2007-04-02 00:10:15
Musik, die nicht gehört wird, existiert nicht, so banal ist es, sagen die Verantwortlichen des Musikfonds. Der Musikfond soll dem Abhilfe schaffen. Doch nicht jeder, der dieser Philosophie folgt und sich für die Förderung österreichischer Musik einsetzt, wird Förderungsmittel aus dem mit 600.000 Euro jährlich dotierten Fond bekommen. Der Musikfond fördert ausschließlich Projekte von künstlerischen Produzenten.
Die Rahmenbedingungen
Nur 15 Prozent der heimischen Produktionen erreichen den Break-Even Point. Um Kosten zu senken und um größere Marktchancen zu haben, wandern immer mehr KünstlerInnen ins Ausland ab. Es wird in Studios in Schweden, Norwegen oder Deutschland aufgenommen. Österreich soll aber nicht zum Vertriebslager werden.
Der Musikfonds ist eine Initiative zur Förderung professioneller österreichischer Musikproduktionen, um damit ihre Verwertung und Verbreitung zu steigern und Österreich als Kreativstandort zu stärken.
Der Österreichische Musikfonds steht allen musikschaffenden Urhebern, Interpreten, Musikproduzenten, Musikverlagen und Labels offen. Die jährliche Dotation des Fonds beträgt 600.000 Euro.
Musik, die nicht gehört wird, existiert auch nicht
Dieser Satz vom Podium prägte sich bei mir sofort ein. Vom reinen Marktdenken stimmt dieser Satz natürlich. Wenn viele Personen ein Lied kennen und ihnen dieses gefällt, dann gehen sie auch zu den Konzerten von der jeweiligen Band, die eben dieses Lied geschrieben hat. Das stimmt, auch wenn man als gewisser Idealist, der man vielleicht doch auch sein möchte, vermutlich auf den ersten Blick Probleme damit hat.
Probleme werden übersehen
Bei der Musik ist die Produktion, im Vergleich zum Film, nicht unbedingt so teuer. Ein sehr entscheidender Punkt ist die Vermarktung. Denn was nutzt es, wenn es keiner hört. Worte, die im Übrigen die Initiatoren in den Mund genommen haben.
Laut Auskunft des Musikfonds sind bei der Einreichung für die Jury die zu garantierenden Marketingmaßnahmen des künstlerischen Produzenten ein wichtiger Punkt, der für die Gewährung von Fördermaßnahmen unumgänglich sein wird. Doch wie er diese garantieren soll, ist fraglich. Kommt das nicht vielmehr einer Absichtserklärung gleich? Das Produkt darf ja für die Einreichung bei weitem nicht fertig sein.
Es ist für die KünstlerInnen entscheidend, dass Labels und Vertriebsstrukturen auch die Möglichkeit haben, riskante Dinge zu versuchen, denn ansonsten bleibt deren Musik, wie das die Intitiatoren ja selber beschreiben, ungehört und ohne Wert.
Was man sich wünschen würde...
Beim Studieren der Formulare drängt sich der Eindruck auf, dass nur Dinge gefördert werden, wo Mitglieder der Unterstützungsorganisationen auch einen realen Benefit haben. Da es sich hier um sehr traditionelle Organisationen handelt, bleiben innovative Ideen einfach unberücksichtigt. Über die Möglichkeiten der Förderung für Projekte, die auf Technologien wie Podcasting oder diversen anderen Netzstrukturen aufbauen, scheint nicht ausreichend nachgedacht zu werden. Vielleicht ist es noch niemanden aufgefallen, wie viele Leute mit iPods herumlaufen. Ich will gar nicht fragen, woher die Musik kommt, die Mann/Frau hier hört.
Fazit
Der österreichische Musikfonds stellt eine einzigartige Bereicherung dar. Die Kritik am Musikfonds entsteht teilweise deswegen, weil man sich darunter einfach mehr vorstellt. Die Bezeichnung sollte richtigerweise Österreichischer Musikfonds der künstlerischen Produzenten heißen. In diesem Bereich wird er sicher eine Bereicherung darstellen und auch vieles ermöglichen. Vor allem ist so was meines Wissens einzigartig in Europa. Allen Raunzern soll gesagt werden: Sind wir doch froh, dass wir in Österreich wenigstens diesen Fond zusätzlich zur SKE haben. Es haben sich vermutlich einige Leute dafür den Arsch aufgerissen, um das zu ermöglichen.
Vielleicht könnte man nach der zweijährigen Testphase dieses Fonds bei den zu entscheidenden Stellen andenken, den Musikfonds auch für andere Felder zu öffen, denn eben diese sind entscheidend für die KünstlerInnen und den Musikstandort Österreich. Dieser Wunsch soll und darf artikuliert werden.
Außerdem hat die Errichtung dieses Fonds bereits positive Auswirkungen gezeigt. Die Verantwortlichen unter anderem verschiedenster Indie-Labels sind an einem Tisch gesessen und haben gemeinsam gearbeitet - und nicht, wie sonst leider oft üblich, gegeneinander!
Einreichfrist 1./2. September
Nutzt die Chance. Studiert die Formulare und erkundigt euch, was möglich ist, das ist ein erster Schritt! Es liegt auch an eurer Selbstverantwortung. Die Musikfonds sind eine mögliche wertvolle Unterstützungsleistung.
Diskussionspunkt: Der klassische Song ist tot?
"Der klassische Song ist tot - es lebe Musik als Baustelle. Der italienische Rapper Jovanotti (in seiner Heimat immerhin noch klassischer Hitfabrikant) glaubt nicht mehr an Kategorien wie 'Album' oder 'Lied'." (Quelle: http://www.orf.at/050707-88884/index.html)
Das Internet und andere Technologien haben die Möglichkeiten und den Zugang zur Musik verändert. Können Förderungsstrukturen diesen Mechanismen überhaupt angepasst werden?
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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