Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

musik

Multilinguale Laszivität

2007-04-02 00:10:51

Mit ihrer Stammformation Cobra Killer schüttet sie sich schon mal einen Rotwein über ihr Haupt, auf ihrem zweiten, neuen Soloalbum „Trust me“ geht es die Berlinerin Annika Line als Trost gemütlicher an.

„We played a couple shows these few nights in Germany with a band called Cobra Killer that completely knocked us out…It `s two girls, a sampler, and it was just phenomenal, like two of the most inspiring shows on a lot of different levels. I really loved it.” Wenn solche Worte aus dem Munde von Thurston Moore, der inzwischen auch schon etwas älter gewordene Gitarrist und Sänger der immens wichtigen New Yorker Band Sonic Youth, fließen, muss das wohl oder übel mit der Wahrheit kollidieren.

Rotwein, lass` es sein…
Die 1977 in Berlin geborene Annika Line, die sehr bald begann, die hohe Kunst des Schlagzeugspiels zu erlernen und Punk zu hören, ist hauptsächlich als ein Teil des exzentrischen Electronic-Punk-Duos Cobra Killer bekannt. Dort fröhnt sie dem ausgelassenen, ja exzessiven Bühnenschauspiel, dessen Kunst sie so hoch treibt, dass sie sich auch mal einen Rotwein über ihren Kopf schüttet. That `s business, baby! Dieser Tage veröffentlicht sie jedoch unter dem Künstlernamen Trost ihre bereits zweites Soloalbum namens „Trust me“, auf dem sie eher gemütlichere und sachlichere Töne anschlägt. Ohne Elektronik – man versteht sich! Denn auf diesem sind 12 wunderbare, nüchterne bis sterile Soundproduktionen zu finden. Einmal zweifelt Line an sich selbst und gibt sich in dem Lied „I was wrong“ radikal selbstkritisch: „The nightclub was wrong, my shoes were wrong, my lipstick was wrong, the taxi driver was wrong, the conversations are wrong…my behaviour was wrong…“. Aber einmal – und das ist wohl das schönste Mal – , gleich zu Beginn, kramt sie tief in ihrer Befindlichkeitskiste und macht einen auf Western: “Die Nacht ist kalt, doch sie ist noch nicht vorbei – Cowboy – sie suchen dich nicht und du wirst auch nicht gefunden – Cowboy – das Glas ist leer und die Wüste ist endlos weit…Cowboy, wo ist dein Pferd?...” („Cowboy“). Wenn das nicht überzeugt, wie wichtig das Soloprojekt Trost ist…


Sich räkeln bis die Knie schwarz werden... Foto: Four Music

Mit Hirn, Charme und Räsonen
Das mit hoch angesehenen Musikern – u. a. Tom Carlyoin (The Devastations), F. J. Krüger (Ideal) und Thomas Wydler (Nick Cave And The Bad Seeds) – eingespielte Album weiß definitiv mit wohltuenden Klängen inklusive einer überbordenen Ladung an schmeichelnder Laszivität zu gefallen. Im Pressetext zu ihrem Album steht: „Sie schafft es jedenfalls trotz aller musikalischer Modernität, trotz der urbanen Rhythmen, Momente von Geborgenheit und die Farbe der Unschuld ins Licht zu rücken.“ Das bringt es mit aller Klarheit auf den Punkt. Was dabei auch noch herausragt, ist die bewusst von Annika Line eingesetzte Multilingualität: Die deutschen („in diesem raum“, „cowboy“), englischen („this strange someone“, „i was born“, usw.) und die französischen („ sans ta scie“ und „guy le superhero“) zeugen davon. Das zielt wahrscheinlich auf eine opulente Aushöhlung der Sprache an sich ab und bringt (wieder einmal) den Sex-Appeal der französischen Sprache vor. Je suis Pop!

Auf jeden Fall ist Annika Line die Frau, mit der man spätabends an einer Bar über mögliche Liebes- oder/und andere Probleme reden will. Weil sie (davon) eine Ahnung hat.


Printer Icon



AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

Newsfeed Icon Newsfeed von Johannes Rausch abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop