und dieses Geld sollte nicht allzu lange in seiner Hülle verweilen, es schreit tatsächlich danach ausgegeben zu werden. Und so kommt vor dem großen Umtausch noch der große Kaufrausch. Natürlich nicht im Sinne der Nächstenliebe, sondern im narzisstischen.

Brotbacken macht Spaß
Doch nicht immer ist die Verwandtschaft so einfallslos uns Geld zu schenken. Welcher Anfangszwanziger freut sich denn nicht über eine Brotbackmaschine oder ein Heizkissen? Klugerweise wurde beim andächtigen Kauf das Einpacken der Rechnung bedacht. Wunderbar wenn diese gleich im Geschenk mitverpackt ist. Blöd nur, wenn es das Geschäft einzig und allein in der Shopping City Süd gibt.

Auto lag leider keines unterm Tannenbaum, also muss die altbewährte Badner Bahn als Gefährt dienen. Spätestens ab Meidling wird’s dann richtig lustig, wenn schwer pubertierende Starmania und 50 Cent Fans, die männlichen nicht nur am dezenten Handyklingelton, sondern auch an der Louis Vuitton Kappe und den Brilliantenohrsteckern erkennbar, einsteigen. Interessante Gespräche wie „Herst, gemma in die Shopping zum Mäci?“, Antwort:“ Na, i muas no zum H&M“, werfen einmal wieder die Frage auf, ob die Generation Couchpotato echt schon gestorben ist. Ist shoppen etwa das neue Playstation spielen?

Alle Wege führen…
…zum Media Markt und nach einer 10minütigen Wanderung durch Abgase und Matsch, obwohl es gar nicht geschneit hat, ist das Geschäft in Sicht. Bereits vor dem Eingang sammeln sich die Massen. Drinnen ist es auch nicht besser und der Brotbackofen wird immer schwerer. Die Hoffnung Dad´s Dead zu sehen sinkt, denn vor Menschen ist nicht einmal mehr der Umtauschschalter zu erkennen.
Schließlich wird eine Schlange zum Einreihen gefunden. Nach einer halben Ewigkeit ist die freundliche Dame hinter dem Schalter bereit den Brotbackautomaten umzutauschen. Für einen Gutschein natürlich. Anstatt dem Getümmel zu entfliehen wagt sich der Beschenkte in das Geschäft. Doch auch hier werden die Menschen nicht weniger und die einzige Abteilung, die halbwegs leer und gemütlich aussieht, ist die mit den Brotbacköfen. Und eigentlich sind Brotbacköfen eh cool.

In diesem Sinne: Fröhliches Umtauschen euch allen!

Printer Icon



AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

Newsfeed Icon Newsfeed von Lena Fürnkranz abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop