Was Punk ausmachte und was er überhaupt war: John Robb, Musiker bei The Membranes, legt in seinem neuen Buch "Punk Rock – Die ganze Geschichte" das volle Spektrum dar.
„Es steckte“, so Malcom McLaren, „nicht wirklich ein Plan dahinter, die Sex Pistols anfangs an Kunsthochschulen und nicht in Pubs spielen zu lassen.“ Und weiter: „Es ist halt nur so, dass ich Bier hasse. Und das ist ja das Einzige, was du in diesen stinkenden angelsächsischen Pubs bekommst.“ Klingt ziemlich spießig, wenn man bedenkt, dass es sich hier nicht um irgendwen, sondern um den Godfather of Punk Rock, McLaren himself, handelt: Jenen Mann, der sich Manager der Sex Pistols nennen durfte. Ein definitiv weniger Bekannter namens John Robb, Mitglied der als Wegbereiter des Post-Punk geltenden, 1977 gegründeten Band The Membranes, veröffentlicht dieser Tage ein Werk, das über das vorher erwähnte Zitat weit springt und dem Leser den Punk erklärt: Punk Rock – Die ganze Geschichte erscheint im Ventil Verlag. Robb, aufgewachsen in der britischen Hafenstadt Blackpool, gab bereits sein eigenes Fanzine The Rox heraus, arbeitete in den späten Achtzigern als Journalist für das Sounds-Magazin und gilt als Erfinder des Begriffs Britpop – eine Koryphäe im musikalischen Untergrund, wenn man so will.
„Punk veränderte alles“
Nebst dem Umstand, dass Mick Jones, Ex-The Clash-Gitarrist, Robb als Experten in Sachen Punk ausweist – „John Robb is supremely qualified to talk about punk rock“ – und der eigenen Biografie, wollen die Vorschusslorbeeren gut verteilt sein. Und tatsächlich: Dieses Buch ist, auch wenn es nicht unbedingt Neues vorzuweisen hat, wertvoll und gewinnbringend, denn es kommen eine Menge von Leuten, die mit dieser Musik sozialisiert wurden, ans Wort. Was sympathischer ist, als selbst alle Fakten ohne Reflexion wiederzugeben. So kommen Persönlichkeiten wie Peter Hook (Joy Division, New Order-Bassist), Steve Diggle (Buzzcocks-Gitarrist) und Jaz Coleman (Killing Joke-Sänger) vor, die allesamt ihr mehr oder weniger vorhandenes Wissen ausschütten. Besonders auffallend ist an dieser Stelle jener schöne Effekt, der in zuvor veröffentlichten Büchern über Punk Rock teilweise missachtet wurde: Punk war auch Mythos, stupide Glorifizierung und sinnlose Anbetung. Genauso stimmt aber, was Robb in seinem Vorwort so treffend anmerkt: „Punk veränderte alles. Nicht nur unsere Hosen. Unser Leben.“
Das Buch Punk Rock - Die ganze Geschichte von John Robb ist im Ventil Verlag erschienen.