2008-04-24 12:20:56
Anthropomorphe Geschichten gab und gibt es immer wieder. 'Mouse Guard" von David Peterson greift diese Thematik erneut auf und erzählt die kühne Sage einer Mäusesiedlung, die sich mit gewohnt menschlichen Problemen herumschlagen muss.
Sie leben versteckt, halten ihren Lebensraum und ihre Territorien verborgen und geben sich ansonsten auch sehr bedeckt.
Die Mäuse von Lockhaven, einer Siedlung im Inneren eines Waldes, gehen ganz gewöhnlichen Tätigkeiten und Berufen nach: Textilien fabrizieren, Korn ernten, Nahrung sammeln und herstellen, Töpferwaren für den Gebrauch anfertigen, Waffen und Rüstungen schmieden oder die Stadt bewachen.
Im Mittelpunkt von Herbst 1152 stehen allerdings die wagemutigen Nager Saxon, Lieam und Kenzie, die auf den Weg geschickt werden um einen ihrer Getreidehändler aufzusuchen, der von seiner Reise nicht mehr zurückgekehrt ist.
Wurde er getötet, entführt, ist er noch am Leben? Und wenn ja, wo steckt er?
Die drei Wachtmäuse brechen auf um die Situation aufzuklären.
Als sie den Karren finden, fehlt von der Maus jede Spur. Trotzdem machen sie schnell Bekanntschaft mit der Ursache, die für das Verschwinden verantwortlich ist: Eine giftige Schlange, die auch ihnen nach dem Leben trachtet, hat ihren Kameraden getötet und gefressen.
Nach dem Kampf machen die Nager eine noch viel schlimmere Entdeckung: Sie finden eine Karte mit dem Plan ihrer Heimatstadt, die der Händler wahrscheinlich jemandem verkaufen wollte. Das ist Hochverrat, schließlich ist es verboten einen Lageplan außerhalb der Stadt zu transportieren oder bei sich zu tragen, der Sicherheit wegen.
Die drei Wachtmäuse beschließen, dieser rätselhaften Sache nachzugehen und ahnen noch nicht, dass von ihresgleichen bereits ein Machtkomplott geschmiedet wird.
"Eine Maus sollte nie die Klinge gegen eine andere Maus ziehen. Es gibt genug Bedrohungen von außen."
Das ist nur der Anfang einer liebevoll gestalteten, in der Zeit des Mittelalters spielenden Fabel, die Fantasy-Elemente aufgreift, ohne sich vollkommen darin zu verlieren oder sich mit allzu viel Ballast aufzuschmücken.
Vielmehr werden die Gefahren und Tücken, aber auch die Kultur und die Art des mäuslichen Daseins präzise und klar vermittelt, ohne dass die Realität mit Füßen getreten wird.
Ob Angriffe von giftigen Schlangen, eine Invasion von Riesenkrebsen, die nur so riesig scheinen weil die Perspektive eben den Mäusen gehört, oder ein Verrat aus den eigenen Reihen, die Vielfalt der Themen ist zweifellos menschlicher Natur.
Die Tiere werden als intelligente und scharfsinnige Wesen dargestellt, die sich untereinander verständigen können, die aber auch kämpfen können und müssen, weil sich ihre monarchisch geleitete Welt in eine düstere Dystopie zu verwandeln droht. Die Tradition soll gewahrt bleiben, der Zyklus des Lebens nicht unterbrochen werden.
David Peterson illustriert den ersten Band um seine Mäusebande sehr klassisch und sparsam, hinzu gesellen sich passenderweise herbstliche Farben, wie der Titel es schon verspricht, die das wechselhafte Geschehen vortrefflich untermalen.
Mouse Guard steht in Tradition von Werken wie Unten am Fluss (Watership Down) von Richard Adams, Animal Farm von George Orwell oder dem Zeichentrickfilm Als die Tiere den Wald verließen (The Animals Of Farthing Woods von Colin Dann), den viele in ihrer Kindheit sicherlich schon einmal gesehen haben.
Um seine Gedanken und Erinnerungen aufzufrischen, eignet sich Mouse Guard vortrefflich.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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