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Odyssee ist Pein, Baby!

2007-04-02 00:10:57

Zwei am Radarschirm der popkulturellen Jugendliteratur noch weitgehend unbekannte junge Schriftsteller, Daniel Oliver Bachmann und Douglas Cowie, wollten es wissen: sie veröffentlichten soeben ihre Debütromane, deren Inhalte wieder einmal die notorische Dreiecksbeziehung Musik, Liebe und Schmerz durchleuchten.

Ratze Pukofel, 20 Jahre alt, arbeitet in einer Eimerfabrik irgendwo im Schwarzwald. „Irgendwo“ bedeutet auch hier nirgendwo und zeichnet das Klischee vom sich Gute Nacht sagenden Fuchs und Hase. Einziges wirklich lustiges – wer findet Sport schon cool? – Hilfsmittel gegen die ihn überflutende Langeweile ist die Musik: er spielt bei der bezüglich des Bekanntheitsgrades nicht über 10 Kilometer hinauskommenden Band „The Plastic Oimers“ (was für ein Wortspiel!), dessen Existenznotwendigkeit eher gegen Null tendiert – aber: dabei sein ist alles! Wie es das Leben so spielt, gibt es im Dorf ein hübsches Mädchen namens Lisa, die man mit einer Band wohl „erspielen“ will. Aber die Arbeit in der örtlichen Eimerfabrik steht im Weg und so finden sich auch in diesem Fall die ersten Gewissensbisse: „Wer morgens um fünf zur Frühschicht wackelt, gehört nicht zu denen, die sich den Hintern mit Dreilagigem putzen. Ich hätte wie alle anderen was Schönes studieren können, damit was aus mir wird, aber für mich war schon die Schule ein einziger Alptraum gewesen. Klar, dass mir nicht der Sinn nach weiterem Arschplattdrücken auf harten Schulbänken stand. Ich wollte Rock `n` Roll in meinem Leben, verdammt noch mal, ich wollte raus aus der Provinz, doch wenn ich mich umsah, war ich nicht weit gekommen.“ Gute Grundlage also für einen Antihelden-Roman nach popkultureller Prägung. Juvenil natürlich!


Einer, der auszog…


Daniel Oliver Bachmann und Douglas Cowie wollten es wissen. Der erste ist mit Jahrgang 1965 zwar schon ein der Pop-Musik im Normalfall entwachsener Autor, letzter gerade mal 29 Jahre alt. Beide richteten sich nach dem Motto „Alter spielt keine Rolle!“ und veröffentlichten vor kurzem ihre ersten einem, des Themas wegen, größeren Publikum bekannten Romane; bei Cowie handelt es sich sogar um sein Debüt im großen Geschäft der Literatur. Auch die Biografien spiegeln einen durchaus interessanten Werdegang wider: Bachmann wurde in Schramberg im Schwarzwald geboren, studierte Volkswirtschaft an der Münchner Universität und Betriebswirtschaft in Pforzheim (keine Bereich, die man sofort mit Pop-Musik assoziiert!), arbeitete dann als freier Werbetexter für diverse Firmen und ist seit dem Jahr 2000 freier Schriftsteller, Drehbuchautor und Regisseur, wofür er auch schon einige Preise einfahren konnte. Zu Cowies Biografie ist bis dato nur bekannt, dass er 1977 in Elmhurst, gelegen im US-amerikanischen Bundesstaat Illinois, zur Welt kam und nach dem Zwischenstopp Berlin jetzt in London lebt. Sie bemächtigten sich also einer eindeutig als pokulturell zu verstehenden Literatursparte – und das gar nicht so schlecht!

