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Neue Garnitur, alte Leier

2007-12-14 00:35:13

  • 2 Club 2007

Mittwoch, 12. Dezember 2007: Der neue alte „Club 2“ geht wieder on Air. Mit Open End. Und gepflegter Langeweile.

Man muss seine Ansichten ändern. Diese Feststellung dürfte nun auch dem Generalintendanten des ORF, Alexander Wrabetz, gewahr sein. In den ersten Interviews nach seiner Übernahme des Chefsessels meinte der Nachfolger von Monika Lindner, dass eine Adaption des legendären, stets für turbulente Szenen sorgenden Talk-Forums Club 2 nicht geplant sei. Als der Ofen heißer wurde und feststand, dass die neue Programmreform der größten österreichischen Rundfunkstation doch nicht so gelungen ist, wie man sich das intern erwartet hatte, musste schnelles Reagieren die Devise sein. Als sich schließlich die Gerüchte verdichteten, platzte die Bombe: Der Club 2 geht wieder on Air, jeden Mittwoch ab 23 Uhr und – die Besonderheit schlechthin – mit Open End. Für Vorfreude und eine hohe Erwartungshaltung war also gesorgt. Vergangenen Mittwoch, den 12. Dezember, sollte es dann soweit sein: Rudolf Nagiller, der Moderator, lud ein. Die neue Sitzgarnitur stand bereit und wartete auf die kommunikativen DiskussionsteilnehmerInnen Marlene Streeruwitz (Autorin), Michael Grabner (Medienunternehmer bei Mediaprint), Eva Dichand (Herausgeberin von Heute), Robert Glashüttner (Internetredakteur von Fm4), Frank Hartmann (Medienphilosoph an der Uni Wien und Uni Erfurt) und schließlich Lorenz Gallmetzer (Club 2-Chef).

Feind Neue Medien

Das Thema wurde spannend angelegt: „Die Meinungsfabriken – wer bestimmt, was wir denken?“ Eine sinnvolle Auseinandersetzung hätte man sich also erwarten können. Doch die Sache mit den Vorschusslorbeeren ist ja bekannt. Marlene Streeruwitz startete mit einer ziemlich verschwommenen und fragwürdigen Ansage: Es sei nicht gut, wenn der "Content", eine Zeitung, gratis erwerbbar ist. Als ob der Inhalt automatisch schlecht wäre, wenn das ihn verbreitende Medium gratis zu erwerben ist. Nicht nur diese Aussage entlarvte sie als eine exorbitant biedere und die Neuen Medien nicht wahrnehmen wollende Schriftstellerin. Und abgesehen davon: Die Verfasserin einiger renommierter Bücher enttäuschte an diesem Abend ohnehin am meisten. Als sie später biografische Details preisgab – „Ich bin mit dem Radio, mit dem gesprochenen Wort, aufgewachsen…“ – und gleichzeitig in eine jämmerliche Verklärung der Vergangenheit bezüglich des Medienkonsums rutschte, konnte das nur mehr als Bestätigung für jene Einsicht gelten: Eine Frau, die einer angeblich goldenen Zeit vor 30 Jahren nachhängt, als die Jugend noch nicht dem TV-Wahn und den bösen Neuen Medien verfallen war, hatte bei solch einer Sendung keine Existenzberechtigung. Es fiel schwer sich vorzustellen, dass Streeruwitz in Sachen Medien up to date ist.

Kein Einblick, kein Ausblick


„Dass es keinen medienkundigen Unterricht gibt, ist wahrscheinlich viel gefährlicher als dass nicht Darstellende Geometrie unterrichtet wird.“ Und: „Medienkunde-Unterricht ist deswegen so wichtig, weil Medienkonsum mit hoher Wahrscheinlichkeit für die jetzt heranwachsende Generation einer der größten Teile ihres Lebens sein wird.“ Wie wahr. Leider blieb es nur bei diesen von Herrn Grabner formulierten Feststellungen, ein Lösungsvorschlag wurde nicht angeboten. Von Frau Dichand nahm man keinen einzigen überzeugenden Satz wahr, Herr Hartmann merkte Dinge an, die zuvor bereits bekannt waren oder sein sollten. Mit Herrn Glashüttner gab es im Grunde nur einen Teilnehmer, der imstande war, das vorgegebene Thema auf der Basis des medialen Jahres 2007 – Stichwort Web 2.0 – zu behandeln. Dass ausgerechnet er die Person war, die die wenigsten Töne von sich gegeben hat, sollte angesichts der ihn umgebenden immensen Unfähigkeit evident sein. Denn zu einer Diskussion gehören üblicherweise zumindest zwei Gesprächspartner.



TV-Hinweis: „Club 2“ jeden Mittwoch ab 23 Uhr, ORF 2

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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