2007-05-08 07:58:42
Michael Fried, der Chief Commerical Officer von One, ist seit einem Jahr im Amt: Unter anderem sind die Kampagnen "one loves music", "4:0" oder "4 immer" auf seinem Schreibtisch entstanden - der ehemaligen one two sold Gründer im FM5-Gespräch
FM5: Ich möchte mit VOIP und Auslandstelefonie (Roaming) das Interview eröffnen. Die Mitbewerber 3 und A1 haben bereits mit VOIP gestartet. Vor allem in Hinblick auf Datenroaming ist das interessant, da die derzeitigen Datenroamingtarife eine echte Kostenfalle sind. Datenroaming grenzt beinahe an Wucher. Die EU hat jetzt bei Gesprächsroaming Initiative gezeigt, allerdings das Thema Datenroaming wurde ausgespart. Es handelt sich dabei um ein Problem der gesamten Branche. Eure Mitbewerber unterscheiden sich in diesem Punkt nicht oder nur unwesentlich von euch. Wie sieht euer Zugang aus? Um die Frage zu konkretisieren: Wie schaut euer Zugang zu VOIP und eure Einstellung zu Datenroaming aus?
Michael Fried: Das war jetzt ein wenig viel in einer Frage. Aber ich versuche das gerne aufzuschlüsseln:
VOIP ist natürlich ein wichtiges Thema. Ich war ja bevor ich zu ONE kam bei der Telekom und war für aon zuständig. In Tschechien waren wir eine der ersten die mit Czech On Line VOIP kommerziell gelauncht haben. [Anmerkung der Redaktion: Czech On Line ist ein Tochterunternehmen der Telekom Austria.]
Das ist natürlich auch bei ONE ein Thema an dem wir aktiv arbeiten. Doch wenn man sich die Inlandstarife anschaut, weil im Inland werden nun einmal der Großteil der Gespräche abgewickelt, dann wird man sehen, dass die sehr niedrig sind. Nirgends in Europa gibt es solche Tarife wie bei uns. Deshalb ist VOIP, was die Inlandstelefonie betrifft, kein wirkliches Thema, da ohnehin fast alles zu null ist. [Anmerkung der Redaktion: Fried spielt dabei auf die 4:0 und 9:0 Tarife von ONE an.)
Aber im Ausland ist das anders.
Im Ausland macht es Sinn. Dort arbeiten wir auch daran das Richtige zu bringen. Was das Thema Roaming anbelangt, sind wir, wie du richtig gesagt hast, nicht sehr glücklich mit der Liberalisierung. Wobei die Regulierung der EU allerdings absolut nichts mit einer Liberalisierung des Marktes zu tun hat. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn man sich die Inlandstarife anschaut, dann sieht man, dass es keiner Regulierung von außen bedurfte, um billige Tarife zu gewährleisten. Das Gleiche würde auch bei den Auslandstarifen passieren, bzw. passiert bei den Auslandstarifen. Es bräuchte hier keine Regulierung von außen.
Ich gebe dir aber völlig Recht beim Thema Datenroaming. Datenroaming ist absolut prohibitiv teuer. Gerade wir, die bei den Daten mit H.U.I. so auf Kostenkontrolle setzen, finden das nicht gut. Wir sind mit H.U.I. die Einzigen, die ein echtes Kostenlimit eingeführt haben.
Aber das ist kein singuläres Phänomen, das wir beeinflussen können. Wir können Datenroaming nicht abschaffen, da wir alle bilateralen und multilateralen Vereinbarungen mit anderen europäischen Providern brauchen. Da wäre ich über eine Regulierung sehr froh. Wir können nicht den Kunden zum mobilen Internet bringen und sagen mobiles Breitband sei genauso gut wie Festnetzbreitband, nein sogar besser, weil du mobil bist und deine Wohnung nicht aufstemmen brauchst, nicht auf den Techniker warten musst, sondern einfach über plug und play lossurfen kannst. Es kann nicht sein, dass wenn der Kunde oder die Kundin über die Grenze geht, es ihn oder sie eine "Lawine" kostet. Da muss sich definitiv etwas ändern. Ich bin der Erste, der versucht eine Vereinbarung mit den Partnern zu treffen. Nur das ist ganz schwierig.
