2008-02-06 19:16:39
Thomas Roths aktueller Film „Falco, verdammt, wir leben noch!“ hätte ein erneuter Aufstieg „des Falken“ werden sollen. Leider wurde es zum Sinkflug und somit ein eher unrühmlicher Film über die Kunstfigur sowie den großen Musiker Falco.
Ein exzessives Musikerleben wie aus dem Bilderbuch
Wie Vielen meiner Generation, ist mir der Künstler Falco durchaus ein Begriff und natürlich bin ich auch mit seinen größten Hits wie Der
Kommissar oder auch Rock me Amadeus vertraut. Doch seinen Aufstieg zum international erfolgreichen Musiker konnte ich altersbedingt nicht
mitverfolgen. Der neue Film von Thomas Roth soll dahingehend Abhilfe
schaffen. Er beginnt bei Hans Hölzels (Falcos) Kindheit im Wiener Bezirk
Margarethen, erzählt von seinen Anfängen bei österreichischen Bands wie der halluzination
company oder auch Drahdiwaberl bis hin zu seinem großen Aufstieg
und dem darauf folgenden Fall. In 109 Minuten versucht Regisseur Thomas Roth einen
Künstler zu beschreiben, der in seiner Form wohl einzigartig in der österreichischen
Musiklandschaft war.
Das Leben des Hans Hölzel
Der Film beginnt mit einem zirka achtjährigen Jungen in den
1960ern, der seiner Mutter erklärt, er möchte bitte Popstar werden und dass die Schule
ihn eigentlich überhaupt nicht interessiere. Einige Jahre später ist der junge
Mann (gespielt von Manuel Rubey) dann Bassist bei mehr oder weniger
erfolgreichen österreichischen Bands, wie beispielsweise bei der noch heute bekannten Gruppe Drahdiwaberl (im
Film sogar mit Original gründer und Mastermind Stefan Weber).
Bei Drahdiwaberl darf der junge Hans Hölzel dann auch seine ersten eigenen Lieder
präsentieren und schuf im Zuge dessen die Kunstfigur Falco.
Erklärt wird diese Wandlung durch seine Affinität zm österreichischen
Schauspieler Oskar Werner, der
ihn angeblich vor allem in seiner Ausdrucksweise stark beeinflusst haben soll.
Der Musikproduzent Markus
Spiegel (etwas unscheinbar dargestellt von Nicholas Ofczarek)
wird daraufhin auf Falco aufmerksam und verhilft ihm zu seinem ersten
Hit: Der Kommissar. In weiterer Folge avanciert der Falke zu einem
internationalen Popstar der mit Rock me Amadeus sogar auf Platz 1 der US-Billboard Charts landet.
Privat verliebt er sich in die eher einfache Jaqueline (gespielt von Patricia Aulitzky), die er nach einiger Zeit auch heiratet. Drogeneskapaden, Eifersuchtsdramen und musikalische
Misserfolge prägen von da an den Film. Einzig und allein die Geburt seiner Tochter durchbricht diesen Kreis. Nachdem er allerdings erfährt, nicht deren Vater zu sein, ist der
Absturz vorprogrammiert und endet, wie wir alle wissen, mit einem
tödlichen Autounfall in der dominikanischen Republik.
Wie stellt man eine Legende dar?
Die Ansprüche an den Hauptdarsteller Manuel Rubey waren überaus hoch. Abgesehen von der schwierigen Gestik und Mimik, kam auch die Ausdrucksweise, das bereits etwas in Vergessenheit geratene „Schönbrunner
Deutsch“, das Falco so einzigartig machte, dazu. Rubey, der bisher nur als Sänger der österreichischen Musikgruppe
Mondscheiner bekannt war, meistert diese Hürde - zum großen Erstaunen
Vieler - mit Bravour. Nicht nur die nachgestellten Videos werden von ihm eins zu
eins imitiert, sondern auch die privaten Szenen gibt Rubey mit sicherem „falcohaften“ Auftreten wieder.
Ganz anders seine Schauspielerkollegen. Da wäre zum Beispiel Christian
Tramitz als Falcos Manager Horst Bork, den man weder einen
Musik-Manager noch einen wirklichen Vertrauten abnimmt. Auch Patricia
Aulitzky beweist
in ihrer Rolle als Jaqueline keinerlei Einfühlungsvermögen und zieht die Beziehung zu Falco oft ins Lächerliche. Einzig und allein Susi
Stach als überaus überzeugende, gluckenhafte und stets grantige
Mutter, bei der Falco jedoch Zuflucht findet, sticht ins Auge.
Das Problem mit Falco
Falco, verdammt wir leben noch! war wohl nicht nur als eine einfache Musikerbiographie gedacht. Das
Resultat geht dennoch nicht darüber hinaus.
Ein Film mit aufgeschnappten Zitaten aus Interviews („Wenn
sie mir wer in den Weg stellt, zünd i ma a Zigaretten an und blas ihn einfach
um.“), reichlich Drogenszenerie und nachgestellten Musikvideos von Falcos größten Hits. Verkannt wird dabei unter anderem der einzigartige Umgang Falcos mit den von ihm gesungenen Worten. Damals eher belächelt, werden seine Texte
heute als literarische Kunstwerke gesehen und Falco als Vorreiter des
deutschen Raps in der Musikbranche gehandelt.
Im Film wird das gezeigt, was das als skandalgeil zu
bezeichnende Publikum am liebsten in Filmen über MusikerInnen sieht: Exzesse. Und so kratzt Thomas Roth mit seinem Film lediglich an der
Oberfläche und lässt Falco, abgesehen von nur wenigen Szenen, so
darstellen, wie viele ihn auch heute noch sehen. Als ein „arrogantes
Arschloch“ (Zitat aus dem Film), das nicht mit seinem Erfolg umzugehen wusste. Dass eigentlich viel mehr hinter der Kunstfigur steckte,
vermag uns der Film Falco, verdammt wir leben noch! nicht zu zeigen.
Derzeit im Kino.
das kleine "Ich bin Ich"
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