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musik

Muse: Schwarze Löcher und musikalische Offenbarungen

2007-04-02 00:12:12

Gibt es eine Band, die es schafft, so unterschiedliche Einflüsse wie Queen, Radiohead, Metallica, Depeche Mode, Morricone, Bach und Grieg unter einen Hut zu kriegen? Willkommen bei „Black Holes And Revelations“, dem neuen Album von Muse!

“(You set my soul alight)
Glaciers melting in the dead of night
And the superstars sucked into the supermassive” (Supermassive Black Hole)
 
Chris Wolstenholme, Matthew Bellamy, Dominic Howard (v.l.)
(c) http://www.microcuts.net/
 
 „Ihr wollt doch nicht etwa Queen Konkurrenz machen?“, wurde Muse-Bassist Chris Wolstenholme angeblich von seiner Freundin gefragt, als sie die ersten Resultate des neuen Albums „Black Holes And Revelations“ zu hören bekam. Ein gute Frage, denn was das Trio hier fabriziert, klingt mit den 15-stimmigen Chören, den dutzendweise übereinander getürmten Gitarren und dem bombastischen Schlagzeugsound streckenweise tatsächlich wie eine Blaupause der britischen Rocklegende. Dabei ähnelt Matthew Bellamy´s wehklagende Stimme ja wesentlich mehr einem Thom Yorke als einem Freddie Mercury ähnelt, womit wir beim zweiten großen Einfluss, nämlich Radiohead, sind.
  
Bellamy hatte schon immer was für Klassik über, so verwundert es nicht, wenn die Synthesizer-Melodiebögen des wuchtigen Eröffnungstitels „Take A Bow“ an Bach oder Grieg´s Peer Gynt Suite erinnern. Dagegen klingt das nachfolgende, poppig-eingängige „Starlight“ wie ein sommerlich leichter Cocktail. Die erste Singleauskoppelung „Supermassive Black Hole“ tanzt ebenfalls angenehm aus der Reihe und tönt dank Bellamy´s Falsett-Gesang im ersten Moment gar nicht wie eine typische Muse-Nummer. Der supercoole, lässig dahingroovende und sehr tanzbare Song ist einer der Höhepunkte inmitten des Bombast-geladenen Albums. Apropos aus der Reihe tanzen, wenn man das Album in einem Durchgang anhört, tut man sich schwer, einen einheitlichen Stil herauszuhören, da scheinbar jede Nummer aus dem Rahmen fällt. Ein stiller zerbrechlicher Song wie „Soldier's Poem” mit Beserlschlagzeug und verhaltener Akustikgitarre steht da etwa im Kontrast zum Metal-Kracher “Assassin“, das klingt, als würden sich Metallica am Knight Rider Thema vergehen. „Invincible“ wiederum beginnt als wehmütige Ballade und bäumt sich langsam zu einem Rockmonster auf, während „Map Of Problematique“ sehr nah an Depeche Mode heranreicht.
Die Texte auf „Black Holes And Revelations“ bewegen sich zwischen Lovesong, Science-Fiction und Kritik an politischen Systemen. Oft geht es dabei um den Kampf des Einzelnen gegen ein großes, ungerechtes Regime.
 
 “War is overdue
The time has come for you
To shoot your leaders down
Join forces underground“ (Assassin)
 
 „City Of Delusion“ sorgt dann schließlich mit Flamencogitarren, Mariachi-Trompeten und folkloristischen Streichern überhaupt für komplette Verwirrung. Stilistisch scheinen die letzten drei Songs „City Of Delusion“, „Hoodoo“ und das ausufernde „Knights Of Cydonia“, eine Mischung aus Morricone und „Bohemian Rhapsody“, untrennbar zusammenzugehören und sich vom Rest des Albums als eine Art „Mini-Western-Spacerock-Oper“ abzuheben. Sollte Quentin Tarantino mal einen Western drehen, hier wäre der perfekte Soundtrack dafür.
 
 Alles in allem klingt das Album klingt so, als hätte Songschreiber Bellamy sich die Narrenfreiheit genommen, all seine zum Teil wahnwitzige und skurrile Ideen und Einflüsse in einen Topf zu werfen und zu einem bunten, musikalisch 1a umgesetzten Kaleidoskop zu vermischen. Herausgekommen ist ein verrücktes und – wie kann es anders sein - inhomogenes Werk. Doch bei allem Wirrwarr: fad wird einem bei diesem Album garantiert nicht, und damit haben sie gegenüber vielen anderen Bands schon mal eine Nase voraus.
 

Live könnt ihr Muse übrigens am 17. August als Headliner am 1.Tag des FM4 Frequency Festivals in Salzburg sehen !


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