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Nine Inch Nails - Ghosts I-IV

2008-03-04 13:45:42

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Was passiert, wenn Trent Reznor genug von Plattenfirmen, Verkaufszahlen und Marketingkampagnen hat? Er bringt ein neues Album raus, ganz in Eigenregie. 'Ghosts', ein 36 Songs starkes Opus, sorgt rein instrumental für die richtige & bedrohliche Stimmung.

So schnell war es da, dass man sich gar nicht darauf vorbereiten konnte. Am 02. März 2008 erblickte es das Licht der Welt. Eine Frühgeburt, ein Frühchen.
Eigentlich ist es üblich, dass NIN-Kopf Trent Reznor mehrere Jahre benötigt, um ein neues Album in mühevoller Perfektion fertig zu stellen.
Gut Ding braucht bekanntermaßen Weil.
Anscheinend hat dieser Satz im Nine Inch Nails-Kontext keine Bedeutung mehr. Nach der Trennung von seiner Plattenfirma Interscope und dem im Vorjahr erschienenen Album Year Zero plus Remix-Zusatz Y34RZ3R0R3M1X3D, gibt es erneut einen musikalischen Output.
Ghosts I-IV
ist mit sechsunddreißig Stücken besonders ergiebig, kommt dabei aber ohne Stimme und Gesang aus. Rein instrumental jagt uns Reznor diesmal kalten Schauer über den Rücken.

Come in and find out


Auf der eigens für das Album eingerichteten Homepage http://ghosts.nin.com kann der Kunde nun selbst bestimmen, welche Variante er möchte.
Da gibt es die Probehöraktion des ersten Teils von Ghosts mit neun Songs umsonst, einen fünf-Dollar-Download aller Tracks als MP3, ein 2CD-Set, sowie exklusivere Bestellmöglichkeiten wie die Deluxe Edition mit CD, DVD und Blu-Ray für 75 Dollar oder die luxuriöse Variante als Ultra Deluxe Package für stolze 300 Dollar, die nach nur zwei Tagen ausverkauft war.

Reznor scheint alles richtig gemacht zu haben.
Er lässt dem Käufer freie Hand, lässt ihn entscheiden, welches Oeuvre er in seinen Besitz nehmen will, welche Art der musikalischen Ausformulierung es sein soll. Angreif-, fühl- und tastbar oder doch lieber digital?
Doch welche Geister sind es, die Reznor hier mit seinen Mitstreitern vertont, die er scheinbar aus seinem Kopf herausbekommen wollte?
Die namenlosen und unbetitelten Songstrukturen und überwiegend warmen Klangcollagen von Ghosts erinnern an die Soundästhetik von The Fragile, fesseln mit schwermütigem Piano, bedrohlichen Loops (3 Ghosts I) und faszinierender Elektronik. Nahtlos münden die Tracks ineinander, mal schwebend und fließend (5 + 6), wüst und harsch (8) oder durch fette Synthesizer angetrieben (7 Ghosts I, 14 Ghosts II).
Auch wenn es keinerlei Texte gibt, an die man sich halten oder klammern kann, so verfliegt die Wirkung des Albums trotzdem nicht.

Ein Soundtrack für Tagträume

So formulierte es Reznor.
Ein Ort, der rein visuell entstanden ist, und anschließend in Musik gemündet hat. Ein Spielplatz für die Seele, in Freiheit.
Nine Inch Nails bleiben mit diesem Werk auch weiterhin spannend und herausfordernd, und könnten auch noch in Zukunft mit der ein oder anderen Veröffentlichung überraschen.

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AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

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