2007-04-02 00:11:07
Wenn die Sonne gerettet wird, das erste richtige Liebeslied erklingt und noch einmal in der Villa am Strand geschlafen werden muss, bevor der Vorhang für die Monika Tanzband aufgeht, dann ist es so weit und Anajo ist "Nah Bei Mir".
Seit geraumer Zeit dreht das Debüt-Album der dreiköpfigen Formation aus Augsburg - das ich an dieser Stelle zur Indie-Pop Hochburg Deutschlands erkläre – in meinem CD-Player beinahe eine Endlosschleife und ist somit – wie der Name des Albums schon sagt – „Nah Bei Mir“
Bei "Anajo" handelt es sich um Oliver Gottwald (Gesang), Michael Schmidt (Bass) und Ingolf Nössner (Schlagzeug), die bereits seit 1999 in der Popkiste kramen.
Durch den bereits veröffentlichten Song „Ich hol dich hier raus“, der an die TV-Krimiserie von „Ein Fall für zwei“ angelehnt ist, machten die Jungs auf sich aufmerksam. Zu diesem Lied möchte ich kurz etwas loswerden: Jedes Mal, wenn ich es höre, sehe ich Matula, den – meiner Meinung nach – coolsten Privatdetektiv der deutschen TV-Geschichte mit seiner Lederjacke vorbeiflitzen. Der pure Wahnsinn!
Nach „Ich hol dich hier raus“ und zahlreichen Auftritten auf diversen Festivals präsentieren die Jungs von "Anajo" nun ihr Debüt-Album, und versuchen somit den Schritt aus der One-Hit-Wonder-Ecke – in der schon viele Bands hängen geblieben sind – zu bewältigen. Und sie schaffen es – das sei hier vorweggenommen - mit Bravur.
Die 14 teils alten, teils neuen Tracks erscheinen am 11. Oktober auf „Tapete Records“.
Die Lieder auf „Nah Bei Mir“ klingen sehr kompakt, seelenverwandt und haben eines gemeinsam: Sie wirken vorerst harmlos und unspektakulär, aber beim zweiten oder spätestens dritten Mal hören entpuppen sie sich als Ohrwürmer, die man nur schwer aus dem Gedächtnis – falls überhaupt erwünscht – verbannen kann.
Die so wichtigen Stützen des musikalischen Grundgerüsts werden von Gitarre, Bass und Schlagzeug gestellt. Gesichert wir das Ganze durch den Gesang von Oliver Gottwald, dem es mit unwahrscheinlicher Manier geling, ein positives Gefühl im Hörer zu wecken. Ja, ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Er vermittelt unweigerlich ein Gefühl der Hoffnung.
Das zum Indie-Pop gehörende elektronische „Gepiepse“ darf natürlich auch bei "Anajo" nicht fehlen. Dieser, für derartige Bands beinahe schon obligate Sound sei ihnen aber verziehen, da meiner Meinung dieser „Tonirrtum“ bereits von vielen anderen Bands weitaus schlechter und in einer noch unhörbareren Art & Weise eingesetzt wurde. Bei „Anajo“ hingegen wirkt es weniger peinlich, da es im Gegensatz zum druckvollen Bass nur als Randerscheinung auftritt.
Bei „Villa am Strand“ wird die „Seemannsromantik“ ausgepackt. Zu hören ist Meeresrauschen, Vogelgezwitscher und eine aus der ferne klingende Harmonika, die durch die Meeresströmung ans Land gespült wird. Bei „Lass uns sein, was wir sind“ und „Mein erstes richtiges Liebeslied“ fühlt man sich irgendwie mit „Anajo“ im Einklang, da sich jeder von uns – und das nehme ich jetzt einfach mal an – schon einmal mit den ersten Herzschmerz-Angelegenheiten herumschlagen musste/durfte
Das ist auch der Grund, warum die Texte allesamt erlebt wirken: Und ich weiß, dass es heißt – wenn man weint, ist man nicht alleine – und so schleicht dann zumeist nur die Katze um meine Beine – und ich weiß, dass es heißt – wenn man weint, ist man nicht alleine – das ist dreist, das du’s weißt – denn die Tränen sind immer noch meine.
Das Rad der Musik haben die sympathischen Jungs auf keinen Fall neu erfunden. Vielmehr gelingt es ihnen, die Sonne – vor dem mit großen Schritten herannahenden Winter – zu retten. Und falls ich die nötige Wärme brauche, dann leg ich einfach „Nah Bei Mir“ von „Anajo“ ein und lasse die Sonne ganz einfach in mein Herz rein.
Natürlich werden die Jungs aus Augsburg auch Live ihr Debüt-Album zum Besten geben:
10.11.04 - Wien, Chelsea
11.11.04 - Graz, Arcadium
12.11.04 - St. Pölten, Warehouse
16.11.04 - Salzburg, Rockhouse mit Virginia Jetzt
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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