In Österreich sind die Tarife im europäischen Vergleich sehr billig. Ihr habt nun noch einmal nachgelegt mit eurer Kampagne 4 immer. Soll mit 4 immer der Speck nun endgültig weg?
Der Speck hängt in Wahrheit allen schon bei den Ohren raus. Den Speck gibt es mittlerweile schon über 1,5 Jahre. Es wäre schon längst an der Zeit.
Mir ist aufgefallen, ihr seid eine der wenigen die für Lesben und Schwule Angebote setzen. Beispielsweise mit eurem Rainbow Package.
Es passt einfach gut zur Marke ONE, weil ONE sich immer etwas abgehoben hat. Du brauchst dir nur unsere Art der Kommunikation und die Art der Werbung der letzten zehn Jahre ansehen. Die war immer anders. Die ist nie Mainstream gewesen. Wir waren nie die großen Monopolisten, Traditionalisten oder Konservativen. Wir waren immer ein wenig anders. Das hat sich nicht nur im Logo oder in der Marke manifestiert, darauf baut das Image von ONE auf. Von ONE hat man immer verlangt die absolut Fairsten zu sein und das war auch unser Anspruch. Von der Aufmachung her sind wir eher eine urbanere und hippere Marke als T-Mobile und die Mobilkom.
Du hast vorhin die Werbung angesprochen. 4:0 hat eine relativ aggressive Werbekampagne gegenüber Mitbewerbern gefahren. Gibt es so was wie Ethik in der Branche?
Das war nicht aggressiv sondern vergleichend. Die aggressive Kampagne war die Kampagne davor, die Schluss mit wenig, her mit mehr. Die war auch aggressiv gegenüber uns selbst. Die war trashig. Das hat nicht zu ONE gepasst. Aber eine vergleichende Werbung mit einem gewissen Maß an Augenzwinkern und ein wenig "Spaß" dabei – und das wurde uns von allen Seiten zugestanden, dass sie humorvoll ist - ist okay. Vor allem, wenn die anderen bei ihren objektiven Schwächen abgeholt werden, wovon unsere Produkte sich einfach unterscheiden.
Darf es dann einen wundern, dass Gerüchte über ONE nicht verstummen wollen. Ich denke da an EON, die Buchstaben braucht man ja nur ein wenig anders anordnen und man hat den Namen ONE schon wieder; verwundert es einen dann, dass solche Gerüchte nicht verstummen wollen?
Wenn es das ist, womit sich die Konkurrenz hilft, mit Gerüchten gegen gute Produkte und gute Werbung ins Feld zu ziehen, über einen etwaigen Verkauf zu spekulieren, dann ist das ein Konter, den wir einfach mal so hinnehmen.
Nächster Punkt: ONE loves Music. ONE hat auch früher bereits Musik gemocht, allerdings ist es in den letzten Kampagnen gelungen, zumindest meiner Meinung nach, zu emotionalisieren. Andererseits nutzen nur zehn Prozent der ONE Kunden das Musikangebot.
Nein, das stimmt nicht ganz. Zehn Prozent der Nutzer haben das Angebot 4:0 Music gewählt. Aber es gibt natürlich viel mehr. Wir sehen das ja auch bei der Ladezone und bei den Downloads. Das sind bei weitem mehr Leute, die darauf zugreifen. Natürlich würden wir uns noch mehr wünschen. ONE loves music, wir haben beispielsweise unter anderem die vier größten Musikfestivals unterstützt.
Das wollten wir einfach einmal in einer guten Kampagne, mit einem guten Piktogramm, mit einem Fingerbreakdance Contest, mit Vereinbarungen mit den Labels auch manifestieren, nämlich dass wir zur und auf Musik stehen.
Ihr habt den Ö3-Soundcheck unterstützt. Wir steht ihr zur österreichischen Musik?
100 prozentiges Commitment zur österreichischen Musik. Als ich noch jung war, ich glaube meine erste LP war der Zentralfriedhof, fand ich österreichische Musik immer ziemlich cool.
Als nächstes Stichwort habe ich mir H.U.I-Apple aufgeschrieben. Eure mobilen Breitbandprodukte sind bereits jetzt kompatibel mit Apple. Ihr seid da glaube ich die Einzigen, die ihre Endgeräte darauf ausgelegt haben. Gibt es HUI-Apple? Gibt es konkrete Überlegungen? Weil das Design schaut nach Apple aus, die Endprodukte sind schon darauf ausgelegt. Kommt der nächste Schritt? Gibt es da schon Überlegungen?
Es gibt viele Gemeinsamkeiten mit Apple, ohne mich mit Apple vergleichen zu wollen. Apple ist ein anderes Kaliber. Vom Markenimage, von der Aufmachung und von der Coolness kann man von Apple viel lernen. ONE ist sehr wohl bestrebt mit Apple noch näher zusammen zu arbeiten. Ich finde das i-phone gut, ich finde die i-pods sensationell und finde gut, was Apple im Bereich Musik gemacht hat. Da kann man viel lernen.
Ein Stichwort, was ich mir für die gesamte Branche aufgeschrieben habe ist die 24 Monatsbindung. Es hat alles Mal mit zwölf Monaten begonnen. 12-24-36. Ist das nicht schon ein wenig viel im Sinne des Konsumentenschutzes?
Also die 36 Monate sind eine Hypothese, die sich bis jetzt noch nicht bewahrheitet hat. Genauso wie bei der Taktung. Da geht es auch nicht mehr weiter. Deswegen glaube ich, dass die 24 Monate durchaus etwas sind, womit man leben kann und soll. Der Kunde erwartet sich ja auch eine gewisse Handset-Stützung. Der Kunde ist mittlerweile gewöhnt, dass er die meisten gebräuchlichsten Handys zu 0 Euro bekommt. Das kann ich natürlich nur machen, wenn ich eine gewisse Bindung habe. Ich kann nicht einerseits etwas herschenken und auf der anderen Seite keinerlei Bindung mit dem Kunden haben. Das geht sich nicht aus. Wenn es ein anderes erfolgreiches Modell gegeben hätte, dann wäre es auch okay.
Es gibt außerdem sehr wohl „prepaid“ oder „sim only“. Die Bindung ist ja nur dann, wenn ich eine Handset-Unterstützung haben will. Bindung ist immer verbunden mit "Sie bekommen ein neues Handy".
Im zweiten Teil des Interviews möchte ich ein Jahr Fried bei ONE und Ihre Person als solches vorstellen. ONE Two Sold, die Telekom, Vorstandsmitglied der Internet Provider Austria, Entwicklungen des Internets oder Second Life sind nur einige Stichworte, die ich mir notiert habe. Kommen wir zum Bereich Internet. Was waren Ihrer Meinung nach die Meilensteine des Internets der vergangenen Jahre? Zweite Frage, was sind die Herausforderungen der kommenden Jahre?
Zur Entwicklung des Internets: Vor zehn Jahren haben die meisten Österreicher begonnen Modemanschlüsse zu installieren. Für die Jüngeren waren das die ersten Gehversuche im Internet. Jeder hat auch heute noch diesen Ton im Ohr, wenn die Modemverbindung aufgebaut wurde. Da hat sich in diesen zehn Jahren ungeheuerlich viel getan.
Im Internet sind einige Marken entstanden, die einen wahnsinnigen Wert und auch eine wahnsinnige Macht erzielt haben. Ich nehme jetzt nur mal wahlweise e-bay, yahoo und google heraus. Jede Marke für sich ist irrsinnig stark. Sie haben ein Geschäftsmodell entwickelt, das nicht nur in der viralen, virtuellen Welt, sondern auch in der realen Welt und der Welt der Börse eine wichtige Rolle spielen. Man braucht sich nur die Marktkapitalisierung anschauen und was diese Firmen gemacht haben.
