2008-05-27 03:39:58
Etwas Lebendiges ins Museum stellen, eine noch immer bestehende Geisteshaltung als Kunstobjekt behandeln? Die Wiener Kunsthalle sagt: Ja, gerne.
Während man in Berlin von den dort ansässigen Punks sofort als Yuppie beschimpft wird, wenn man auf offener Straße seinen I-Pod aus der Tasche zieht, halten sich die Punks in Wien heutzutage eher im Hintergrund. Hin und wieder sieht man sie vereinzelt auf der Mahü, im Burggarten oder in der Arena, natürlich.
Ein fixer Bestandteil des Wiener Gesellschaftsbildes sind sie jedoch schon länger nicht mehr. Die Bobos, die Krocha und andere dem Kapitalismus zugewandten Jugendgruppen haben eindeutig überhand genommen. Leider.
Aber ist das ein Grund den "Punk" abzuschreiben, einzupacken und in eine Vitrine zu stellen? Und: Funktioniert so etwas überhaupt?
Die Kunsthalle in Wien hat es zumindest versucht. PUNK - No One Is Innocent heißt die neue Ausstellung, die sich auf die frühen Punkszenen in London, Berlin und New York beschränkt. Eine gezielte Maßnahme, "da die Ausstellung sonst überhand genommen hätte", wie sich die Kunsthallen-Leitung rechtfertigt. Die Anfänge der Wiener Punk-Szene haben zwar auch eine kleine Ecke im Ausstellungsraum bekommen - aber eben nur eine kleine.
Daran hängt sich auch die Kritik der meisten Eröffnungstag-Besucher auf. Wo denn die Ost-Berlin-Ecke sei? Oder wo man die ex-jugoslawische Szene findet? Hier nicht.
Aber woran sich so manche stoßen, daran erfreuen sich andere. Immerhin kann man endlich das aus Einkaufswägen und allerlei rostendem Blech bestehende Schlagzeug der Einstürzenden Neubauten aus nächster Nähe betrachten. Die Ausstellung eröffnet einem Einblicke in eine Welt, der man womöglich nie angehört hat, die einen aber immer gereizt hätte. Punk hinter Glasscheiben funktioniert nur, wenn man das Ganze nicht allzu ernst nimmt.
Es macht Spaß an Platten und Fotografien von "damals" vorbeizuschlendern und zu spüren, dass das hier noch lange nicht alles war. Denn Punk existiert. Immer noch.
Die Ausstellung ist noch bis 7.September 2008 zu sehen.
...und ich wär' hier so gerne zu hause,
denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
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