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musik

Nova Rock – eine von vielen Geschichten

2007-04-02 00:11:27

Zum ersten Mal in meiner "Festivalkarriere" hab ich mich der „oben ohne"-Fraktion angeschlossen, weil es einfach dermaßen heiß war – "Nova" in der Tat!

Rock gab es auch und zwar zur Genüge!
Ich war ja nur am Samstag vor Ort, aber zu sehen gab es trotzdem einiges. Ein bisschen beunruhigt über Staumeldungen etc., sind wir schon recht früh hingefahren, aber ohne Probleme (oder Stau) angekommen. Als ersten Eindruck gebrauche ich mal ein Zitat von der FM4-page: "Staub und Hitze: Novarock – das Nevada Österreichs". Dem gibt`s eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Witzig war der eine Kerl, der zwecks besserer Fotogelegenheit den Hochspannungsmast neben dem Parkplatz erklettert hat – was genau er von dort fotografieren wollte, war zwar unklar, aber was soll`s. Weniger witzig waren die Idioten, die in der Mittagshitze meinten, „Trichtersaufen“ zu müssen: einer liegt am Boden, die andren füllen ihn mit einem 2m langen Schlauch Bier ein... nach erfolgter Operation konnte sich der Patient nicht mehr bewegen. Der Einzige seiner Kollegen, der noch die Geistesgegenwart hatte zu schauen, ob er überhaupt noch atmet, wurde umgehend angekotzt. Wie diese spannende Episode weiterging, konnten wir nicht mehr verfolgen, wir waren eigentlich auf dem Weg zum Eingang. Ich tippe trotzdem drauf, dass der Zwangsernährte bei den Herren in rot-weiß gelandet ist.

Nach geschätzten 30min Wanderung waren wir dann endlich an der Bandausgabe, alles problemlos, keine Müllsäcke wurden uns aufgeschwatzt (jubel!) und auf zum Kerngelände-Eingang. Idyllisch: keine 5m neben selbigem ein überquellender Müllcontainer, samt dazugehörigen Gestank. Die Sicherheitskontrolle bestand aus einem kurzen abgreifen meines Rucksackes (von außen), ich selbst wurde nicht angefasst. Dürfte wohl daran liegen, dass am dritten Tag immer alles etwas lockerer genommen wird (Parkplatzgebühr war auch keine nötig).

Also zum Kerngelände: übliches Festival-Areal eben, riesige Bühne mit Videowalls und Repeatern für die "Rückbänkler", wie zu erwarten ein Sammelsurium an Fressbuden und Merchandise für jeden Scheiß. Da diesmal in saugeiles Shirt von Apocalyptica angeboten wurde, griffen wir gleich mal in die Tasche – neuer Rekord: 25EUR nach 10min am Kerngelände ausgegeben!Genial war die "Waschstrasse" die aufgestellt war! Und entsprechend dicht der Andrang davor, die Leute wollten einfach nur nass werden, egal ob mit oder ohne Gewand. Die erste Band haben wir im Bierzelt abgewartet (ohne Bier zu trinken) und haben mit Freunden geplaudert die wir dort getroffen haben. Dann ging es auf die Suche nach der angekündigten Wasserstelle. Diese war ein fetter Feuerwehrschlauch - mehr nicht. Und mit selbst auffüllen war auch nix, der Security füllte schön säuberlich einen halben Becher voll. Gratulation!

Wie auch immer, es zog uns nach vorne. Auf der Bühne war schon Sebastian Bach am Werk. Erinnert sich noch jemand an Skid Row? Genau der.Und eins muss man sagen, auch wenn ich zu Guns n Roses nicht mehr geblieben bin, der Herr Bach war vermutlich besser bei Stimme, bei Laune und in Fahrt als der Herr Rose. Wie der in seiner – sicher nicht kühlenden – Lederhose auf der Bühne rumgehüpft ist und das Mikro herumschwang war eine richtige Freude. Selbige hatte er anscheinend auch, der Kerl war wie von der Tarantel gestochen, hat`s nicht gepackt, dass die Leute seine Texte konnten und war vollkommen aus dem Häuschen wo er einen Typen mit Skid Row-Shirt mit "Youth Gone Wild" entdeckte, Sekunden bevor er selbige Nummer angestimmt hat. Super Entertainer-Qualitäten, die Musik Rock halt (riss mich nicht vom Hocker), aber schön dargeboten und sehr viel Publikumsinteraktion - positive, nicht so wie Bloodhound Gang, aber dazu später. Es hätte ihm nur einer mitteilen sollen dass er nicht in "vienna" ist.

Als nächstes ein Act auf den ich seit fast 10 Jahren gewartet habe: Die Krupps. Verwirrend war das durchgekreuzte Krupps-Logo auf den Bannern und Instrumenten, hoffentlich hören die nicht schon wieder nach der Tournee auf! Geboten wurde ein Potpourri aus allen Alben seit >I<, der Gitarrist dürfte neu sein und hat etwas affektiert gewirkt, dafür war Jürgen Engler entweder auf Drogen oder einfach nur glücklich, dass die Leute das, was er und seine Jungs zu bieten hatten, so zu schätzen wussten. Tatsächlich kannten 90% des Publikums die Texte und haben fleißig mitgemacht - sauber! Leider haben sie viel zu früh aufhören müssen, wie Engler so schön selbst formulierte: "Es schmerzt!"

