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musik

No Pete in Graz - eine zweite Sichtweise

2007-04-02 00:14:55

Es hätte das Ereignis des Jahres werden sollen: Ein Gig der Babyshambles in Graz. Was dabei herauskam, waren viele wütende Fans und Velojet als Hauptact.

Was wurde alles über Pete Doherty in letzter Zeit geschrieben?
Verwüstete Hotels, Haftstrafen und zur Spannungssteigerung abgesagte Gigs. Und dann tauchten am Montag die ersten Gerüchte auf, dass es ein Konzert in Graz geben soll. Das "gemeine" Volk war skeptisch, nachdem ein halbes Jahr zuvor zwei Österreich-Konzerte (Frequency und Gasometer) abgesagt wurden. Doch dann kam am Mittwoch die Bestätigung in einem Telefoninterview mit Radio Soundportal. In kaum verständlichem Englisch nuschelte Herr Doherty irgendetwas von „Non-Stop-Graz“ in den Telefonhörer. Es klang zu schön, um wahr zu sein. Eine der gehyptesten Bands des Jahres 2005 spielt ihren bis dahin einzigen Gig außerhalb von England in der Steirischen Landeshauptstadt. Noch dazu in der passendsten Location, die man sich für solch eine Band nur vorstellen kann. Einem Pornokino!

Sollte das neue Jahr etwa so unverschämt gut anfangen?
„Wegen des großen Andranges wurde das Konzert in die List-Halle verlegt“
Nur die halbe Wahrheit, denn das Pornokino bekam nur eine Bewilligung der Behörde für ca. 400 Zuseher, da aber zu diesem Zeitpunkt bereits 700 Tickets verkauft worden waren, musste man in die große Halle umsiedeln.

Dann war es soweit.
Im Internet und im Radio wurde bereits am frühen Nachmittag viertelstündlich, über den Verbleib der Babyshambles berichtet. Beton dominierte das Eingangsbild und spiegelte mit brutaler Genauigkeit das Gegenteil des Non-Stop Kinos wieder.
„Kommt er, kommt er nicht?, hörte man in jeder Ecke. Im 10 Minuten-Takt wechselten die Gerüchte: Von "er ist bereits in der Halle", über "er ist ihn Wien gelandet" bis hin zu "er sitzt in London in Polizeigewahrsam".

Die Staggers sagten kurzfristig wieder ab, da sie blöderweise am gleichen Abend in Wien spielten. Stattdessen spielten Lamexcuse und die Girls und Boys von Velojet.

Nach der 40 minütigen Beschallung von Lamexcuse, tauchten Drew McConnell, Adam Ficek, und General Santana auf der Bühne auf und spielten ein „Ersatz Set“, welches sich auf 3 spärliche Kostproben beschränkte. Doch man höre und staune, „Pete soll noch kommen, man versucht alles, um ihn aus dem Gefängnis zu bekommen, weiteres stehe ein Privatjet bereit, um ihn rechtzeitig nach Graz zu bringen.“
(c) by Florian Wieser

Mittlerweile glaubte kaum mehr einer daran, dass Pete doch noch kommt. Dem entsprechend gab es zwei Stimmungsfraktionen, die Enttäuschten und jene, denen das Fernbleiben von Pete bereits gleichgültig war und für das Spektakel nur noch ein herzhaftes Grinsen übrig hatten.

Velojet waren also der Hauptact des Abends, auch schön.
Das Quartett bemühte sich redlich, doch leider dominierte der weniger motivierte Teil des Publikums zu sehr, da alle Erwartungen auf Pete Doherty gestützt waren, und so richtig wollte keine Stimmung aufkommen. Doch das Verlangen, diese Vier aus Steyr wieder mal live sehen zu wollen, ist nicht nur in mir entflammt worden.

Kurz nach Mitternacht kämpfte ich mich durch die zahlreich anwesenden Pete-Doubles in Richtung Ausgang. Vor der Entlassung in die kalte raue Nacht, standen enttäuschte Fans im Foyer und spielten noch einige Lieder der Babyshambles und versüßten einem somit den Nachhauseweg.
Alles in allem haben die Recht behalten, „die es immer schon gewusst haben“, und auch in Anbetracht dessen, dass wir großzügiger Weise 10 Euro für Petes Fehlen zurückbekamen, werde ich mir das nächste Mal genauer überlegen, ob ich mich noch einmal so an der Nase herumführen lassen will.

Fotos
: Florian Wieser

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AutorInnen

Lukas Bauer

Lukas Bauer

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