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Mit offenen Augen

2009-01-14 22:23:41

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Josè Saramagos hat es auf unsere Kinoleinwände geschafft. In einer Verfilmung von Fernando Meirelles wird Julianne Moore zur sehenden Retterin.

 

Hektisches Treiben durchdringt die Großstadt. Es ist Rush Hour. Autos fahren, Fußgänger rennen, eine Ampel schaltet auf grün. Wie auf der Rennbahn starten die Fahrzeuge um weiterzukommen. Ein Auto bleibt stehen. Sein Fahrer ist plötzlich erblindet. Man denkt an Einbildung oder gar Psychose. Doch eine Nacht später häuft sich die Zahl der Erblindeten und das Wort "Ausnahmezustand" bekommt eine neue Bedeutung.

Die Stadt der Blinden

Die Blinden werden zu Aussätzigen. Zusammengescheucht in einem stillgelegten Sanatorium ohne Betreuung. Mit Die Stadt der Blinden macht sich ein Weltuntergangsszenario, wie so oft im Film propagiert, breit. Doch den Blinden in Meirelles Film ist ein blonder Engel zur Seite gestellt. Julianne Moore darf als einzig Sehende einer Gruppe der Aussätzigen helfen.

Der Roman Die Stadt der Blinden des Nobelpreisträgers Josè Saramago erschien 1995 und wurde zu einem internationalen Bestseller. Die Menschheit steuert auf ein apokalyptisches Ende zu und hinterfragt ein letztes Mal die Essenz des Dasein. Genau so schnell wie der Erfolg, kamen auch die ersten Anfragen nach Verfilmungsrechten. Autor Saramago wollte nicht, dass sein Werk fehlinterpretiert wird. Drehbuchautor Don McKellar konnte diesen mit seiner Arbeit umstimmen und so entstand Fernando Meirelles’ Die Stadt der Blinden.

Weißes Licht statt Dunkelheit

Der Zustand der Erblindung wird durch das Sehen von weißem Licht geschildert. Nicht die Dunkelheit, sondern helles Strahlen dominiert die Wahrnehmung. Mit Überblendungen und langen Einstellungen von gleißendem Licht vermittelt Meirelles diesen Zustand. "Mein erster Instinkt war es, aus dieser düsteren Geschichte einen sehr hellen Film zu machen, mit einer Helligkeit, die beinahe schon aufdringlich sein sollte," so der Regisseur.

Zur Besetzung von Die Stadt der Blinden zählt eine Reihe von Topstars. Man mag annehmen, ohne diese könne der Film kaum überleben. Neben der einzig sehenden Julianne Moore, die beweist, dass sie viel von ihrem Handwerk versteht, beeindrucken auch Mark Ruffalo und Danny Glover als barmherzige Erblindete. Nicht zu verachten ist auch die Darstellung von Gael García Bernal, der sich zum selbsternannten Führer einer brutalen Diktatur erhebt.

Die Stadt der Blinden ist eine interessante filmische Bearbeitung des Klassikers von Josè Saramago. Regisseur Meirelle hat den Zustand der Blindheit gekonnt in Bilder verpackt. Trotz einiger langatmiger Stellen und diegetischer Stagnationen, ist Die Stadt der Blinden ein pessimistisches Zukunftsszenario mit wahrlich positiven Intentionen.

Filmstart in Österreich: 16. Jänner 2009

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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