Es war mit die Zeit wo wir ONE Two Sold aufgebaut haben. Bet and win ging gerade an die Börse als wir ONE Two Sold online gebracht haben. Wir haben natürlich gedacht, dass wir damit reich werden. Ein Konsortium rund um ONE Two Sold hat damals das Dorotheum übernommen, was für Furore gesorgt hat, immerhin eines der größten Auktionshäuser der Welt. Das war schon eine Story die ganz schön interessant war. Dann kam das große Reinstechen in die Blase und alles ist irgendwie den Bach runtergegangen.
Das hat sich mittlerweile gefangen. Es hat sich soweit gefangen, dass Firmen übrig geblieben sind, die heute in allen Varianten des Lebens eine Rolle spielen. Wer hat noch nicht google beim Surfen benutzt, wer hat noch nicht mal irgendwas er- oder versteigert, oder auf amazon etwas gekauft? Das geht weit darüber hinaus, was mit einem globalen Konzern hätte bewegt werden können. Gerade in der jüngeren Generation oder "jung gebliebenen Generation" war es die Entwicklung schlechthin. Es ist die Entwicklung, die uns am meisten in irgendeiner Form bewegt hat.
Bezüglich des Internets muss ich sagen, dass ich leider nicht der Horx bin.
Die Herausforderung des Internets wird sicher sein, es wirklich allen zur Verfügung zu stellen und hier die Barrieren abzubauen. Das ist sicher etwas, was einem ein Anliegen sein muss, wenn man an die etwas anarchistische Macht des Internets glaubt. Es ist eine Entwicklung, die wirklich allen Menschen offen stehen sollte. Das Internet wird sicher noch mehr in die reale Welt eingreifen. Wir werden einfach alles mehr oder weniger vollautomatisiert erledigen können, wenn wir das wollen. Ich weiß nicht, ob es irgendwann eine Geißel sein wird oder nach wie vor etwas worüber wir uns freuen. Keine Ahnung, das wird von der Entwicklung abhängen und da muss jeder auch mündig sein.
Zu Second Life: Das ist eine Entwicklung die mich absolut fasziniert. Ich kann zwar persönlich einerseits nicht wirklich wahnsinnig viel damit anfangen. Es ist eine Kommunikationsform, die man beachten muss, da es offensichtlich ein großes Produkt werden könnte. Vielleicht bin ich auch schon zu alt dafür.
Persönliches Profil:
Ich höre gerne…. Joss Stone, India Arie und ähnliches
Arbeit bedeutet mir…. Spaß und Erfüllung
Wichtig ist mir…. Mein Sohn, Sport und Humor
Freizeit ist für mich…. Essentiell
Lieblingsbuch… In eisigen Höhen von John Krakauer, aber auch Ödon von Horvàth oder Klassiker wie Der Alchemist etc. und Allende.
Folgendes möchte ich noch erreichen…. Ich habe relativ lange in Lateinamerika gelebt. Meine große Passion ist reisen. Ich möchte noch viel mehr von der Welt sehen. Die Welt niederreißen, beruflich und privat, möchte noch einiges im Sport erleben, einen gesunden und vor allem glücklichen Sohn miterziehen, möchte möglichst viele Leute glücklich und möglichst wenig unglücklich machen und möchte bei dem allen möglichst alt werden und Spaß am Leben haben. Sorry, das war jetzt ein bisschen viel.
Zum Schluss die nüchterne Bilanzfrage: Ein Jahr, wie fällt die Bilanz aus?
Ein wildes, brutales, interessantes, supererfolgreiches Jahr, das mich vielen grauen Haaren nicht nur näher gebracht hat, sondern dem wirklich zuträglich war. Ich bin stolz, was wir alle gemeinsam bei ONE zu Wege gebracht haben, dass wir die Marke so in den Wind gesetzt haben, dass wir wirklich die Alternative am österreichschen Markt sind, dass wir uns dem Thema Musik noch mehr verschrieben haben, dass wir möglichst lange weiter so erfolgreich bleiben wie wir das jetzt gerade sind.
Danke für das Interview!
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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