2007-04-25 22:01:22
Virginia Woolfs vierter Roman wurde 1925 in Woolfs eigenem Verlag The Hogarth Press veröffentlicht
Mrs Dalloway sagte, sie wolle die Blumen selber kaufen. Denn Lucy hatte genug zu bestellen. Die Türen würden aus den Angeln gehängt werden; Rumpelmeyers Leute kämen. Und dann, dachte Clarissa Dalloway, was für ein Morgen - frisch, wie geschaffen für Kinder am Strand.
Was für ein Vergnügen! Was für ein Sprung! Denn so war es ihr immer vorgekommen, wenn sie, mit einem leichten Quietschen der Angeln, das sie jetzt hören konnte, die Fenstertür zum Garten aufgerissen hatte und in Bourton ins Freie gesprungen war.
Als Virginia Woolf 1922 ihren ersten experimentellen Roman Jacob’s Room abschloss, schwirrten in ihrem Kopf bereits Ideen für das nächste Projekt. Dennoch machte sich die Autorin Gedanken, wie die Masse ihren ersten Experimentalroman aufnehmen würde.
Wenn es heißt, es sei ein geschicktes Experiment, werde ich Mrs Dalloway in Bond Street als Ergebnis vorzeigen.
Ein Jahr später hatte Woolf bereits ein fixes Konzept. Sie wollte Leben und Tod, geistige Gesundheit und Wahnsinn zum Ausdruck bringen, Kritik am Gesellschaftssystem üben und es in Aktion vorführen.
Die Arbeit erwies sich jedoch als quälend, die Autorin kam nur sehr langsam voran. Am 8. Oktober 1924 war das Buch fertig. Für Woolf eine besondere Glanzleistung, da sie während der intensivsten Phasen des Schreibens nicht krank wurde (was ungewöhnlich für Woolfs labile Psyche war). Der Prozess des Schreibens dauerte sieben Monate und wurde auch durch keine anderen schriftstellerischen Aktivitäten Woolfs unterbrochen.
Das Werk erschien am 14. Mai 1925 in Woolfs eigenem Verlag The Hogarth Press. Die am selben Tag erschienene amerikanische Ausgabe musste bereits im Mai und im August nachgedruckt werden.
Inhalt
Die Handlung ist auf einen Tag im Juni 1923 beschränkt. Der Ablauf des Tages bildet das Grundgerüst für den Roman. Immer wieder schweifen Clarissas Gedanken ab und nur durch die Glockenschläge des Big Ben wieder zurück in die Realität geholt.
Mrs Dalloway bereitet ein Abenddinner vor. Es ist nicht ihr erstes, das Ehepaar Dalloway gibt öfters Abendgesellschaften. Doch diesmal ist Clarissa Dalloways Jugendliebe Peter Walsh als Gast geladen.
Der zweite Protagonist ist Septimus Warren Smith. Seine Zukunft wurde durch ein Kriegserlebnis zerstört. Der traumatisierte Smith findet nicht zurück in die Realität und verfällt dem religiösen Wahn. Auch die Heirat mit einer jungen, lebenslustigen Frau kann Smith nicht helfen. Durch ein Ungeschick des Arztes wird der Mann schließlich in den Selbstmord getrieben.
Clarissa Dalloway und Septimus Warren Smith sind einander nie begegnet, dennoch ähneln sie sich in ihren Charakterzügen. Der behandelnde Arzt von Smith ist Gast bei Clarissas Gesellschaft. Als sie vom Selbstmord des Unbekannten erfährt, werden der Frau ihre eigenen unerfüllten Wünsche und Ziele bewusst.
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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