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musik

Noch nie waren Jesuslatschen so schön

2007-04-02 00:11:22

Den schwedischen Shout Out Louds gelingt mit ihrem Debüt „Howl Howl Gaff Gaff“ ein Geniestreich. Ein Album mit Herzschmerz-Garantie.

“Everyone´s got someone/I´ve got no one but I try to find out what to do with my live/There it cames at last and my heart beats faster than sane/Faster than the train in my mind” singt Adam mit getrübter, zugleich jedoch hoffnungsvoller Stimme im Song “A Track And A Train”. Gesangliche Unterstützung bekommt der Sänger dabei von seiner bezaubernden Kollegin Bebban, die mit ihrer atmosphärischen Stimme dem Ganzen noch einen überirdischen Touch einimpft.

Gemeinsam spielen sie bei den aus Stockholm stammenden Shout Out Louds, die sich mit der Veröffentlichung ihres Debüts nicht gerade den besten Zeitpunkt ausgesucht haben. Denn zurzeit blickt alles nach Glasgow zu den stets heiteren Franz Ferdinanden, die mit „You Could Have It So Much Better“ ihr zweites Album auf den Markt gebracht haben. Durch diesen Blockbuster haben es natürlich einige Bands – die genau zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ihr Album veröffentlichen – ein wenig schwer, den Weg auf die Titelblätter zu finden. Den Shout Out Louds kann das aber herzlich egal sein, da sie mit „Howl Howl Gaff Gaff“  ein atemberaubendes Debüt abliefern. Produziert wurde dieses von einem gewissen Ronald Bood, der bereits bei anderen schwedischen Acts wie zum Beispiel Mando Diao Hand angelegt hat.


Die Shout Out Louds sind schon ein ganz bunter Haufen.

Systemzusammenbruch
Mit der Single-Auskoppelung „The Comeback“ geht es in die Eröffnungsrunde. Kaum hebt Adam seine verrotzte und haarige Stimme, wird klar, dass es sich hierbei nicht einfach nur um Musik handelt. Vielmehr werden hier die beiden Schlagwörter „Liebe“ und „Hass“ zu einem, sich gegenseitig aufschaukelnden, geschlossenen System aneinandergekettet, welches sich durch treibende Schrammelgitarren, ein kindliches Glockenspiel und Melodika-Melodien ständig vor dem alles zerstörenden point of no return bewegt.

Die Shout Out Louds schnüren auf ihrem Erstling Pop und Jesuslatschen-Rock aus der Hippie-Zeit zu einem fulminanten Gesamtpaket. Dabei beziehen sie ihren musikalischen Einfluss – welch ein Wunder(!) – nicht aus den Postpunk-Zeiten der späten 70er und frühen 80er.

Das Album ist gefüllt mit ins Land der Sehnsucht eingebaute Melodien und besticht durch eine Detailverliebtheit, die aber keineswegs in einer überproduzierten Masse endet. „Go Sadness“ versprüht so viel Seele und Pathos wie ein russisches Volkslied. Dieser gemeine Ohrwurm entfaltet sich durch sein minimalistisches Arrangement  zu einem der größten Songs auf dieser Platte. Wenn Adam „I spotted the right time/ The future is mine“ singt, wird einem gefährlich warm ums Herz - der rettende Defibrillator sollte sich in Reichweite befinden – einen ergreifenderen Song gibt es im Moment nicht.

Die wettermäßig schönen Tage des Jahres sind leider schon gezählt, der graue Vorhang wird wieder vorgezogen. Wer aus dieser farblosen Zeit ausbrechen möchte: Leute, „Howl Howl Gaff Gaff“ ist genau eure Platte!

"Howl Howl Gaff Gaff" ist bereits bei EMI erschienen.

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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

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