An dieser Stelle ein kleines Lob an die Security vorne beim "Pit": In jeder Pause kamen sie mit vollen Eimern Wasser und jeder der einen Becher hatte durfte sich bedienen. Die übliche Schlauchaktion gab es auch immer wieder. Einmal gingen sogar die Herren vom Roten Kreuz mit nicht nur Wasser sondern auch gratis Bechern durch die Gegend - war auch bitter nötig bei den Temperaturen!

Opeth haben mich ehrlich gesagt überhaupt nicht vom Hocker gerissen. Das kann am miesen Sound gelegen sein oder auch daran, dass sie einfach nicht meins sind – who knows? Generell möchte ich hiermit ein Kopfgeld auf den Tontechniker aussetzen: was der an dem Tag alles verbrochen hat, war jenseits von gut und böse! Gitarren entweder nicht vorhanden oder kaum hörbar, Jürgen Englers Mikro erst mitten im Song aufgedreht, die Celli von Apocalyptica manchmal gar nicht vorhanden – was besonders toll ist, wenn eines gerade ein Solo macht und man nur die anderen hört!

Apropos Apocalyptica: meines Erachtens die zweitbeste Performance des Abends! Ich hatte sie bereits letztes Jahr in Prag gesehen und war eher enttäuscht, diesmal war das Set um einiges tighter, die Songs super ausgewählt und die Stimmung auf dem Höhepunkt! Sehr schön war, dass die Leute nicht nur bei den Metallica-Covers mitgesungen haben, sondern auch bei den Eigenkompositionen, die auf den Alben mit Text verziert sind, aber live stets instrumental gespielt werden. Die Jungs waren in bester Spiellaune und das Publikum dankte es gebührend mit donnerndem Applaus. Bravo!


Nun zur großen Enttäuschung: Oomph! Was soll ich sagen – die haben irgendwie nicht ins restliche Line-up gepasst. Und das Publikum war bis auf ein paar eingefleischte Fans überhaupt nicht in Stimmung auf was Neues – was soll man erwarten von lauter Typen in Guns´n´Roses-Jeansjacken? Noch dazu wirkten die Jungs extrem ausgebrannt, und die Setlist war mit Verlaub Müll. Auf Pop getrimmte Synthisongs ziehen auf Rockfestivals leider nicht, ein paar Kracher vom "Defekt"-Album wären da angebrachter gewesen (ich sag nur "Mitten ins Herz" – bei der Nummer würden Rammstein jammernd zu ihrer Mami laufen). Tja, der miese Sound tat das übrige – ein Abgesang.

Zum Glück konnten wir die Bloodhound Gang nur vom Bierzelt aus verfolgen, weil wir uns den Mist einfach nicht aus nächster Nähe antun wollten. Wir hatten nur einen Blick auf die rechte Videowall, auf der alle paar Minuten nette Sprüche wie "Dieser Song ist schlechter als eure Fußballmannschaft" eingeblendet wurden - und das war noch der lustigste. Die ständigen homophoben Äußerungen waren nur der Anfang, den Tiefpunkt erreichte das Konzert dann mit der Imitation von Manneken Piss durch den Bassisten. In Anbetracht der Tatsache, dass Sänger und Bassist sich in vergangenen Shows angeblich gegenseitig (geplant!) angekotzt hatten vermutlich sogar eine stilistische Verbesserung. Und ja, das war garantiert einstudiert. Ein großes "PFUI" an alle, die vorne die "schwul, schwul, ..."-Sprechchöre mitskandiert haben, ihr konntet bei Oomph! den Sänger auch ignorieren, und der hat einfach nur ein freundliches "yeah" haben wollen. Setzen, durchgefallen!

Es konnte eigentlich nur besser werden. Es wurde. Und wie! Auftritt Tool: 4 Leinwände, 4 Musiker, 4 Alben, 4  mal so viel Musik wie bei der Vorgängerband. Was die Herren auf der Bühne zelebrierten, war der reinste Ohrenschmaus! Wenn nur die Gitarre nicht so dünn geklungen hätte, aber das war ja schon das gesamte restliche Festival so. Maynard hatte wohl gute Laune, turnte mit Cowboystiefeln und riesiger, pistolenförmiger Gürtelschnalle in Sonnenbrille und einem Irokesen auf seinem Podest herum und beschallte das Publikum.Vor mir war wohl der "Tool-Fanclub", zirka fünf Typen, die abgingen als wären sie elektrisiert –
nach dem Gig gab es dann Umarmungen und glückliche Gesichter. War schön mit anzusehen. Alles in allem ein großartiges Gesamterlebnis, bombastisch und böse zugleich, ein würdiger Headliner waren sie nur leider nicht, daher nur ein wenig mehr als eine Stunde Spieldauer – schade! Aber es wird im November wohl noch eine Chance geben, Tool live zu sehen, wenn ich Maynards Aussage richtig interpretiert habe. Freuen wir
uns darauf!

Wie erwähnt, Guns´n´Roses waren mir es dann nicht mehr wert, länger zu bleiben. Wir reisten ab – nach einem Zwischenstopp bei der Tankstelle, wo noch etliche andere Festivalabreisende die Fensterwischgeräte benutzten. Das Nevada Österreichs fordert eben seine Opfer.

Text: Daniel Breuss (ein Festivalbesucher)

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AutorInnen

Marco Weise

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