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Mother Tongue - Follow The Trail

2008-02-07 13:47:25

  • The Mother Tongue Follow Trail
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  • bryan Mother Tongue Tulao
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Manchmal verbreiten sich Nachrichten wie ein Lauffeuer, andere Male bleiben sie im Stillen verborgen. Diese erfreuliche Neuigkeit muss schleunigst publik gemacht werden: Mother Tongue haben ein neues Album. Totgesagte leben eben länger.

Zeit ist ein seltsames Konstrukt.
Manchmal scheint sie gar nicht vergehen zu wollen, läuft ab wie eine Sanduhr. Gelegentlich gleitet sie einem auch sprichwörtlich aus den Fingern. Für Fans der amerikanischen Band Mother Tongue dürfte es der erste Fall sein.

Mut zur Lücke


Zwischen 1996 und 2002 klafft ein großes Loch im sensiblen Mother Tongue-Kosmos.
Lange musste man in dieser Periode auf ein Lebenszeichen der Band warten. Nachdem ihr hochgelobtes Debütalbum 1992 erschien, zerbrach die Formation nur kurze Zeit später an persönlichen Differenzen, Krach mit der Plattenfirma und anderen unschönen Streitigkeiten.
So hoch ihr Stern noch zu scheinen vermochte, es war Schluss. Sie zogen die Handbremse.
Mit nicht nachlassender Zuneigung, vor allem von Fans aus Deutschland, raufte sich die Band nach unglaublichen acht Jahren wieder zusammen. Das atmosphärisch runde Comeback-Album Streetlight wusste erneut wieder in seinen Bann zu ziehen. Funkelnde Melodien, Groove und Soul, sowie die latente Aura eines gefährlichen Großstadtdschungels sprachen eine deutliche Sprache. Auch der noch vielseitigere, nicht weniger gelungene Nachschlag Ghost Note konnte begeistern. Danach gab es neben umjubelten Tourneen eine erneute Sendepause.

Time is honey


Wieder haben sie sich Zeit gelassen, um an neuem Material zu arbeiten. Die Zwischenzeit wurde mit zwei mittlerweile vergriffenen EPs überbrückt, auch die Trennung von der deutschen Plattenfirma Nois-o-lution ging vonstatten.
Inzwischen hat sich die Band dazu entschieden, alles in Eigenregie an den Letztverbraucher zu bringen. Das neue Album Follow The Trail zog seine Fährten dementsprechend nur auf Tour, inzwischen wird das Album auch von der deutschen Fanseite mothertonguelives.de vertrieben.
Auch wenn der Weg steinig und schwer war, Herzblut und Freude haben Mother Tongue immer noch nicht eingebüßt.

Follow The Trail
ist rhythmisch wie nie.
Mehr auf den Punkt und mit mehr Ziel in den Augen, ist es
vielseitig und facettenreich zugleich. Für Abwechslung sorgen auch die  unterschiedlichen Stimmen von David 'Davo' Gould, Bryan Tulao und Christian Leibfried. Frontmann Davo setzt seine hitzigen Spoken Word-Formulierungen in breaklastigen Songs ein, Bryan Tulao singt mit viel Gefühl und Wärme, und Leibfried liegt irgendwo im rauhen Mittelfeld.
Gleich das erste Stück des Albums empfängt einen mit schweren Geschützen.
Der übereilte Opener Mayday stürzt sich gleich in den Tumult, randaliert ohne Wenn und Aber drauf los und lässt die Sirenen losheulen,
Silhouette hingegen stampft sinister durch ein psychedelisch spektralfarbenes Sumpfgebiet.
Der Song beginnt langsam und zaghaft, bäumt sich durch Gitarreneffekte aber immer mehr auf. Monster To Feed macht wiederum eine Kehrtwende und präzisiert mittels saftig groovendem Paukenschlag die Richtung, wobei der nächste Song, Nightbird Sing, melancholisch und sanftmütig vorgetragen wird und erstmals die Energien der Band ausbremst.
ine schwungvolle Eigendynamik, die es hier zu verdauen gilt.
Die warme Atmospäre und der Jam-Charakter ziehen sich auch durch die weiteren Songs, ob Disco-Stampfer (Outside Looking In), musikalische Unangepasstheit (Ha Ha), oder zügelloser Rock'n'Roll wie Believing es zelebriert. Hämmernde Riffs und unwiderstehliche Refrains, wie in Together Released, schleudert die Band einem auch entgegen.
Upon A Time
als Liebesbekundung ist nicht sehr ansprechend, doch das episch im Zwielicht tänzelnde Always Forever versöhnt ungemein.
Das Schlussstück Wolf baut zunächst Südstaatenflair auf, flirtet mit sonnigen Melodien, leichten Brisen und großen Gesten, wird aber von bedrohlichen Effekten und Loops heimgesucht, die wie ein Super-Gau inszeniert sind.

Das bestimmende Gefühl


Die Band sagt, jedes ihrer Alben folgt einem bestimmten Gefühl. Follow The Trail scheint gleich mehrere unterschiedliche Facetten und Empfindsamkeiten in sich zu vereinen. Raffiniert arrangieren Mother Tongue ihre Songs, die zwischen lässigem Groove, leidenschaftlichem Soul und perlendem Funk in einer hitzigen Schnittmenge liegen. Ein Kampf zwischen Hell und Dunkel, zwischen Dynamik und Relaxtheit.
Obwohl manche Songs schon auf den EPs zu finden waren, entfalten sie ihre volle Wirkung erst im Album-Kontext. Auch wenn dieses Werk nicht im Laden zu kaufen ist, so kann man es trotzdem über die Webseite beziehen.
Einem Roadtrip durch L.A. dürfte damit nichts mehr im Wege stehen.

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AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

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