Was den zwei Romanen und mit ihnen wohl auch der gesamten Pop-Kultur zuteil wird, ist eine klassische Odyssee. In „Owen Noone“ lernt der frustrierte Literaturstudent Brian, der sich die Freizeit als Redakteur bei einem College-Radiosender vertreibt, während eines Konzertes Owen Noone kennen, als der, bewaffnet mit einer Akustikgitarre und seiner Stimme, ein kleines Solo-Konzert gibt. Schon beim ersten Smalltalk wird beiden klar, dass sie eine Band (später als „Owen Noone & The Marauder“ in den ganzen USA bekannt) gründen müssen. Zunächst ergibt sich ein Problem: sie können weder singen noch Gitarre spielen. Doch Probleme sind da, um gelöst zu werden und sie schaffen sich ein Equipment rund um zwei Gitarren, Verstärker und Songbücher an. Was mit einer eher dilettantisch geplanten Bandgründung begann, weitete sich zu einem Hit aus. Kurz: die übliche Musikerkarriere stand ihnen ins Haus. Anfangs bespielten sie kleine, ungemütliche in Orten gelegene Pubs, später rockten sie das New Yorker CBGB und andere berühmte Locations zwischen Ost- und Westküste, zwischen denen sie hin und her pendelten; so lebten sie abwechselnd in Iowa City, Charlotte, Nashville, Ashville, New York und Los Angeles. Allein, eine Odyssee wäre keine Odyssee, wenn sich nicht schreckliche Dinge abspielen würden und so ist es der republikanische Kongressabgeordnete Jack Noone, der nicht zugeben will, Owens` leiblicher Vater zu sein und den typischen Politiker wiedergibt, sein Frau Anna, die er einmal betrügt und die am Ende des Romans bei einem Brandunfall ums Leben kommenden Eltern von Brian. Und und und. Die wahre Pointe dieses Werkes lässt sich aber woanders finden, nämlich als Brian den Sinn von Musik auf seine Weise erklärt: „Wenn die Leute am nächsten Morgen nach Hause kämen und ihren Freunden von der Supershow erzählten, würde schon beim Erzählen etwas verloren gehen, und wenn sie die CD auflegten und sich „Yankee Doodle“ anhörten, würden sie noch einen Hauch davon nachempfinden, aber eben nur einen Hauch. Dann würden sie älter werden, und es würden Rechnungen zu bezahlen sein und Kinder zu versorgen, und irgendwann würden sie Owen Noone and the Marauder ganz unten in einem Stapel CDs finden, und sie würden die CD auflegen, und diese kleine Erinnerungsfaden würde seinen Weg fast wieder zurückfinden. Und sie würden lächeln und sich daran erinnern, wie lebendig sie sich in jüngeren Jahren gefühlt hatten.“


…um zu verlieren.

Ratze wächst, was noch unerwähnt blieb, bei seiner Tante Hedwig auf, weil seine Eltern bei einem Verkehrsunfall starben. Bei ihr hat er sämtliche Freiheiten, wohnt in einem Wohnmobil in ihrem Garten und lebt sein Leben als Pseudo-Musiker, bis er einen Plan hat und nach Berlin geht, wo er bei einem Musik-Wettbewerb erfolgreich, wenn auch nicht Erster wurde. Dort kämpft er sich mit einem miesen Job durch, gelangt mit mehr Glück als Können nach Hamburg und beginnt dort bei einer Bar auf der Reeperbahn zu arbeiten. Diese erweist sich als Sprungbrett zur großen Karriere, als ihn dort eine seiner Lieblingsbands, die dänische Punkband Niges, zuerst als Roadie bzw. Tontechniker und dann als Gitarristen und Sänger engagiert. Natürlich, auch eine Odyssee, jedoch eine mit Happy End, weil er zum Schluss mit Lisa eine Liaison eingehen darf. Ursprung dieser, nein wahrscheinlich aller Odysseen, seine zuvor getätigte Deklaration: „ „Ich will endlich raus aus der Scheißprovinz!“ Und dann gleich noch mal, weil `s so schön war: „Raus! Raus aus der Provinz!“ Na wenn das kein kluges Erfolgsrezept ist…

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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