2007-04-02 00:12:39
"Es ist Zeit. Abriss" ist das erste Inszenierung des Theatervereins Sprungbrett. Die Neubearbeitung des Albert Ostermaier Stücks lädt zum Staunen und Nachdenken ein.
Nehmt euch Zeit
Die Zeit trägt in unserer Gesellschaft eine große Bürde. Sich Zeit zu nehmen wird immer schwieriger, Zeit zu haben demnach auch. Die Mitglieder des „Theatervereins Sprungbrett“ fanden mit Gründerin und Regisseurin Sabrina Linda Riedel Zeit und verwendeten diese für die Ausarbeitung eines interessanten Stücks von Albert Ostermaier. „ Es ist Zeit. Abriss“ hatte am 18. September im Theater SPIELRAUM Premiere.
Das Stück
Eine spärlich eingerichtete Bühne. Neben zwei Kästen Bier steht eine Holzbank. Ein Bett, auf dem Kleidung liegt, vollendet das Bühnenbild. Bereits vor Beginn der Vorstellung muss sich das Publikum Zeit nehmen. Langsam wird es dunkler. Eine weiß gekleidete Figur (Magdalena Zahn) betritt die Bühne. Sie versucht sich an Pirouetten, fällt immer wieder zu Boden. Erste Eindrücke einer Zerrissenheit werden sichtbar.
Albert Ostermaiers Urfassung ist ein in Monologen aufgelöstes Vier-Personen-Stück. Es handelt von Mord, Verfolgung und dem Unterschied von Wahrnehmung und Wirklichkeit. Riedls Bearbeitung setzt den Text in eine neuartige Umgebung. Ein Bauarbeiter, ein Halbstarker, ein fliehender Liebhaber und eine junge Frau agieren mit- und gegeneinander. Und sind am Ende doch nur den Gedanken einer Person entsprungen.
Die Darsteller
Ensemblemitglieder Michaela Fent, Diana Kashlan, Elisabeth Bussinger und Magdalena Zahn führen gekonnt durch dieses doch verwirrende Stück. Zitat eines Zusehers „ Ich glaub, ich habs fast verstanden.“
Besonders lobenswert ist Elisabeth Bussingers Darstellung der jungen Frau, die vor allem durch starke Monologe glänzt.
Die Ziele
In Sabrina Linda Riedels Regiearbeit werden einige Ziele des „Theatervereins Sprungbrett“ deutlich sichtbar. Neben genreübergreifenden Produktionen im Bereich Tanz-/Ausdruckstheater, setzt der Theaterverein auf verstärktes Engagement in Hinblick auf soziale Theaterprojekte unter Einbeziehung psychisch und/oder physisch beeinträchtigter Menschen.
Fazit
Ein junger Theaterverein versucht sich an einem Stück, das sich mit dem Krankheitsbild der Schizophrenie auseinandersetzt. Ein Wagnis, das misslingen könnte. Sabrina Linda Riedel und ihrem Team ist es gelungen ein wunderbares Stück zu zeigen, das zum Nachdenken anregt. „Es ist Zeit. Abriss“ lädt ein, sich Zeit zu nehmen, um ins Theater zu gehen.
Spieltage: Freitag, 22. und Samstag, 23. September, 20:30
Theater SPIELRAUM
Kaiserstraße 46
1070 Wien
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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